kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 06.05.2014
Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman ideal besetzt in einem stark kontextbezogenen 60er-Jahre-Drama über einen Komplex aus Vertrauen und Glauben, greifbar gemacht über Minderheitenthemen wie Homosexualität und Rassismus. Der insgesamt bedächtig gehaltene, eher innerlich aufwühlende Dialogfilm wird perfiderweise mit den Mitteln eines klassischen Hitchcock-Thrillers gewürzt, insofern man ebenso wie Streeps Charakter im Dunkeln darüber gelassen wird, ob und welche Leichen der Priester verbirgt, dabei dreht sich die Kernfrage nicht darum, was wer getan hat, sondern wie Misstrauen das Leben von Menschen zu zerstören neigt – und weil man selbst zunehmend Misstrauen hegt, steigt die Identifikation mit der Schwester trotz ggf. extrem unterschiedlicher Lebenseinstellungen enorm. Manchmal streut das Drehbuch zu offensichtlich seine kleinen Hinweise für oder gegen die Schuld des Priesters ein, angesichts der herausragend geschriebenen, vielschichtigen Dialoge, von denen ein Gespräch zwischen Streep und Hoffman sogar als denkwürdig herausragt, ist das aber zu akzeptieren.
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