Meryl Streep spielt eine erzkonservative Nonne, die ihre Schüler mit aller Härte zu disziplinieren versucht, während ein vollkommen gegensätzlich eingestellter Pater, gespielt von Philip Seymour Hoffman, der an derselben Klosterschule tätig ist und für seine liberaleren, moderneren Haltungen bekannt ist, vor allem durch seine Menschlichkeit auffällt. Als der Nonne durch eine Lehrerin, gespielt von Amy Adams, zu Ohren kommt, dass sich der Pater an einem Jungen vergangen haben könnte, geht sie dem Verdacht mit aller Härte nach.
Ron Howard hat mit "Frost/Nixon" eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie reibungslos aus einem Theaterstück ein Film werden kann, wie aus der scheinbar trockenen Thematik ein enorm spannendes Kammerspiel aufgezogen werden kann. Dies gelingt John Patrick Shanley, der für die Inszenierung des gleichnamigen Theater-Stücks "Doubt" bereits mit dem Pulitzer-Preis und dem Tony-Award prämiert worden war, jedoch leider nicht bei dieser Theaterstück-Adaption.
So merkt man stellenweise überdeutlich, dass "Glaubensfrage" nicht alle Züge des Theater-Stücks abschütteln kann. So ist der Film sehr langsam erzählt, dabei aber extrem dialoglastig und will daher nicht so recht an Fahrt aufnehmen, so und in dieser Form wäre der Stoff auch auf der Bühne ohne weiteres realisierbar. Die Atmosphäre, die dabei von Shanley kreiert wird, ist relativ dicht, dem Kampf zwischen den beiden von Grund auf verschiedenen Charakteren wird in dem, immer enger wirkenden Mikrokosmos Klosterschule mit den relativ düster und karg wirkenden Kulissen und dem spartanischen, tristen, aber jederzeit passenden Score von Howard Shore, der entsprechende Rahmen geboten. Schade eigentlich, dass Shanley dem erbitterten Kampf der konservativen Nonne und des liberalen Paters erzählerisch nicht mehr Antrieb verleihen konnte, denn hier wäre um einiges mehr drin gewesen.
Denn die Story hat es in sich. Zu keinem Zeitpunkt bezieht der Film im Konflikt darum, ob sich der Pater am afroamerikanischen Jungen nun vergangen hat, oder eben nicht, in irgendeiner Form Stellung, stattdessen wird der Konflikt, meist bestehend aus verschiedenen Diskussionen zwischen den Beteiligten, objektiv vermittelt. Damit werden den Zweifeln im Zuschauer zu jedem Zeitpunkt Nahrung gegeben, da sich der Pater relativ verdächtig verhält und nicht so recht darüber sprechen möchte, was zwischen ihm und dem Jungen vorgefallen ist, während die Nonne im Grunde einzig und allein mit ihrer persönlichen Gewissheit, mit ihrem subjektiven Glauben argumentiert. Die Charaktere, auch die der Nebenfiguren, gewinnen dabei nach und nach zunehmend an Profil. Da das Ende dieses Konflikts dabei konsequenterweise offen bleibt, werden hier Denkansätze und Diskussionsgrundlagen geschaffen, aber die spartanische, karge Inszenierung nimmt dem Stoff leider die Fahrt.
Wenn Shanley selbst das Geschehen schon kaum voranzutreiben vermag, so tun dies doch wenigstens die grandiosen Darsteller, die allein schon das Ansehen des Films wert sind, nicht umsonst wurden gleich vier von ihnen für den Oscar nominiert. Meryl Streep zeigt einmal mehr, weswegen sie als beste Charakterdarstellerin der letzten Jahrzehnte gehandelt wird und ist in der Rolle der erzkonservativen Nonne nahezu beängstigend gut und praktisch omnipräsent. Mit Philip Seymour Hoffman steht ihr dabei ein ebenbürtiger Kollege gegenüber, der mit seiner doch recht lockeren, mitunter auch sehr sympathischen Art einen hervorragenden Gegenpol zu Streep bildet, weswegen die gemeinsamen Szenen kaum intensiver sein könnten, es aber auch nicht vernachlässigt, seinen Charakter suspekt wirken zu lassen. Daneben brilliert der darstellerische Höhepunk des Films, vielleicht sogar des Kinojahres, Amy Adams in der Rolle der hin- und hergerissenen Nonne, die nicht so recht weiß, auf welcher Seite sie steht. Die Angst, die Nervosität, die sie gegenüber der Obernonne verspürt bringt sie brilliant auf die Leinwand, während sie auch als freundliche, kinderliebe Klassenlehrerin nicht besser besetzt sein könnte. Zuletzt wäre noch Viola David zu erwähnen, die zwar den kleinsten Part im grandiosen Darsteller-Quartett hat, sich mit ihrer vollkommen überzeugenden Leistung jedoch nicht hinter ihren Kollegen verstecken muss.
Fazit:
Die Darsteller sind absolut grandios und die Geschichte vermag einige Fragen aufzuwerfen, die allein der Zuschauer für sich beantworten kann, allerdings sorgt die spartanische Inszenierung dafür, dass das Geschehen nicht so recht an Fahrt aufnehmen will und Shanleys Werk kann sich darüber hinaus des Eindrucks kaum erwehren, dass der Übergang vom Theaterstück zum Kinofilm stellenweise nicht ganz reibungslos gelungen ist.
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