„The Children“, ein britischer Horrorfilm von Regisseur Tom Shankland aus dem Jahre 2009, hat viele überschwängliche Kritiken eingeheimst, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Zugegeben, augenscheinlich angelehnt an das spanische Atmosphäre-Highlight „Ein Kind zu töten...“ aus den 1970ern und dessen Tabuthema, sich gegen mörderische Kinder erwehren zu müssen, beginnt der Film recht stark. Im ersten Drittel lernt der Zuschauer die Charaktere kennen, zwei junge Familien mit Kindern, die ein paar Tage Urlaub miteinander verbringen und feiern wollen. Was also eigentlich der Entspannung dienen sollte, wird immer wieder durch unter der Oberfläche brodelnde Konflikte gefährdet. Schnell ist klar, dass in diesen Familien nicht alles eitel Sonnenschein ist und der Nervfaktor der Kinder, den die Erwachsenen zu ignorieren versuchen, ist hoch. Die Subtilität, mit der die bis zu diesem Zeitpunkt so gar nicht außergewöhnlichen Schwierigkeiten kinderreicher Familien dem Zuschauer nähergebracht werden, der die aufgeheizte Atmosphäre aufnimmt und sie in vielen Fällen selbst zur Genüge kennen dürfte, weckt aus sicherer Entfernung vom heimischen Sofa aus Interesse daran, was noch kommen mag. Ein Abgesang auf im Grunde vollkommen gestresste, nach außen aber die Contenance zu wahren versuchende, „glückliche“ Mittelstandsfamilien? Kritik an zeitgenössischen Erziehungsmethoden? Beweise dafür, was für Monster kleine Kinder sein können? Letzteres am ehesten. Durch irgendwelche Bakterien oder Milben infizieren sich die Kinder mit einer seltsamen Krankheit, die sie zu einer Art Zombies macht, welche blutrünstig rasend auf ihre eigenen Eltern losgehen. Diese kapieren natürlich meist erst viel zu spät, was Sache ist, und sind zudem zwischen angebrachter Notwehr und beschützendem Elterninstinkt hin und her gerissen. Dabei geht es mitunter ziemlich hoch her, was in einigen unappetitlichen Effekten gipfelt. Dem hektischen Schnitt, der während der Actioneinlagen zum Tragen kommt, kann ich allerdings gar nichts abgewinnen, er scheint aber mittlerweile breit akzeptiertes Stilmittel im Horrorbereich zu sein. Leider gibt der Film nach dem ersten Drittel seine Subtilität komplett auf und versagt dem Zuschauer eine schlüssige oder nachdenklich stimmende Erklärung für das Verhalten der Kinder, indem sie lediglich angedeutet wird. Das ist mir aber entschieden zu wenig und zu platt. Dass sich Eltern i.d.R. damit schwer tun, ihre eigenen Kinder umzubringen, ist wenig überraschend und der vermeintliche Tabubruch lockt mich nicht wirklich hinterm Ofen vor. Positiv zu erwähnen sind die Kinderdarsteller, die überraschend gut agieren und dank des Maskenbildners auch gruselig rüberkommen. Die die Situation durchschauende und dann und wann in knappen sexy Klamotten agierende Tochter im Heranwachsendenalter bietet manch männlichem Zuschauer etwas fürs Auge, auf nackte Tatsachen und allzu schlüpfrige Ausflüge wird aber verzichtet. Alles in allem habe ich mir von „The Children“ mehr versprochen. Meines Erachtens fehlt diesem durchaus unterhaltsamen, aber sehr geradlinigen und vorhersehbaren Genrebeitrag etwas, und das ist zunächst einmal eine intelligente oder wenigstens interessante Geschichte.