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Für jeden erfolgreichen TV-Komödianten kommt irgendwann die Zeit, da er sich auch auf der großen Leinwand beweisen kann oder muß, einfach weil der Ehrgeiz es gebietet oder weil die bisherigen Serienerfolge ausgelaufen sind und da „King of Queens“ Kevin James es bereits bewältigt hatte, einem Superstar wie Will Smith in einer erfolgreichen Romantikkomödie komplett die Schau zu stehlen, war ein Film, der sich komplett auf ihn konzentrieren würde, nur eine Frage der Zeit.

„Paul Blart: Mall Cop“ ist nun dieser Lackmus-Test, in dem James seine Qualitäten endlich über die volle Spielfilmlänge ausbreiten kann: trotz beachtlicher Körperfülle (um nicht zu sagen: Fettheit) eine beachtliche Agilität, sein Knuddelbärenimage und seine Tolpatischigkeit.
Nicht, daß der Film, den er selbst mitgeschrieben hat, nicht eine Aktion „Nummer Sicher“ wäre – die Story von dem traurigen alleinerziehenden Alleinstehenden, der in einem nicht sonderlich angesehenen Job (Wachmann in einer Shoppingmall) von Kunden und anderen Angestellten in seinem umsorgenden Eifer eigentlich nur gebeutelt wird, bis er sich bei einer Geiselnahme als Ortskundiger bewähren kann, ist nun mal eine perfektionierte und konfektionierte Standardnummer, bei dem der Unterlegene über sich hinaus wächst, die aber meistens funktioniert, wenn die Umstände und die Gaganzahl stimmen.

Bei gerade mal knapp 90 Minuten Laufzeit sollte man also nicht allzu viele Überraschungen erwarten, vielmehr verbraucht „Mall Cop“ gut die Hälfte seiner Laufzeit mit der Vorbereitung und Ausarbeitung des eigentlichen Höhepunkt: es werden die Familien- , Karriere- und Gesundheitszustände dargelegt, der amuröse Köder präsentiert und die Kollegen und Gegner in Stellung gebracht, die dann in der Extremsituation entweder mit oder gegen ihn sind.

So gesehen, ist die erste Dreiviertelstunde dann auch arg zahm, gebremster Loser-Humor, der aber auf die modernen Geschmacklosigkeiten zugunsten der Einführung in die Umgebung (fast der ganze Film spielt in der Mall) verzichtet. Hier und da macht sich James also zum Affen, bietet etwas halbgaren Slapstick und präsentiert seine Physis.
So ist dann die größte Überraschung des ganzen Films auch wirklich James ungeheure Beweglichkeit, die ihn trotz der Klotzigkeit alle seine Stunts selbst ausführen läßt und die wirklich beeindruckend daherkommen.
James‘ Figur Paul an sich kann man sowieso aufgrund chronischer Niedlichkeit kaum am Zeug flicken, allerdings nervt hin und wieder das betonte Loser-Image ein wenig, weil man die ganze Zeit auf den Ausbruch wartet.

Die zweite Filmhälfte bringt dann das Erwartete: die große Geiselnahme in Form einer „Stirb Langsam“-Parodie, in der der ungeschickte Tölpel nach und nach im Kampf um ein hübsches Mädchen einen Verbrecher nach dem anderen ausschaltet.
Für Filmfans eine wahre Freude, die Zitierwut der Autoren endlich von der Leine gelassen zu sehen, da werden reichlich bekannte Actionfilme angeführt und nachgebildet, von „300“ bis zum guten alten „Rambo“, der sich immer noch sehen lassen können. Die Fieslinge sind alle sehr agil, was noch ein paar schicke zusätzliche Bilder ausmacht und zum Schluß legt man sogar noch einen Twist drauf und rauscht dann ins Happy Ending.

So kann man das als eine Form modernisierten „Home Alone“ sehen, der Kindskopf, der die Verbrecher mit den hauseigenen Waffen schlägt, allerdings nicht ganz so infantil, dabei aber auch nicht so monströs kreativ.
„Der Kaufhaus-Cop“ ist, wenn man ehrlich ist, amüsant, bisweilen auch verbal unterhaltsam und grundsätzlich sympathisch, ungemein aufregend ist er aber nicht – was dann den Megakassenerfolg auch nicht ganz erklärt (ist wohl auf die gewaltarme Familienfreundlichkeit zurückzuführen). James wirkt somit bei allen Altersklassen gleich, ohne sich oder das Niveau bloßzustellen.
Das ist erfreulich, geht aber für Komödianten meistens nur ein oder zwei Filme gut. Dann müssen sie etwas anderes bieten und es bleibt abzuwarten, ob das auch so anstandslos konsumiert werden wird. (6/10)

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