Review

Carl Allen (Jim Carrey) arbeitet tagsüber in einer Bank als Betreuer für Kreditvergaben und verbringt seine Abende in seiner Wohnung, wo er sich stundenlang Filme ansieht. Die Arbeit bereitet ihm keine Freude, bei Beförderungen wird er übergangen und wenn Jemand privat bei ihm anruft, geht er nicht ans Telefon. Soziale Kontakte finden nicht mehr statt und selbst seinem besten Freund Peter (Bradley Cooper) gelingt es nicht, ihn dazu zu motivieren, wieder unter Menschen zu gehen. Im Gegenteil kommt Carl nicht einmal zu dessen Verlobungsfeier. Seit seine frühere Frau Stephanie (Molly Sims) ihn vor drei Jahren verlassen hatte, hält dieser Zustand an.

Nun handelt es sich bei "Der Ja-Sager" nicht um ein Drama über die Einsamkeit in der Grosstadt, sondern um eine Komödie mit Jim Carrey, genauer um eine typische "Romantische Komödie". Während Carrey viele Jahre für Irrsinn und Slapstick stand, dann das ernsthaftere Fach streifte, spielt er diesmal den männlichen Protagonisten, der unverhofft zu seiner Traumfrau gelangt.

Diese begegnet ihm schon recht früh in der Gestalt von Allison (Zooey Deschanel), die er trifft, als er sich endlich aus seinem Schneckenhaus heraustraut. Allerdings funktionierte das nur mit einem Trick, denn Carl wurde von dem Motivationsguru Terrence Bundley (Terence Stamp), zu dem er sich dank eines Tipps eines alten Bekannten wagte, eingetrichtert, anstatt seiner ablehnenden Haltung zu allem "Ja" zu sagen. Und zwar ohne Ausnahme, denn sonst gerate sein Leben aus den Fugen. Auch wenn es noch ein wenig dauert bis er Allison zufällig wiedertrifft, ist von Beginn an klar, dass hier wieder die übliche Geschichte erzählt wird, in der sich Männlein und Weiblein allen Widrigkeiten zum Trotz finden werden. Die Qualität einer Rom Com misst sich deshalb nicht an ihrem vorhersehbaren Ergebnis, sondern an dem Weg, den diese bis zum erwünschten Ziel beschreitet.

Und in diesem Punkt kann "Der Ja-Sager" mit zwei absoluten Pluspunkten aufwarten - seinen zwei Hauptdarstellern. Auch wenn die Anfangssituation genregerecht nicht wirklich dramatisch geschildert wird, nimmt ihr Carrey die übliche Glätte. Obwohl er sich darstellerisch wohltuend zurückhält und nur ganz selten das Chaos aufblitzt, fehlt ihm glücklicherweise die Mainstream-Anmutung, die den Grossstädtern in ihren Liebeswirren meist anhaftet. Ähnliches lässt sich auch von Zooey Deschanel sagen, die erstaunlich vernünftig und erwachsen handelt. Ihre "Verrücktheit", die im Trailer so betont wird, beschränkt sich auf einen waghalsigen Fahrstil. Selbst ihr Bandauftritt, den sie gesanglich tadellos absolviert, wirkt zwar künstlerisch eigenwillig, aber keineswegs "verrückt".

Parallel zu diesem Handlungsstrang werden auch die Auswirkungen von Carreys ständiger "Ja-Sagerei" behandelt, die ihn teilweise in schwierige Situationen bringt. Doch auch in dieser Schilderung greift der Film nie zu Übertreibungen, sondern entwickelt ein ausgeglichenes Szenario, dass einerseits die überwiegend positiven Folgen von Carls Offenheit demonstriert, andererseits auch die Nachteile unreflektierter ständiger Bejahung. Der Film leistet sich in seiner gesamten Laufzeit nur einen Tabubruch, der dann auf Grund der Ausnahmesituation in seiner Heftigkeit in Erinnerung bleibt.

Allerdings nutzt "Der Ja-Sager" auch nicht das kritische Potential, dass in dieser Konstellation gelegen hätte. Kurz blitzen ein paar Anspielungen auf, wie etwa in dem Moment, als Carl verhaftet wird, weil schon die Vielzahl an neuen Kontakten und ungewöhnlichen Interessen (wie etwa das Erlernen der koreanischen Sprache) in den USA dazu ausreichen, sich als Terrorist verdächtig zu machen, aber letztlich bleibt der Film ein "Feel-Good-Movie", der auch größtenteils auf politisch unkorrekte Witze verzichtet.

Es hat gerade in den letzten Jahren viele sogenannte "RomComs" gegeben, die einen interessanten Plot als Ausgangssituation nahmen ("Zufällig verheiratet", "P.S. I Love you" usw.), daraus aber nur angepasste Geschichten entwickelten, die letztlich alle Rollenklischees bestätigten. "Yes Man" erzählt stattdessen eine ganz gewöhnliche Geschichte ohne besondere Winkelzüge. Selbst die skurrile Ja-Sagerei vermittelt nichts anderes, als die Unsicherheit eines Menschen, dem das Selbstbewusstsein abhanden gekommen ist, um eigenständig entscheiden zu können.

Der Film braucht keine extreme Aussergewöhnlichkeit, keine künstlichen Emotionen oder konstruierte Dramatik, denn er lebt von dem Spiel zweier Hauptdarsteller, deren natürliche Individualität auch einem vorhersehbaren Happy-End die Eigenständigkeit bewahrt. Das macht den Film so erfreulich (7,5/10).

Details
Ähnliche Filme