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Wenn ein Prachtschinken wie die französische "Bartholomäusnacht" in die Kinos rauscht, dann erwartet man sicherlich ein Fest für die Sinne oder einen interessanten Einblick in historische Ereignisse. Hier wird jedoch keiner der Erwartungen entsprochen. Vielmehr gerät der Film zu einer historischen Tour de Force, die zeitweise in Blut und Dreck ertrinkt und sich dann zum adeligen Intrigenspiel rund um die richtige Religion weiterentwickelt.

Der Handlung zu folgen wird dabei nicht gerade leicht gemacht, denn der Film handelt mit einer ganzen Fülle von Personen katholischer und protestantischer Kirchenzugehörigkeit, die erst mal in einen Topf geworfen sein werden. Dabei kann man gleich mit dem Irrglauben aufräumen, es handele sich um einen Abriß der Geschichte, wie es zu der massakerhaften Bartholomäusnacht kam. Das wird zwar ebenfalls abgehandelt, nur findet diese Nacht bereits nach knapp einem Drittel der zweieindreiviertel Stunden statt und ist auch mehr ein Auslöser für weitere Ereignisse.

Im Zentrum steht vielmehr Isabelle Adjanis Margot, die Tochter des herrschenden Königs, die zu einer Zwangsheirat mit dem Herzog von Navarre gebracht wird, eine Religionsheirat, die das Land befrieden soll.
Die Handlung ergeht sich dabei im promiskuitiven Treiben am Hof, wo Intrigen und Betrug an der Tagesordnung sind, Inzest an der Tagesordnung ist und Ehebruch kein Verbrechen. Während Navarre sich, im Glauben am Hof vom Tode bedroht zu sein, an die widerstrebende Margot hängt, gerät die an den protestantischen Adeligen La Mole, der in Auseinandersetzungen in Paris gerät und in den sie sich nach einer schnellen Nummer verliebt.

Fixpunkt des Geschehens wird dabei das nächtliche Massaker, daß sich auf einem Irrtum des halb geisteskranken Königs beruhend, auf die ganze Stadt auswirkt. Danach ändert sich der Ton des Film vom historischen Drama zu einer ausgewachsenen Intrigentragödie nach Murphys Law.
Da gieren und intrigieren die übrigen Söhne der in Wirklichkeit herrschenden Katharina von Medici gegen den bestehenden König, da werden immer wieder Mordanschläge auf Navarre geplant, die zufällig schief gehen, von Margot torpediert werden oder vom König selbst vereitelt. Da wechselt Margot ihren Stoizismus gegen menschliche Gefühle, hilft Navarre und flieht zu La Mole. Da bringt ein simples verkauftes Buch La Moles Tod und Verderben über die Monarchie und führt zu seinem eigenen Verhängnis. Da wandelt sich Navarre von einem ängstlichen Zauderer in einen mutigen Mann, der im Dschungel der französischen Giftmörder und Assasinen zu bestehen versucht.

Das komplette Ausmaß der Tragödie zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen, sicher kann man nur sein, daß es hier nicht den Weg nimmt, den man von den generellen dramatischen Konventionen erwarten könnte. Stets, wenn man glaubt, den weiteren Verlauf zu ahnen, führt der Plot zwei Figuren zusammen, die bisher auseinander standen und gibt dem Verlauf eine neue Richtung. Das ist ebenso interessant, wie es gegen die üblichen Sehgewohnheiten vorgeht.

Gegen die spricht auch die gewisse Gnadenlosigkeit des Geschehens, die der Zeitgeschichte Tribut zollt. Neben dem blutspritzenden Schlachtmassaker in den Gassen von Paris, wird hier herb alles über den Jordan geschickt, was irgendwie gut und nett ist oder auch nur einfach mal ehrlich. Da dreht sich der Reigen der geschickt gemischten Giftmixturen, da wird brutal erstochen oder geköpft und ein Jagd gerät zu einem blutigen Massaker mit einem wildgewordenen Eber. Nur die Bösen überleben diese Schlacht, die auch noch überwiegend dreckig geraten, gerade so wie das 16.Jahrhundert eben war. Die historische Schilderung der Ereignisse ist damit überwiegend makellos.

Die Adjani, die im Original auch titelgebend ist, rückt übrigens im Lauf des Films in die Rolle einer besseren Nebenfigur, was zeigt, wie relativ ausgewogen der Film in der Schilderung wirklich ist. Wer also auf ein brutales Tragödienspiel mal Lust hat, sollte sich diesen Trip ins alte Paris gönnen. Nur etwas Zeit müßte man schon mitbringen und bisweilen einen gesunden Magen. (7/10)

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