"Die Toten haben ihre Wege und Verbindungen führen zu Kreuzungen an denen die Toten immer wieder zu uns finden. Und wenn man sich auf einer solchen Kreuzung aufhält, sollte man stehen bleiben und zuhören. Denn die Toten haben Geschichten zu erzählen."
In einer Gaststätte beobachtet der Auftragskiller Wyburd (Clive Russell) den jungen Simon McNeal (Jonas Armstrong). Als dieser die Stätte verlassen will, entführt Wyburd den schwächelnden jungen Mann. In einer verlassenen Hütte erwacht Simon gefesselt auf einem Tisch. Wyburd hat den Auftrag ihn zu häuten, interessiert sich aber für die zahlreichen Narben und Schriften auf seinem Körper. So überlässt er Simon die Wahl eines schnellen Todes bei Erzählung der Geschichte, wie es zu diesen Narben kam. Dieser willigt ein.
Die Autorin Mary Florescu (Sophie Ward) schreibt über paranormale Phänomene und ist Gastdozentin an einer Universität, wo sie in ihrer Vorlesung Simon kennen lernt. Sie überredet den scheinbar hellseherisch veranlagten Studenten sie neben ihrem Kollegen Reg Fuller (Paul Blair) zu assistieren. Er soll als Medium im Dachgeschoss eines alten Hauses, wo sich einst Grauenvolles zugetragen hat, übernachten und als Medium fungieren. Über Nacht geschehen dann unglaubliche Dinge.
Der Horrorautor Clive Barker wird gerne als kleiner Bruder Stephen Kings in den Bereichen der Literatur gehandelt. Aber selbst dieser ließ einst verlauten, er habe durch Barkers "Bücher des Blutes" eine zukünftig bestimmende Art des Horrors gesehen. Nach nun über 20 Jahren scheinen dessen beinhaltende Kurzgeschichten attraktiv genug für eine Filmadaption. So steht nach der Verfilmung einer Kurzgeschichte durch "Midnight Meat Train“ nun der Ursprung der eigentlichen Geschichten an, die im ersten Band eine wenig seitenfüllende, einleitungsartige Erzählung darstellt.
Sex und Gewalt sind Elemente die Barkers Geschichten allesamt ausmachen und häufig in einer bizarren, überspitzten Form zelebriert werden. "Book of Blood" macht da keine Ausnahme, beschränkt sich allerdings auf nur wenige Gewaltspitzen, trotz des reisserischen Titels. Auf dem Programm steht eher der Suspense-Horror.
Das Gemäuer, in dem sich ein Großteil des Films abspielt, schafft tatsächlich eine unheimliche Atmosphäre. Schnell wird eine bedrohliche Stimmung aufgebaut, die zwar nur selten durch Schockmomente ausgenutzt wird, aber gerade in diesen Momenten für stimmigen Grusel sorgt. Dabei mischen sich altbewährte Methoden, die einer Kopie von "Poltergeist" gleichen, mit neu erscheinender Tortur. In absehbarer Zeit füllt sich der Körper des Hauptprotagonisten mit Schriften über die Geschichten, die die Toten zu erzählen haben, was den Mittelpunkt der Handlung darstellt.
Visuell gibt sich "Book of Blood" dabei erhaben, stellt filmgeschichtlich recht traditionell anmutende Geisterbilder, neben düster-morbide Situationen mit Gänsehaut-Feeling.
Erzähltechnisch siehts leider anders aus. In den ersten Minuten weckt der Film die gleiche Neugierde des Auftragskillers Wyburd's in dem Zuschauer. Es dauert aber nicht lange bis diese in dialogreichem Allerlei versumpft.
Gerade zu Beginn fällt der langsame Erzählrhythmus und die ruhige Kamera negativ auf, aber auch zwischenzeitlich bricht das Tempo immer wieder ein. Spürbar sind hier die nötigen Streckungen um die Kurzgeschichte auf ein ca. 90 Minuten langes Filmniveau zu ziehen. Und obwohl diese Zeit für die Festigung der Figuren hätte verwendet werden können, drehen sich diese immer wieder in ähnlichen Situationen im Kreis. Dies sind dann die Momente, wo sich "Book of Blood" nicht von der Stelle zu bewegen scheint.
Es folgen nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere und insbesonders der plötzlich auftretende Kitsch vermießen den sonst soliden Eindruck. Zumindest überascht eine gut platzierte, nicht in der Vorlage enthaltende, Wendung gegen Ende des Films, die den Anschein nicht gänzlicher Eindimensionalität erweckt.
Sämtliche Gesichter der Schauspieler sind unbekannt aber ansprechend in ihrer darstellerischen Fähigkeit. Besonders die beiden Mittelpunkte Jonas Armstrong und Sophie Ward sind trotz Mängeln in ihrer gezeichneten Figuren bemüht Glaubwürdigkeit zu vermitteln.
Im Gegensatz zum Titel ist "Book of Blood" weit weniger blutig als vielleicht erwartet. Stattdessen handelt es sich um eine Geistergeschichte im "Poltergeist"-Stil die durch gelungene Schreckmomente und den etwas anderen Stil Barkers heraus sticht. Leider vermießen insbesonders plötzlich klischebeladene Figuren sowie einige Längen im Erzählrhythmus den sonst soliden Eindruck und Drängen den Film zurück in den gehobenen mittleren Durchschnitt.
6 / 10