Es gibt ja mittlerweile unendlich viele sogenannte Terrorfilme, wie z.B. der meiner Meinung nach total überbewertete Texas Chainsaw Massacre - Blutgericht in Texas, der aktuellere Eden Lake oder der 2009 erschienene Orphan - Das Waisenkind, jedoch will bei manchen der Funke nicht überspringen. Glücklicherweise war dies bei The Children eben nicht der Fall, obwohl ich bislang einen Bogen um diesen Film gemacht habe, was wahrscheinlich daran lag, dass ich nichts Besonderes erwartete.
Eine gemeinsame Neujahrsfeier wird für zwei Elternpaare zur Hölle, als sich ihreElaine (Eva Birthistle) fährt mit ihrer fünfköpfigen Familie zu ihrer Schwester Chloe (Rachel Shelley) aufs Land, um im vertrauten Kreis der Familie Silvester zu feiern. Fröhlich fallen sich alle zur Begrüßung und in Vorfreude auf den Jahreswechsel in die Arme. Nur der kleine Paulie (William Howes) gibt sich etwas verstört und kränklich, während seine große Schwester Casey (Hannah Tointon) ohnehin alles andere als angetan von der familiären Neujahrsplanung ist. Sie will viel lieber mit ihren Freunden auf eine Party gehen als mit den Eltern in dem großen Landhaus abzuhängen. Während Paulies Verhalten zunehmend absonderlicher wird, fangen plötzlich auch die übrigen Kinder an, erste Krankheitssymptome zu zeigen. Schleichend wandeln sich die wohlerzogenen Zöglinge zu durchtriebenen und vor nichts zurückschreckenden Satansbraten, die ihre Eltern lieber tot als lebendig sehen würden…
Man könnte jetzt meinen, dass die Story nichts Neues oder Originelles zu bieten hätte - weit gefehlt - bei The Children handelt es sich nicht etwa um langweiliges Rumgegurke in einem undurchschaubaren Plot oder um ein sinnfreies Massaker, ganz im Gegenteil, der Zuschauer wird eben nicht abrupt in eine sinnlose Handlung hineingeschmissen, sondern langsam an die Charaktere und das Drumherum herangeführt. Ganz langsam, leise und "heimlich" merkt der Zuschauer, dass die Kinder mit der Zeit immer mehr in ein merkwürdiges Verhaltensmuster übergehen, ohne Einfluss darauf zu haben. Erst lange Zeit nachdem der Zuschauer bereits den vollen Durchblick erlangt hat, fällt den Eltern, welche zugegebenermaßen in manchen Situationen etwas dümmlich handeln, auf, dass ihre süßen kleinen Kinder 'nen Schuss weghaben. Zum Glück kann man an der Stelle keinen Paukenschlag, sprich irgendwelche "krassen" Szenen, erwarten, denn die fiesen Handlungen der Kinder kommen schleichend. Aber wenn die kleinen Rabauken dann mal loslegen, wird es auch schon mal richtig fies, sodass schwache Nerven an dieser Stelle gewarnt sein sollten!
Leider Gottes hat auch der Plot einige undichte Stellen, die da wären: die unbekannte Herkunft des Virus - fraglich ist, ob es überhaupt einen Erreger gibt oder ob irgendetwas anderes ausschlaggebend für die Verhaltensstörung der kleinen Biester ist. Daneben stellt sich mir die Frage, warum bei den Kindern die "Symptome" nacheinander auftreten. Ebenfalls fragwürdig ist die Handlungsweise von Jonah (Stephen Campbell Moore), der gegen Ende des Films eine seiner Töchter retten will und mit ihr im Auto flüchtet - komischerweise lässt er seine schwer verletzte Frau und die ebenfalls in Lebensgefahr schwebende Casey im Haus zurück. Zumindest hatte ich nicht den Eindruck, als wolle er nach Hilfe suchen. Den nächsten und letzten Kritikpunkt bildet das Ende, welches heftig und seltsam zugleich ist. Es ist aber leider nicht im guten Sinne heftig, sondern vielmehr dahingehend, als dass es den Zuschauer im Dunkeln stehen lässt und er sich fragen muss, warum genau das nicht schon viel früher eingetreten ist.
Mal abgesehen von dem etwas löchrigen Plot, bildet The Children einen weiteren lohnenswerten Terrorfilm, der sich brav hinter Eden Lake, aber vor Orphan - Das Waisenkind einreihen darf. Für schwache Nerven ist dieser Film mit Sicherheit nicht geeignet - für alle anderen gilt: unbedingt ansehen!
8/10