Obama ist überall. Nun auch schwebt sein Geist selbst über Hollywoods RomComedys. Ein Film, erwacht in einer Zeit, in der ein demokratischer Präsidentschaftskandidat mit Reden voller Inbrunst und Charisma durchs Land zog, Reden, wie sie vielleicht seit Martin Luther King keiner mehr hielt, Reden über deren Denkwürdigkeit die Geschichtsschreibung einmal zu urteilen haben wird. „Der Ja-Sager“ kommt an der Obamamania nicht vorbei oder besser: ist in ihrer Geborgenheit geboren worden. Ein messianischer Motivationsguru, wie auch ein Barack Obama auf seine ihm eigene Weise einer ist, verkündet seine Philosophie des Ja-Sagens. Ja ist das neue Nein. Yes ist in, denn: Yes, we can. Ein überstrapazierter Slogan, der sich festgesetzt hat wie ein Widerhaken im Kopf der Welt, eben nicht nur im (außen-)gesellschaftspolitischen Bild Amerikas, ebenso in der Popkultur. „Ich bin ein Berliner“, „I have a dream“ und nun „Yes, we can“. Musikproduzenten haben die Rede mittlerweile schon vielfach gesampelt und in ihren Tracks verwendet und kein hiesiger Merchandising-Shop, der nicht irgendein Obama-Popart-Shirt im Angebot hat.
Im Film hat sich jene Auf- und Umbruchstimmung des Obama-Optimismus, jene Sehnsucht nach einem Ende der verknöcherten Ranchpolitik auf die Sozialität des Individuums übertragen. Auf dass dieser Carl Allen (Jim Carrey) sich aus seiner selbstverschuldeten, lethargischen Unmündigkeit befreie und zum Yes-Man werde. Habe Lust, Dich auf skurrile Konzerte zu begeben. Hör auf, halbseidene Ausreden zu erfinden. Nimm Dir Zeit für Deine Freunde, für die Abwechslung und Spontaneität des Alltags. Komm raus aus Deiner Bude. Die Formeln sind so denkbar unoriginell wie simpel wie wahr. Früher spielte Jim Carrey solch eine Rolle dabei als gesichtsakrobatischer Dummschwätzer, heute ist er der smarte Mittelschichtler, der nur noch selten in alte Slapstickzeiten verfällt.
Glücklicherweise, da der Handlungsverlauf keinerlei Rede wert ist, vermögen wenigstens doch humorvolle Einfälle des ansonsten vernachlässigbaren Drehbuchs in ihrer teils kuriosen, fast schon antikomischen Eigenheit zu gefallen; zumindest hat selten ein Film ironischer sein Product Placement durchgezogen wie dieser hier seines für Red Bull. Die Gediegenheit der Charaktere lässt die Komödie wie ein Sommerlüftchen über die Leinwand wehen - und wieder verfliegen. Dass die Arglosigkeit des Ja-und-Amens zu allem, was sich bietet, mit der Zeit auch ihre Schattenseiten zeitigt, versteht sich von selbst. Dies gilt allerdings nicht für Carl Allens Ja-Job. Mit Heiterkeit winkt er unbeirrt alle Kreditanträge des kleinen Mannes durch und bewilligt Lebensfreude auf wackeligen Stelzen. Und der Optimismus auf Pump kennt keine Grenzen. Wäre da nicht die blöde finanzkriselnde Realität, die alles eingeholt hat, die Filme der Obama-Ära könnten so schön sein.