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"Ip Man" ist ein biographisch angehauchter Film, dessen Titelgebende Figur der, zumindest in Asien, legendäre Meister Wip Man zu Grunde liegt. Im Prinzip ist es auch die erste filmische Abhandlung über diesen außergewöhnlichen Menschen und sein Tun. Dieser Meister der chinesischen Kampfkunst WING CHUN ist vor allem dafür bekannt Bruce Lee, jawohl der mit der Todeskralle, als einen seiner bekanntesten Schüler unterrichtet zu haben. Storytechnisch bewegen wir uns in den 1930er bis 1940er Jahren, die Zeit des Zweiten chinesisch-japanischen Krieges.

Ip Man (Donnie Yen) ist ein Gelehrter und Meister, auch wenn er selbst nicht großen Wert auf diese Titel legt. Er lebt mit Frau und Sohn in einem großen Haus und genießt sein Leben. Auch ein paar Reibereien mit anderen, hochnäsigen Kampfkunstmeistern, können den gewohnten Ablauf nicht wirklich durcheinander bringen. Lediglich seine Frau, welche er liebt und respektiert, weist in hin und wieder zu recht. Eines Tages kommen ein paar japanische Schläger und wollen in Foshan ein Dojo eröffnen. Um ihre Schlagkraft zu demonstrieren fordern sie etliche andere Meister heraus und prügeln diese, samt ihrer Würde, gnadenlos zu Boden. Auch Ip Man’s Ruf bleibt ihnen nicht verborgen und so kommt es zur Konfrontation, dessen Ausgang sich eindeutig zu Gunsten des Chinesen entwickelt. Ip Man wird zum Helden für die Bewohner. Doch dann fallen die Japaner in das Land ein und unterwerfen das chinesische Volk - Es herscht Krieg. Allein in Foshan überleben diese Zeit nur 70000 von 300000 Menschen. Ip Man wird enteignet, denn seine Behausung dient nun als Kommandozenrale. Von da an lebt er mit seiner Familie wie ein Obdachloser und leidet vor allem Hunger. Dann wird bekannt dass einer der japanischen Generäle, Miura sein Name (gespielt von Hiroyuki Ikeuchi) von der chinesischen Kampfkunst lernen will. In diesem Atemzug bietet er einen Sack Reis pro beendeten Kampf. Als dabei ein anderer Kampfkunstmeister getötet wird brennen Ip Man die Sicherungen durch. Der sonst gut situierte und ruhige Mann vergisst seine moralischen Ansichten und macht Rache zum Motiv seines Handelns. Er fordert 10 Kämpfer heraus und legt all seine Wut in die Schläge und Tritte. Natürlich geht er als Sieger hervor und hat damit das volle Interesse des Generals. Ip Man taucht unter und erst als Folter und der Tod vieler Landsmänner (auch sein Schwager, gespielt von Simon Yam, wäre unter ihnen) auf dem Spiel stehen, stellt er sich. Ein öffentlicher Kampf soll Ip Man denunzieren und die Chinesen mit ihrer tradionellen Kampfkunst entehren. Doch der ihm voraus eilende Ruf findet im finalen Kampf, gerade für die Japaner, schmerzliche Bestätigung. A New Hero was Born.

Im Prinzip ist das der gebotene inhaltliche Plot, welcher lediglich von einigen Abstechern bezüglich einiger involvierter Figuren in seiner direkten geradlinigen Erzählung unterbrochen wird. Sofort wird klar dass sich die Fakten lediglich als Eckpfeiler erweisen und die Materie vorzugsweise filmisch interpretiert wurde. Auch waren die Macher, insbesondere Drehbuchautor Edmond Wong, darauf bedacht die Titelfigur in jeder Hinsicht zu propagieren. Er ist halt auch ein chinesischer Held.

Was sofort auffallen wird ist die fehlende Substanz. Doch werden die Macher nicht nur die Darstellung der Hauptfigur im Auge gehabt, sondern auch auf die Einspielergebnisse geschielt haben. Soll heißen „Ip Man“ wird sehr wahrscheinlich zu einer Kinoserie, ähnlich der Wong Fei Hung-Reihe mit Jet Li, ausgebaut werden. Genug Material gäbe es sicher und die garantierte Mitarbeit der beiden Söhne Ip Chun und Ip Ching ist dafür ebenfalls gesichert. So wurde im Erstling die Figur etabliert und bekommt, genau wie alle anderen, in einer Fortsetzung sicher mehr Raum um sich zu einer bleibenden Erinnerung zu entwickeln. Ip Man wird zuweilen übermächtig gezeichnet, ganz ohne Kratzer in der Fassade. Er scheint der immer gefasste, intelligente, gutherzige, rechtschaffende, unfehlbare Meister zu sein. Dies gehört sich sicher so und macht ihn auch irgendwie zu ner coolen Sau, doch nimmt diese Eigenschaft jeder dramaturgisch aufgebauten Szene, irgendwie die Spannung, da man deren Ausgang schon im Vorfeld erahnt. Schade denn so bleibt die menschliche Note auf der Strecke. Lediglich eine Szene lässt die makellose Oberfläche knacksen, nämlich dann als seine Frau klarstellt das er sich auch um seinen Sohn zu kümmern hat und nicht immer nur das Kämpfen in den Vordergrund seines Lebens stellen soll. Ip Man ist also ein exzellenter Kämpfer, aber nur ein solider Vater? Natürlich nicht, doch überwiegt seine kämpferische Klasse.

