Review

Hierzulande mit dem großspurigen Titel „Panzerschlacht an der Marne“ versehen, sollte man bei León Klimovskys („Quinto, töte nicht“, „Blutrausch der Zombies“) Kriegsfilm von vorne herein seine Erwartungen tief herunterschrauben, denn eine Panzerschlacht gibt es hier gewiss nicht und die orientierungslosen Actionszenen, zusammengehalten von einem ziemlich chaotischen Skript, dem man als Zuschauer nicht immer folgen kann, unterhalten leider auch nicht mit spektakulären Einlagen. Deswegen sortiert sich auch diese italienisch-spanische Co-Produktion lediglich im unübersichtlichen, aber stark frequentierten Mittelfeld verwandter Ergebnisse ein.

Einmal mehr wird das seinerzeit aufgebrauchte Plotmotiv einer „Behind Enemy Lines“ – Mission aus dem Hut gezaubert, an der ganze vier Autoren mitschrieben, was wohl den etwas wirren Zustand des Films erklärt.
Der amerikanisches Major John Heston (Jack Palance, „Tango & Cash”, „City Slickers”) erhält den Auftrag gemeinsam mit einer Handvoll deutscher Offiziere eine Gruppe Generäle nebst Feldmarschall Rommel zu befreien, die dem regimefeindlichen Kreisauer Kreis angehören und mit dem Zug nach Berlin gebracht werden, um dort hingerichtet zu werden. Trotz seiner Bedenken nimmt er den Auftrag an und springt mit seiner kleinen Truppe über deutschem Boden ab...

Nach einem plausiblen Sinn dieses Einsatzes fragt man lieber nicht, denn der erschließt sich erst als Twist in den letzten Minuten, aber jeder halbwegs intelligente Beteiligte sollte sich schon im Vorfeld fragen, wie dieses Kommandounternehmen eigentlich den Krieg verkürzen soll.

León Klimovsky, leider stets ein sehr mittelmäßiger Filmemacher ohne erkennbaren Stil, ordnet den Film zeitlich mithilfe von Archivaufnahmen des Intros ein und schickt seine Mannen dann auch unter regelmäßigem Einsatz von Stock Footage umgehend in Feindesland, wo sich die Recken erst einmal wieder finden und bis zu den Gleisen vorkämpfen müssen, um mit dem Überraschungsmoment auf ihrer Seite den schwer bewaffneten Zug zu überfallen.

Tatsächliche Spannung will dabei allerdings nicht entstehen. Die Anzeichen eines möglichen Verräters unter ihnen verdichten sich leider nicht weiter, dafür häufen sich aber die antikriegerischen Parolen von Jack Palance, der von Minute zu Minute dicker aufträgt, bisweilen nach Kräften chargiert und mit einem letzten Appell geradewegs zum Pazifisten mutiert, sich damit aber auch gänzlich der Lächerlichkeit preisgibt.

Bevor es dann zum Zugüberfall kommt, stellen sich dem Sonderkommando in deutschen Uniformen auch immer wieder Soldaten der Wehrmacht mitten in der Pampa gegenüber, aber die stellen nie ein ernsthaftes Problem dar. Dasselbe gilt dann aber auch für den schwer bewaffneten Zug, von dem die verbarrikadierten Bewacher nur so wie die Tontauben fallen. Klimovskys mangelhaftes Talent spiegelt sich vor allem in den kniffeligen Vorbereitungen des Zugstops wieder, die trotz Lautlosigkeit fast scheitern
Wenn man kurz Genreprimen wie „Where Eagles Dare“ heranzieht, weiß man leider schnell wo der echte Hammer hängt.
Den Schnitt dabei als eine Katastrophe zu bezeichnen, ist noch untertrieben. Im Grunde montiert Klimovsky inkohärent nämlich nur schießende und umfallende Soldaten zusammen, deren Partei man gar nicht zuordnen kann, weil alle Soldaten deutsche Uniformen tragen und der Wiedererkennungswert der Figuren sowieso sehr gering ist.

