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"In sieben Tagen erschuf Gott die Welt. Und in sieben Sekunden habe ich meine zerstört."

Bereits zum zweiten Mal arbeiten Regisseur Gabriele Muccino und Schauspieler Will Smith gemeinsam an einem Drama. Im Gegensatz zum leichtfertigen "Das Streben nach Glück" fällt das Drama "Sieben Leben" aber durch wesentlich weniger Frohsinn auf.

Ben Thomas (Will Smith) leidet unter Schuldgefühlen und Depressionen. Da er sein Leben nicht mehr in den Griff bekommt beschließt er, das Leben von ihm unbekannten Personen zu verändern. Im positiven Sinne. Bevor er dies tut, möchte er aber auf Nummer sicher gehen, dass seine guten Taten wirklich nur den Menschen widerfahren, die es seiner Meinung auch verdient haben. So kontrolliert er als Steuerfahnder das Privatleben ausgewählter, meist kranker Menschen und deren Umgang mit ihrer Umwelt. Als er durch seine Recherchen die herzkranke Emily Posa (Rosario Dawson) kennenlernt, und ihr durch viele Kleinigkeiten Trost spendet, scheint sich auch sein Gemüt wieder etwas zu verbessern.

Es sei schon direkt zu Beginn angemerkt, dass "Sieben Leben" technisch und schauspielerisch in einer Liga mit "Das Streben nach Glück" spielt, nicht mehr aber auch nicht weniger. Das Set das Dramas von 2006 wurde zum Großteil erneut an den Start geschickt, um sich diesmal statt der Lebensgeschichte eines Mannes einer Sterbensgeschichte zu widmen. Im Gegensatz dazu fällt dann auch auf, dass kaum noch heitere Momente vorhanden sind, und sich das Drama eher an ein anspruchsvolleres Publikum richtet.

"Sieben Leben" versucht eine Geschichte rund um Schuld und Sühne zu erzählen, verliert aber dabei seinen eigenen moralischen Kontext aus den Augen. Statt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema präsentiert sich der Film zu kurzsichtig und glatt, verliert gar mit zunehmender Laufzeit den Faden und wandelt sich plötzlich in einen Schmachtfetzen. Somit gerät das Drama nach seinem schwerfälligen, wirr erzählten Start in die Schublade des Unterhaltungsfilms, dass zwar erinnerungswürdige Momente aufweist, seine Möglichkeiten aber nicht völlig ausspielt.
Dies liegt insbesondere an dem Schwerpunkt nur eines der sieben Leben in den Vordergrund zu stellen und die weiteren als Nebenhandlung abzuhandeln. Dabei haben nicht nur die Nebendarsteller Schwierigkeiten ihre Figur ausgiebig einzuführen. Es werden auch deutliche Schwächen am Drehbuch selbst durch die an sich schon ruhige Erzählweise ohne Knalleffekte ersichtlich.
Auch die Geschichte selbst ist genau genommen wenig innovativ und bei genauerer Hinsicht bereits schon lange vor Schluss entschlüsselt, bietet aber in jedem Falle zumindest eine entscheidende Wendung.

All das klingt nun nach einem eher mäßigen Drama, dass "Sieben Leben" aber definitiv nicht ist.
Die Charakterstudie ist bewegend, gefühlvoll, zum Finale gar furios inszeniert und drückt ordentlich auf die Tränendrüse. Je nach Ansicht kann letzteres als unerträglich rührseliger Kitsch abgetan werden, die für ein europäisches Publikum überdramatisierten Szenen halten sich aber glücklicherweise in Grenzen.
Hinzu kommt ein kontrolliert melancholischer Soundtrack der von Anfang bis Ende die passenden Töne findet.

Erneut zeigt sich Will Smith ("I am Legend", "Hancock", "I, Robot") losgelöst von seinen gewohnten Rollen, diesmal sogar noch überzeugender als bereits vormals in "Das Streben nach Glück". Ein weiteres Mal ist ersichtlich, dass die Möglichkeiten des Publikumsmagneten vielschichtig und unvorhersehbar gut sein können.
Rosario Dawson ("Death Proof", "Sin City") harmoniert gut mit Smith und bietet nach ihren bisherigen, meist extravaganten Auftritten, eine glaubhaft "kränkliche" Vorstellung.
Das Drama hat noch weitere renommierte Stars zu bieten, Woody Harrelson ("Natural Born Killers", "No Country for Old Men"), Barry Pepper ("Flags of Our Fathers", "The Green Mile") sowie Bill Smitrovich ("Iron Man", "Millennium") sind aber viel zu kurz auf der Leinwand präsent um mehr als nur loses Schmückwerk zu leisten. Eigentlich eine Verschwendung.

"Sieben Leben" ist einen Tick besser als das vergleichbare "Das Streben nach Glück". Trotz Schwächen in Geschichte und Drehbuch sind Atmosphäre und Schauspieler stimmig. Der Druck auf die Tränendrüse ist enorm, kann auch mal überschwängert sein. Und sicherlich ist der Übergang von Schulddrama zu Liebesgeschichte nicht jedermanns Geschmack. Über letztere Punkte kann man allerdings hinweg sehen. Daher gibts die im Film mehrfach erwähnte und passende...

7 / 10

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