Review

"Immerzu die Prügeleien. Wird euch das denn nie langweilig?"

Ip Man (Donnie Yen) lebt wohlhabend mit seiner Familie in der für seine Kampfkünste bekannten Stadt Foshan. Der für seine bescheidene Lebensart bekannte und überaus talentierte Meister der Kampfkunst Wing Chun ist höchst angesehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfkunst-Meistern in Foshan, nimmt Ip Man keine Schüler auf und verteidigt stattdessen ausschließlich seine Ehre und Freunde in Gefahr.
Als Japan im Jahr 1937 in China einmarschiert, ändert sich das Leben aller vor Ort dramatisch. Durch den Krieg herrscht Hunger- und Arbeitsnot, die auch Ip Man und seine Familie trifft. Zudem veranstaltet die Besatzungsmacht Kämpfe zwischen den chinesischen Kampfkunst-Meistern und japanischen Karatekämpfern um jeweils einen Sack Reis.

Der hierzulande eher unbekannte, als Großmeister der Kampfkunst Wing Chun bezeichnetet, Yip Man ist wohl am besten mit dem Namen Bruce Lee in Verbindung zu bringen. Denn dieser war ein Schüler von Yip Man. In "Ip Man" ist allerdings noch nicht viel zwischen dessen Verbindung zu sehen. Stattdessen erzählt die actionreiche Kampfkunst-Biografie die Jahre vor und während dem Einmarsch Japans das Leben von Yip Man und lässt einige historische Fakten außer Acht. Dennoch ist der Film ein überaus unterhaltsamer Martial-Arts Streifen, der eine überaus gelungene Mischung aus Action, Drama und Historie enthält.

Ziemlich genau die erste halbe Stunde ist noch recht heiter bis unfreiwillig komisch inszeniert. In dieser Zeit wird der Rahmen gesetzt und die Figuren vorgestellt. Kämpfe sind bereits vorhanden, fallen aber noch relativ unblutig aus. Der Bruch kommt mit der Besatzungsmacht. Die hellen Farben weichen graubraunen Tönen, die Stimmung wird spürbar düsterer, die Konfrontationen ernsthafter.

Im Fokus steht der Protagonist, der schon ein wenig arg charmant präsentiert wird. Als absoluter Gutmensch ist er zudem beinahe völligst unkaputtbar. Dieser Umstand kratzt etwas an der sonst gelungenen Authentizität. Sämtliche andere Figuren erhalten nur eine vorübergehende Stellung, wenn es die Handlung erfordert. Und diese ist wiederum einfach gehalten, ohne groß zu überraschen.

Das faszinierendste sind ohnehin die zahlreichen Actionsequenzen. Unglaublich schnell und mit einer Eleganz und Brutalität ausgestattet, die auf wundersame Art harmoniert, beeindrucken die Choreographien auch noch mit klaren Bildern. Überwiegend sind diese bodenständig, des Öfteren aber auch mit unsichtbarer Seiltechnik ausgestattet. Und bevor es droht langweilig zu werden, greifen die Charaktere auch noch zu Waffen.

Die Darsteller erfüllen ihren Zweck. Mangels Sichtbarkeit bleibt außer Donnie Yen ("Hero", "Dragon Tiger Gate"), der seine Figur überaus stilvoll aber mimisch auch sehr starr performt, allerdings niemand hängen.

"Ip Man" glänzt durch seine packenden und auch recht deftigen Kampfszenen, deren Gewaltspitzen niemals Grenzen überschreiten. Die historischen Hintergründe sind zwar nicht richtig wiedergegeben, die Anpassungen sorgen dafür für eine gute Spannungskurve. Auch die dramatischen Aspekte funktionieren, werden durch die meist lebensbejahende Stimmung aber auch niemals lebensbedrohlich. Handlung und Figuren sind eher Nebensache, was dem sehr gut bebilderten Film nicht schadet. Knappe ...

9 / 10

Details