Review

Will Smith gibt den Erlöser, - mit einer Menge Schwermut, einer Würfelqualle und der Frage um Schuld und Sühne.
Nicht nur erzählerisch hat das viel von „21 Gramm“, wo es allerdings an Glaubhaftigkeit mangelt, vermag man gegen Ende voller Emotionen aufatmen: Gutmenschsein zahlt sich mal wieder aus.

Smith bekleidet die Rolle des Steuerbeamten Ben Thomas, von dem man bereits während der Einstiegsszene erfährt, was er plant: Er meldet seinen eigenen Selbstmord bei der Notrufzentrale.
Ist dies wirklich das Ende seines Planes, sieben Menschen aus der Not zu helfen und dadurch ihr Leben für immer zu verändern?

Die verschachtelte Erzählweise mit einigen Plot-Überlagerungen und Zeitsprüngen innerhalb der ersten halben Stunde könnte in der Tat aus der Feder von Regisseur Inarritu stammen.
Deutlich sind zwar die Hinweise, die auf Bens Geheimnis hinarbeiten, doch zunächst benötigt man einige Zeit, sich von der etwas zäh und zugleich mysteriös erscheinenden Darbietung ohne jegliche Konfliktsituationen zu lösen und der Story alsbald eine nachvollziehbare Linie zu verleihen.
Ben hat eine Liste von „guten“ Menschen, die es verdient haben, durch seine Unterstützung neuen Lebensmut zu schöpfen, weshalb er sich häufig im Krankenhaus aufhält und dort auch Emily (Rosario Dawson) kennen lernt, die mit massiven Herzproblemen zu kämpfen hat.
Folgerichtig kommen sich Ben und Emily näher, während sich sein Plan dem Abschluss nähert.

Gutmenschkino in seiner pathetischsten Form könnte man meinen, denn böse Typen, wie der prügelnde Ehemann einer Frau mit zwei Kindern, werden erst gar nicht eingebunden.
Schon aber, wie selbstlos Ben ihr ein Haus am Strand vermittelt und das sind dann Momente, in denen die Unglaubwürdigkeit so stark überwiegt, dass man den Streifen am liebsten augenblicklich stoppen möchte, um das Drehbuch noch schnell mit ein paar dramaturgischen Dornen anzureichern.
Auch wenn Bens Motivation weitestgehend nachvollziehbar ist, muss die Selbstläuterung so weit gehen, sich Knochenmark ohne Betäubung entnehmen zu lassen?

Insofern ist man für die wenigen, auflockernden Momente dankbar, wie den Szenen beim Hotelbesitzer oder jenen mit der dänischen Dogge von Emily, einem vegetarischem Exemplar.
Ansonsten ist es auf Dauer von über zwei Stunden recht anstrengend, einem Smith als leidenden Messias zwischen Hundeblick und Dauerregen in L.A. beizuwohnen, auch wenn der wie immer sein Publikum fesseln kann und von hervorragenden Partnern wie Dawson oder Woody Harrelson als blinden Pianisten unterstützt wird.

Jedoch, und davon kann man sich schwerlich entziehen, vermag der Stoff gegen Ende eine emotional Wucht entfalten, die den Zuschauer selbst in die Rolle des Erlösers katapultiert, was sich zweifelsohne gut anfühlt.
Was zuvor an emotionalen Höhepunkten und dramaturgischen Kniffen fehlte, (weil man eben nicht falsch liegt, wenn man sich sämtliche Backgrounds selbst zusammenreimt), wird zumindest durch die stille Form von Kraft und Hoffnung am Schluss recht gut kaschiert.

Wer Gutes verrichtet, um guten Menschen in Not das Leben auf positive Weise zu verändern, steht am Ende beinahe als Engel dar, - was im Gesamtbild wiederum eine etwas zu schmalzige Note hinterlässt.
Was sich als vorhersehbar und dadurch weniger spannend entfaltet, wird jedoch durch großartige schauspielerische Leistungen aufgefangen, gleiches gilt für die zum Teil bildgewaltige Form der Inszenierung, besonders innerhalb einiger Naturkulissen.
Auch wenn es in einigen Situationen an Glaubwürdigkeit mangelt, vermittelt „Sieben Leben“ eine stimmige Atmosphäre, eine erzählerische Intensität, die fast schon ein wenig zuviel Will Smith beinhaltet.
Zwischen „manipulativ und „selbstgerecht“ oder „Filme, die einen nachhaltigen Denkanstoss“ geben, tendiere ich, wenn auch mit deutlichen Einschränkungen, zu letzterem.
6,5 von 10

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