Eine große Überraschung sollte das Ergebnis nicht sein. Die zweckdienliche Story, Wilson Yip als Megaphonschwinger, Donnie Yen als Hauptdarsteller, Sammo Hung (Pedicab Driver) als Choreograph suggerierten vor allem eins. Martial Arts vom feinsten. Diesbezüglich enttäuscht der Film nicht, denn die Gewichtung der Kloppereien fiel außerordentlich hoch aus. Ein Highlight ist dann sicher auch der Kampf Einer gegen Zehn, bei dem so dermaßen auf die Fresse gehauen wird das es weh tut. Dieser Kampf fungiert gleichzeitig auch als eine Schlüsselszene, bei welcher Ip Man entscheidet nicht mehr nur zuzusehen. Die Fights bekommen mehr Härte spendiert und es ist auch mal zu sehen was die Fäuste für Schaden anrichten. Da präsentiert die Tonspur etliches an knochengeknackse, das Blut ergießt sich und die Rohheit solcher Gewalt ist allgegenwärtig. Allerdings soll an dieser Stelle kein Schlachtfest suggeriert werden. SPL oder auch Flash Point waren diesbezüglich brutaler angelegt. Aber auch hier werden die Gegner gnadenlos niedergemacht und dabei wäre auch der Gebrauch von diversen Waffen zu vermelden. Stichwerkzeuge, Äxte, Bambus und eine „Feder“ kommen zum Einsatz. Dies alles Fetzt das die Bude wackelt, doch vor allem diese „Wing Chun“chen, sagen wir mal, „Kettenfaustschlagserien“ bleiben im Gedächtnis. Hier ist dann natürlich auch Donnie Yen in seinem Element. Mit unglaublicher Geschwindigkeit prügelt er sein Gegenüber förmlich zu Boden. Hammer, und sicher nicht immer realistisch, doch absolut sehenswert. Selten eine solche Schlagfrequenz gesehen. Apropos realistisch, natürlich ist auch der Einsatz von Wirework vorhanden. In manchen Szenen auch mal offensichtlich, da Bewegungen nicht durchgehen fließend gerieten und sich abnormal entfallteten. Doch gehört dies ja auch zu so einer Art Film und hält sich dankenswerterweise in Grenzen. Auch hat das schon bei „Once upon A Time In China“ niemanden wirklich gestört, zumal so ja auch ne gewisse Eleganz gewährleistet ist.

Donnie Yen’s Fähigkeiten als Schauspieler waren schon immer begrenzt und auch hier erfindet er das Rad nicht neu, doch er war eine gute Wahl um diese Rolle zu verkörpern. Nach eigener Aussage war es seine schwierigste Rolle überhaupt, auf die er sich sehr intensiv - einschließlich Diät – vorbereitet hatte. Mimik, Gestik, Stimme und natürlich der Kampfstil waren dabei seine Schwerpunkte.

Herausgekommen ist ein glaubwürdiger Charakter, der mehr Charisma parat hat, wie man meinen tät.

Die in Shanghai gedrehte HK $ 40 Millionen Produktion bietet auch einen zuweilen starken Score, welcher donnernd die Prügeleien, aber auch die emotionalen Passagen, untermalt. Das Theme aus OUATIC in seiner Qualität wird allerdings zu keinem Zeitpunkt erreicht (sofern es Sinn macht diesen Vergleich anzubringen). Obwohl der Film einen guten Cast hat, wirkt alles wie um Donnie Yen und seine Figur drumherum geschneidert. Er ist der Star. Selbst Simon Yam bleibt da nur Beiwerk und lässt sein Charisma vermissen. Doch wird dies sowieso nicht sein letzter Auftritt in dieser werdenden Serie gewesen sein, zumindest deutet das Ende des Filmes darauf hin.

Was bleibt abschließend noch zu sagen?

Jet Li war ebenfalls als Junge Schüler von Ip Man, es gibt eine einzige witzige Szene im Film (Ip Man’s Sohn fährt mit den Laufrad mitten in einen stattfindenden Kampf und überbringt von seiner Mom die Nachricht, dass Ip Man doch bitte zurückschlagen soll, da sonst sämtliches Mobiliar zu Bruch ginge). Bereits 1998 sollte seine Geschichte von Wong Kar Wai (Chungking Express) mit Tony Leung Chiu Wai als Ip Man verfilmt werden, doch rechtliche Streitereien und Differenzen, brachten die Produktion wieder zum fallen. Damals war Corey Yuen Kwai als Choreograph vorgesehen.

Die Fortsetzung, mit den vorläufigen Arbeitstitel Ip Man 2, ist beschlossene Sache, auf ein ähnliches Budget festgelegt und soll seine Wanderung nach Hongkong, sowie die Zeit mit vier seiner Schüler (insbesondere natürlich Bruce Lee) beleuchten und dann 2010 in die Lichtspielhäuser kommen. In diesem Atemzug ist auch schon bekannt, doch nicht bestätigt, dass Aaron Kwok den Part von Bruce Lee übernehmen könnte.

Fazit: „Ip Man“ bietet stereotype Figuren, vor allem die Japaner sind gewohnt bösartig gezeichnet, gekloppe im 10 Minuten-Takt, einen soliden - im Finale dann trotzdem irgendwie enttäuschender Showdown, ein übermächtiger Donnie Yen, Sammo Hung sei Dank exquisite Fights und das Wissen nicht mit allzu hohen Erwartungen an den Film heran zu treten, da sich dann eventuell trotzdem eine gewisse Enttäuschung breit machen könnte.

Kein Überfilm, aber locker 8 von 10 Kettenfaustschläge.

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