Den lieblosen Charakter wird „Panzerschlacht an der Marne“ spätestens von nun nicht mehr los. Auch wenn nebenbei noch auf deutscher Seite spekuliert wird und zumindest nicht alle Klischees über deutsche Soldaten präsentiert werden, so geht der Handlung ab der Befreiung die restliche Luft aus. In der zerfahrenen Handlung ziehen die Generäle von dannen, Backen ihre eigenen Brötchen und werden nie wieder erwähnt, ein Spion kreist mit fragwürdigen Momenten zwischen den Fronten, ein Gefangener wird auch gemacht und schließlich übernehmen die Übriggebliebenen in einem völlig unglaubwürdigen Finale eine schwer bewaffnete Bunkeranlage, um eine ganze deutsche Panzerdivision der SS mit ein paar Handgranaten, Sprengminen und Panzerfäusten aufzuhalten.

Überbordender Heroismus gepaart mit Selbstaufopferung speziell in den letzten Minuten und das immer unerklärlichere Züge annehmende Drehbuch besorgen vor allem in der zweiten Hälfte eine sehr konfuse und irgendwann auch total lächerliche Situationen, in denen das Pathos überkocht.

Wenigstens über ein mangelhaftes Tempo braucht man sich hierbei allerdings nie beschweren, obwohl auch „Panzerschlacht an der Marne“ ein sehr schönes Beispiel dafür ist, dass viele Köche den Brei verderben. Wie so oft bei Italo-Produktionen dieser Zeit hinterlässt der Film einen ungeordneten Eindruck, weil so viele Autoren mit der heißen Feder ihren Senf dazugaben und dabei offensichtlich nicht immer wussten, was der andere gerade tat. So wollen sich vor allem die Szenen auf Seite der Deutschen kaum einfügen, auch wenn das am Ende alles mehr oder weniger Sinn macht. Die Kapitel sind eben nur alle sehr knapp und wenig harmonisch kalkuliert worden. Dies macht insbesondere Palances wenig aufregendes Puzzeln am Ende deutlich, wenn er endlich den Zweck seiner Mission erkennt und der dann den Zuschauer völlig kalt lässt.

Wer zu guter Letzt noch auf eine Materialschlacht hofft, kommt nicht auf seine Kosten. Kurze Szenen beschädigter Panzer werden im Finale sogar mehrmals wiederholt. Es reagiert wieder einmal das Masse anstatt Klasse – Prinzip. Unmengen von Statisten fallen in sich wiederholenden Szenen in den staubigen Boden, ohne dass auch nur ein Moment im Gedächtnis haften bleibt.
León Klimovsky erweist sich dabei weiterhin fleißig als sehr einfallsloser Regisseur, der die vielen Auseinandersetzungen äußerst bieder und unattraktiv inszeniert. Von spektakulären Explosionen oder halsbrecherischen Stunts sieht man hier keine Spur und obwohl das militärische Equipment genauso zahlreich wie die Statisten vorhanden zu sein schienen, bewegt man vor allem die Panzer nur, falls es die Szene unbedingt erfordert.


Fazit:
So bleibt „Panzerschlacht an der Marne“ nur einer der vielen einfältigen, italienischen Kriegsfilme, die stets mehr Schein als Sein sind. In den Nebenrollen tummeln sich zwar auch bekanntere Gesichter (Andrea Bosic, Gérard Tichy), aber das oftmals nur Patchwork darstellende Drehbuch versaut den Spannungsbogen genauso wie León Klimovsky mit seiner leidenschaftslosen Umsetzung jeden Genrefan das Fürchten lehrt. Da der Film es mit den geschichtlichen Fakten auch nicht sonderlich genau nimmt, die Charaktere durch die Bank weg den üblichen akzentlosen Kriegsrecken entsprechen und Jack Palance nur in ganz wenigen Szenen den Eindruck hinterlässt, als hätte er hier eigentlich nichts verloren, bleibt ganz knapp der Durchschnitt über. Von der inszenierten Einfallslosigkeit bis hin zum dudeligen Score Armando Trovajolis („Der lange Tag der Rache“, „Der Tod des Paten“) fehlt da einfach der mitreißende Zug.
Italien hat zu dieser Zeit wohlbemerkt noch langweiligere und schlechtere Kriegsfilme produziert, die immer an den selben Symptomen krankten. Meist nahmen sie sich zu ernst, anstatt dazu zu stehen nur trashige Rip-Offs zu sein, konnten dank schwacher Actionanteile nicht überzeugen, glänzten höchstens mit Stereotypen und einfallslosen Handlungen, die mehr schlecht als recht authentische Geschehnisse nachspielen wollten. Empfehlen kann man speziell von diesen häufig ins Verderben geschickten Sonderkommandos eigentlich abgesehen von Enzo G. Castellaris kultigen „Ein Haufen verwegener Hunde“ leider keinen.

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