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Ein Kritiker einer anderen bekannten Internetseite für Filmrezensionen beschrieb 'The Last House on the Left' als ein "megafieses Dreckstück von einem Film", was das Remake des Wes Craven-Klassikers von 1972 ziemlich treffend beschreibt. Die 2009er Version polarisiert. Kann man ihr jetzt ausschließlich fragwürdige Moral ankreiden oder erkennt man schließlich doch die Vorzüge dieses Revenge-Thrillers?

Nun, hier muss abgewägt werden, und für mich steht neben der in sich plausiblen - wenn auch durchaus dreckigen Story die erstklassige handwerkliche Inszenierung des Films durch den griechischstämmigen Newcomer-Regisseur Dennis Iliadis.
Denn der Film wirkt, haut rein. Manche Szenen schlagen sogar ein wie eine Bombe. Und dies gerade wegen der vergleichsweise ruhigen Gestaltung. Selten sieht man in einem Film wie diesen, der ja auch einfach nur die Zuschauer für 100 Minuten fesseln will, eine derartige Ausleuchtung der Charaktere. Die Spielweise als auch die Atmosphäre machen den Film beängstigend real, so dass ob der gewaltigen Geschichte ein Angstgefühl zurückleibt. Die Vergewaltigung von Mari - der Anlass der späteren Rache - wird derart intensiv gefilmt, dass die Motivation der Eltern, welche hinterher die Gangster bösartig ableben lassen, klar und verständlich wird. So kann man dem Film auch keinerlei sinnloses Gemetzel unterstellen, auch wenn er an einigen Stellen nicht ohne Splatter auskommt. Wichtig ist, dass Iliadis vermitteln kann, dass es nicht eben "nur" eine Blutorgie, sondern verzweifelter Hass und verständliche Rachsucht ist, was die Eltern der vergewaltigten Mari zu diesem Blutbad treibt. Emotionsloses Abschlachten, wie man es aus der neuen Welle der sich selbst als "Horrorfilm" bezeichnenden Machwerke alá 'Saw', 'Hostel' etc kennt, ist dies mit Sicherheit nicht.

Diesen Eindruck verstärkt dazu die einwandfreie Leistung aller Schauspieler. Die Bösen sind in dem Fall richtig böse und werden auch dementsprechend böse, psychopathisch und eiskalt verkörpert, während auf der anderen Seite vor allem Sara Paxton sowie Tony Goldwyn als Mari's Dad positiv hervorstechen.

Zu Iliadis' sauberer Regie kommen auch noch eine starke, beängstigende Kameraführung und eine innovative musikalische Untermalung des Ganzen, welche der dichten Atmosphäre zusätzliche Schübe und Schockmomente verleihen. Vor allem im Finale entwickelt sich der Rachethriller zum absoluten Nägelkauer, da Iliadis es schafft, die Spannungsschraube nahezu nach Belieben anzuziehen.

Soweit so gut. Nur die Szene, die leider noch kommen muss, nachdem eigentlich alles so gut wie vorbei war, sorgt für einige Abstriche und ein bisschen Enttäuschung beim Verlassen des Kinos und verstärkt die Einwände derjenigen, die mit der Intention des Gezeigten nicht klarkommen. Leider wollte man hier anscheinend nochmal einen (überflüssigen!) Stempel draufsetzen, was leider gründlich misslungen ist und die Diskussionen um eine fragwürdige moralische Aussage des Films berechtigen. Schade, denn bis zu dem Punkt hatte der Film an sich meine Erwartungen übertroffen. So bleibt leider ein etwas fader Nachgeschmack.

Dennoch kann abschließend festgehalten werden, dass 'The Last House on the Left' genau das geworden ist, was man erwartet, aufgepeppt durch eine saubere handwerkliche Inszenierung, düstere Optik, dichte Atmosphäre und denkwürdige Filmmusik, abgerundet durch ein schauspielerisch ordentliches Ensemble und garniert mit einer dicken Portion Spannung und bebilderter Härte. Eben ein kleines megafieses Dreckstück von Film. Und das hat gesessen.

7,5/10

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