Review

Es gestaltet sich immer etwas problematisch, Kurzgeschichten in eine filmische Langfassung zu transportieren, auch wenn diese Vorlage von Clive Barker stammt und das erste Kapitel seiner Reihe „Bücher des Blutes“ adaptiert wird, - da sind viele gelungene Ansätze erkennbar, doch die zähe und zum Teil sperrige Inszenierung schmälern die Freude über die eigentlich recht unheimliche Geschichte.

In dieser geht es um mitteilungsbedürftige Seelen und ein Geisterhaus, in dem Parapsychologin Mary und ihr Student Simon, seines Zeichens Medium mit hellseherischen Fähigkeiten für einige Zeit hausen, um übernatürliche Phänomene festzustellen und auszuwerten, da hier vor Jahren ein grausamer Mord geschah.
Zunächst hält man die eingeritzten Schriftzeichen auf Simons Körper für eine Selbstinszenierung, bis…

Besonders zum Einstieg kann die Erzählung mit einem gefälligen Score (der bis zuletzt überaus positiv hervorsticht) und gelungener Figureneinführung punkten.
Man rollt das Feld von hinten auf, indem man Simon in der Gewalt eines Auftragskillers sieht und diesem seine Geschichte erzählt.
Schnell finden Professorin Mary und Student Simon zueinander und auch eine sexuelle Komponente ist frühzeitig auszumachen, wenn auch zunächst nur im Traum.
Darüber hinaus geht vom Gebäude eine beklemmende Stimmung aus, die für einige Zeit aufrecht erhalten werden kann.

Allerdings wirken Verlaufsmuster recht beliebig, Schockmomente finden sich fast gar nicht und auf Dauer dreht man sich im Kreis, indem Mary sich weniger auf das Projekt konzentriert als auf Simon, der wiederum ein paar Mal im Raum eingeschlossen wird, während unsichtbare Hände an seinem Körper ritzen, was sich im Verlauf auch auf die Wände niederschlägt.
Im Verlauf verliert man sich zusehends in nicht nachvollziehbare Entwicklungen der Figuren, Motivationen werden nicht fundiert geliefert und am Ende wirken selbst die toll integrierten Libellen, sowie eine Geisterwelt-Ebene wie schmucklose Höhepunkte, die lediglich handwerkliches Geschick erkennen lassen, erzählerisches Talent und Sinn für Dramaturgie hingegen alt aussehen lassen.

Das können auch die gut besetzten Darsteller, - Jonas Armstrong als Simon und Sophie Ward als Mary kaum kaschieren, obgleich ihr Zusammenspiel gerade auf erotischer Ebene harmoniert und jene Szenen höchst ästhetisch eingefangen wurden.
Denn im Gesamtbild mäandert die Erzählung zu lange vor sich hin, Dialoge stehen zu arg im Fokus und trotz routiniertem Handwerk bröckelt die zunächst stimmige Atmosphäre immer weiter auf.

Ein paar tanzende Kinder im nächtlichen Hof, hier und da mal ein Ausfall der Überwachungsanlage, flüsternde Stimmen und plötzlich verschlossene Türen, - all das überrascht den Genrefreund zu keiner Zeit, nur die knackige Sounduntermalung vermag einen zuweilen aus dem Halbschlaf erwecken.
Als adäquate Umsetzung in Form eines Kurzfilms oder einer Episode wäre der Stoff tauglich, für eine Erzählung von rund 96 Minuten wirkt der Inhalt reichlich aufgebläht, obgleich er kaum in die Tiefe geht.
Sehbar, aber nichts was wirklich fesselt,
5,5 von 10

Details
Ähnliche Filme