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Neue Welle rollt - Clive Barker wurde wiederentdeckt, auch wenn er selbst mehr auf Fantasy fokussiert, ist in der Post-Torture-Ära seine blutige Horrorkunst aus den 80er Jahren jetzt endlich für Filme salonfähig geworden, von den verbesserten Spezialeffektmöglichkeiten ganz zu schweigen.
Die Möglichkeiten für seinen urbanen und graphischen Horror können seit "Midnight Meat Train" endlich ausgelotet werden, insofern also kein Wunder, wenn beabsichtigt wird, auch andere Geschichten aus seinem sechsteiligen Epos "Die Bücher des Blutes" für die Leinwand umzuformen.

Mit "Book of Blood" haben die Macher dann aber eine eher kuriose Wahl getroffen, denn die hier verfilmte, bzw. verdichtete wie verbreiterte Story ist nicht mehr als die dünne narrative Klammer, die die übrigen Geschichten einschließt, also den Starter "Das Buch des Blutes" und das Postskriptum "Auf der Jerusalem Street", in der der Leser eine der Figuren aus der Startgeschichte kurz wiedertrifft.
Witzigerweise dient das Postskriptum nun selbst als erzählerische Klammer: die Geschichte eines Soziopathen, der ausgeschickt wurde, einen vernarbten jungen Mann zu entführen, zu töten und dann zu häuten, weil die Toten ihre Geschichten und Botschaften direkt in seine Haut ritzen - und das ununterbrochen. Die Geschichte, die er zu erzählen hat, ist dann die literarische Einführung - und eine typische Geisterstory, wie sie solider und konsequenter kaum sein könnte.

Kern der Story ist die Theorie, daß die Toten im Jenseits ebenfalls Straßen haben, auf denen sie wandeln und daß es an Kreuzungen zu Überschneidungen mit unserer Welt kommen kann, wie eben hier in einem übernatürlich beleumundeten Haus. Eine berühmte Parapsychologin setzt zu fachkundigen Untersuchungen an, nicht zuletzt durch die Hilfe eines ihrer Studenten, der eine tragische Vorgeschichte besitzt und tatsächlich medial begabt zu sein scheint: prompt zeichnen sich die Botschaften in seinem Zimmer an den Wänden und bald auf seiner Haut ab. Dazu kommt es zu allerlei geisterhaften Erscheinungen und bizarren Visionen, die allerdings zum Teil nach zwei Dritteln Film als Fälschung enttarnt werden.

Man kann kaum behaupten, "Book of Blood" wäre ein ausgesprochen origineller Film, vielmehr ist er solide Genrekost, fängt aber den fast schon altmodischen 80er-Jahre-Ton der "Hellraiser"-Filme ein, indem er die meisten erwartbaren Klischees und Konzessionen an den horrorerprobten Massengeschmack unterläuft. Die Pointe ist nicht sonderlich gut, vielmehr hätte der Plot mit ein wenig mehr Kompression auch gut als 45-Minuten-Episode einer Horroranthologie-Serie funktioniert, aber so können die Macher - allen voran TV-Regisseur John Harrison, dessen einzige Kinoproduktion eben genau die Leinwandfassung einer Anthologieserie, nämlich "Tales from the Darkside", war - ein wenig mehr mit dem Sujet spielen und trotz der erzählerischen Durststrecken die Atmosphäre des Ortes auf die wenigen Figuren und den Zuschauer wirken lassen. Hier und da klingt etwas vom Mockumentary-Horror an, aber schließlich kommt der Film wieder auf die Spur, die jedoch wiederum zu einem Punkt führt, der für eine Einführung auf etwas Größeres wirkt.

Erfreulich das Wiedersehen mit Sophie Ward, die vielen vielleicht noch aus den Produktionen "Young Sherlock Holmes" und "Waxwork 2" bekannt sein könnte, inzwischen als gereifte TV-Darstellerin (der ganze Cast setzt sich aus soliden britischen TV-Darstellern zusammen) endlich wieder im Besitz einer Hauptrolle.
"Book of Blood" matscht nicht wie wild im Genre herum, bietet aber viele kleine graphische und schmerzhaft wirkende Details, die inzwischen bezaubernd "old school" wirken, weil nicht auf den krassestmöglichen Effekt hin gearbeitet wurde - insofern gibts hübsche Masken, eine Menge Körpersaft, ein paar Nacktszenen und solide Geistererscheinungen, die nie selbstzweckhaft wirken.
Gäbe die Vorlage etwas mehr Substanz her als eben das Echo einer bedeutsamen Einführung in ein klassisches Horrorwerk, hätte es ein Klassiker für die Geisterhausfilme werden können, so bleibt es ein erfreulich komplex-kompletter Griff ins DVD-Regal für zwischendurch. (6,5/10)

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