China 1935. In der aufstrebenden Stadt Foshan hat die Jugend das Martial Arts-Studium für sich entdeckt. Kampfschulen schießen aus dem Boden, friedliches Kräftemessen steht an der Tagesordnung. Schon zu Lebzeiten gilt der ortsansässige Ip Man als Idol – zum Missfallen seiner Frau, die ihn lieber im Spielzimmer ihres Sohns sehen würde. Doch dann fällt die kaiserliche Armee Japans in die Provinz ein. Ip Mans Familie verarmt unter dem Joch der Besatzung und der junge Meister heuert als Hilfsarbeiter an. Als die Japaner Freiwillige für ein Kampfsport-Turnier suchen, wittert Ip Man seine Chance, sich blutig am Feind zu rächen.
Ip Man ist ein biographisches Drama rund um den gleichnamigen chinesischen Volkshelden, der später sogar Trainer eines gewissen Bruce Lee wurde. Mangels fundierter Kenntnisse in fernöstlicher Historie, kann ich zwar nicht wirklich die Authenzität der geschilderten Ereignisse verifizieren, da jedoch noch lebende Verwandte des Meisters am Dreh beteiligt waren, kann man schon davon ausgehen das die Geschichte wohl wirklich auf Fakten aufgebaut wurde. Vorgestellt wird dabei besonders sein Wing Chun Kampstil, der wohl ein Unterart des Kung Fu darstellt, der aber ebenso wie sein Meister die Ideale des Kampsports verkörpert wie Ehre, Respekt und Tapferkeit.
Prunkstück und Sahnehäubchen zugleich sind hier die dargebotenen Kampfduelle, bei denen häufig die Knochen knacken wie Streichhölzer, denn die sind schlicht und ergreifend atemberaubend. Diese tun sich nicht nur durch die verschiedenen Techniken hervor, sondern auch durch das schlichte Können der jeweils Beteiligten. Besonders Hauptdarsteller Donnie Yen ist mir noch gar nicht großartig aufgefallen als Meister der fliegenden Fäuste, aber seine Moves sind präzise und auch einer Geschwindigkeit die ihresgleichen sucht. Aber auch die anderen Beteiligten haben einiges auf dem Kasten, was auch für die Darsteller gilt. Yen trägt zwar die meiste Zeit immer denselben Gesichtsausdruck durch die Landschaft, allerdings passt das irgendwie letztendlich zu seiner Rolle als Gandhi des Wing Chun, der erst durch den Tod seines Freundes und der Unterdrückung durch die japanischen Besatzer zum Widerstand animiert wird.
Allerdings ist das auch wieder ein wenig ein Kritikpunkt. Die Japaner werden hier sehr stark als schwarz/weiß Schurken verkauft. Die ganze Story schwappt fast vor pro chinesischem Pathos über. Zwar darf deren General auch mal die eine oder andere ehrenhafte Zeile von sich geben, aber etwas mehr Ausgeglichenheit der Parteien wäre wohl auch realistischer.
Ansonsten ist Ip Man aber ein sehr gut gemachtes biographisches Drama mit vielen Kämpfen, die von Sammo Hung erstklassig choreographiert wurden. Wer auf Handkantenschläge steht, kommt an diesem Film kaum vorbei.
8/10