Gran Torino
Im stolzen Alter von 78 Jahren verkündet Eastwood, dass dies der letzte Film sei, in dem er vor der Kamera agiert. Von nun an möchte er sich nur noch dem Regiefach widmen, dass er übrigens auch hier bekleidet. Doch ist der Film würdig, einer Schauspiellegende seinen verdienten Abschied zu bescheren? Ja, er ist es - mehr sogar. Man wünscht sich, dass Eastwood noch mehrere solcher Auftritte hat, wirkt er doch cooler und frischer als so manch anderer seiner Kollegen.
Der Kriegsveteran Walt Kowalski beerdigt seine Frau. Bei der Trauerfeier missfällt ihm so einiges. Die Predigt des Pfarrers, die Kleidung seiner Enkelkinder sowie das Verhalten seiner Söhne. Von nun an alleine, lebt er in seinem Haus in einem Vorort von Detroit, dass nun heruntergekommen und verwahrlost ist. Jugendgangs treiben ihr Unwesen, Gewalt herrscht auf den Straßen. Als in seiner direkten Nachbarschaft eine asiatische Familie einzieht, lässt Walt sie spüren, dass sie nicht willkommen sind. Seiner rassistischen Vorurteile bestätigt fühlt er sich, als der Nachbarsjunge versucht seinen 72er Gran Torino zu stehlen. Walt kann den Diebstahl verhindern, doch die Familie fühlt sich schuldig und besteht darauf, dass Thao seine Schuld bei Walt abarbeitet. Langsam kommen sich die beiden näher, bis die Gewalt unabdinglich eskaliert.
Eastwoods Charakter Walt ist der Mittelpunkt des Films. Mit Leichtigkeit spielt er ihn, es wirkt schon fast als Karikatur auf seine Rollen als „Dirty Harry" oder seine Rollen in der Dollar Triologie von Sergio Leone. Immer mit derselben grimmigen Mimik auftreten, knallt er den Nachbarn oder auch anderen kriminellen Jugendlichen, seine rassistischen Äußerungen an den Kopf. Selbst als er die Nachbarn besser kennt und sogar freundschaftliche Gefühle für sie entwickelt, wirft er ihnen seine Vorurteile immer noch ins Gesicht. So nennt er den Nachbarsjungen immer wieder „toad" (Kröte), doch am Ende scheint es fast eine Art Spitzname für den Jungen zu sein. Doch wirkt der Charakter Walt komisch auf den Zuschauer, so schafft es Eastwood, dass doch wieder zu wiederrufen. Wenn Walt einem jugendlichen droht, den Kopf weg zuschiessen und danach wie ein Baby zu schlafen, oder den Anführer einer Gang das Gesicht zerschlägt, dann ist es todernst gemeint. Walt ist gefährlich und er löst alles mit Gewalt.
Fazit:
Eastwoods beschert sich selbst einen würdigen Abschied vor der Kamera. Mit seiner ruhigen Inszenierung überlässt er sich selbst das Feld, um als Hauptdarsteller noch einmal zu zeigen, dass er nur mit seiner Präsenz den Film trägt. Aufgrund von Filmen wie „Mystic River", „Letters from Iwo Jjima" oder auch „Changeling" muss man sich keine Gedanken um Eastwoods Regiefertigkeiten machen und so bleibt nur noch eine Sache zum Schauspieler Eastwood zu sagen: Goodbye Clint.
8,5/10