An diesem Film werden sich die Geister scheiden. Die einen werden darin einen verquasten, pseudo-philosophischen und höhepunktlos vor sich hinplätschernden Arthouse-Gähner sehen. Die anderen werden darin einen wunderschön bebilderten Kommentar zur Folgenschwere menschlicher Entscheidungen sowie unserer Natur an sich sehen und sich gerade für die leise Gangart und die geschickt aufgebaute, sich langsam steigernde, unterschwellige Spannung begeistern.
Die Wahrheit ist, es lassen sich für beide Betrachtungsweisen gute Argumente finden. Es kommt ganz auf den persönlichen Standpunkt, die unmittelbare Situation und die jeweilige Stimmung an, womit wir uns gewissermaßen bereits mitten in der Thematik von The Box befinden.
Richmond, Virginia 1976. Eines Morgens finden Norma (Cameron Diaz) und Arthur Lewis James Marsden) vor ihrer Haustür eine mysteriöse Box mit einem roten Druckknopf. Am selben Nachmittag erscheint Mr. Steward (Frank Langella) - ein geheimnisvoller Mann mit einem schrecklich entstellten Gesicht - und macht dem Ehepaar ein unglaubliches Angebot. Sollten sie den Knopf binnen der nächsten 24 Stunden drücken, erhalten sie die Summe von einer Million US-Dollar in Bar. Als Folge wird gleichzeitig irgendwo auf der Erde ein ihnen unbekannter Mensch sterben.
Das Dilemma: Norma und Arthur würden das Geld dringend brauchen. Arthurs fest eingeplante Beförderung bei der NASA wurde völlig überraschend aus psychologischen Gründen abgelehnt. Norma benötigt eine teure Operation, um wieder richtig gehen zu können und ihre Schule hat die Vergünstigungen für Angehörige des Lehrkörpers gestrichen, so dass sie für ihren Sohn Walther eine weniger elitäre Einrichtung finden müssten. Es ist schließlich Norma, die nach heftigen Diskussionen mit ihrem Mann den Knopf drückt.
Am nächsten Tag erscheint Arlington Steward wie versprochen mit der Million. Er teilt dem Ehepaar mit, dass die Box nun neu programmiert und an jemand weitergegeben werde, den sie bestimmt nicht kennen. Arthur bekommt Angst und versucht Steward das Geld zurückzugeben. Vergeblich. Beide beginnen zu ahnen, dass ihr ganz persönlicher Albtraum gerade erst begonnen hat ...
Mit The Box hat der gefeierte Donnie Darko-Regisseur Richard Kelly zumindest teilweise wieder in die Erfolgspur zurückgefunden. Sein zweiter Film - die völlig überladene und wirre Polit-Parabel Southland Tales - wurde von Kritikern wie Publikum zu Recht als komplettes Desaster abgestraft. The Box ist glücklicherweise weit weniger wirr und nicht annähernd so vollgestopft. Er ist vielmehr ein lange Zeit clever arrangierter Suspense-Streifen, der geschickt mit den Erwartungen und den Ängsten der Zuschauer spielt.
Das Grauen schleicht sich langsam und über Umwege an die sympathische Familie Lewis heran. Man hat schnell das Gefühl, dass deren plötzliche finanzielle Notlage kein unglücklicher Zufall ist. Man beginnt sich zu fragen, ob man in einer vergleichbaren Situation selbst den ominösen Knopf drücken würde. Man spürt, dass die Entscheidung Normas ihre Familie nicht glücklich machen wird. Und man ist gespannt auf das „Wie" und das „Warum" des kommenden Szenarios.
Leider kann der Film das anfängliche Niveau nicht gänzlich durchhalten. Die vermehrt auftauchenden Fantasy-Elemente und vor allem die Hintergründe um den geheimnisvollem Mr. Steward sowie den Zweck seines Tuns wirken unausgegoren und sind letztlich enttäuschend. Das ist einer der Fälle, in denen keine, oder zumindest eine nebulösere Erklärung zu einem stimmigeren Gesamtkonstrukt geführt hätte. Mit dem im Vorfeld postulierten Ziel einen zu gleichen Teilen ungemein spannenden, künstlerisch anspruchsvollen und kommerziell erfolgreichen Film zu drehen, hat Kelly sich dann doch etwas übernommen.
Trotzdem bleibt The Box ein faszinierendes Stück Kino abseits des Mainstream. Der Film wirft eine Reihe unangenehmer Fragen auf, die auf des Wesen der menschlichen Natur abzielen. Was würden wir opfern oder in Kauf nehmen, um unsere persönliche Lebenssituation zu verbessern? Ist das eigene Wohl grundsätzlich wichtiger als das eines Fremden? Der Film gibt darauf keine Antwort, sondern befasst sich mehr mit den Konsequenzen solcher Entscheidungen.
Auch handwerklich ist The Box nichts vorzuwerfen. Ausstattung, Bildkompositionen und Darstellerleistungen sind klar in der Oberliga anzusiedeln. Das 1970er-Jahre Setting ist bis ins kleinste Detail stimmig. Die kühl-strengen Bilder unterstützen den bedrohlich unangenehmen Grundton des Films. Cameron Diaz und James Marsden strahlen Sympathie und Wärme aus und machen das Schicksal der Familie Lewis damit umso bedrückender.
So gesehen gehört der Rezensent trotz der oben beschriebenen Mängel zur wohlwollenden Zuschauerhälfte. Aber das kann man natürlich auch ganz anders sehen. Je nach persönlicher Gewichtung der vorhandenen Stärken und Schwächen. It´s your decision.