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Es sind die kleinen Gesten die Clint Eastwoods neuesten Geniestreich Gran Torino, so besonders machen. Mit dem ebenso komischen wie tragischen Film liefert Hollywoods wohl letzte noch lebende Ikone, zusammen mit Darren Aronofky´s The Wrestler, das bisherige Highlight des Kinojahres 2009 ab.

Es ist wirklich erstaunlich mit welcher Souveränität Eastwood innerhalb kürzester Zeit einen beeindruckenden Film nach dem anderen abliefert. Wie von ihm gewohnt, erzählt er seine alles andere als neue Geschichte so gelassen und auf den Punkt genau, so dass er den Zuschauer förmlich mit hineinzieht. Wenn es etwas gibt das man Gran Torino zu Lasten legen kann, dann ist es seine relative Vorhersehbarkeit und die Moral die über allem steht und doch ziemlich deutlich herüber gebracht wird. Doch das stellt meiner Meinung nach keinen Kritikpunkt dar, denn was ist falsch daran auf ethische Werte hinzuweisen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, jedoch von einem nicht gerade kleinen Teil der heutigen Gesellschaft absolut missachtet werden?

Wenn eine Person diese Botschaft aussenden darf, dann ist es Eastwood. Doch natürlich braucht man keine Angst haben, hier eine todlangweilige Parabel über Moral vorgesetzt zu kommen. Gerade die Figur des Kowalski ist alles andere als politisch korrekt und seine herrlich fiesen Beleidigungen sind einfach ein Genuss. Doch ein Clint Eastwood ist natürlich clever genug darin, die Figur ambivalent anzulegen. Trotz all den rassistischen Sprüchen, handelt es sich bei seinem Charakter absolut nicht um einen Rassisten.

Wie gesagt der Storyverlauf ist im Grunde sehr konventionell, dennoch bricht Eastwood hin und wieder ein wenig daraus aus. Besonders im Finale ist dies sehr gut zu erkennen. Auch wie er mit seinem Image als Dirty Harry spielt, es ironisiert, ist ganz große Klasse.

Da überrascht es natürlich in keinster Weise, dass der Film ohne Eastwood in der Titelrolle zu keiner Zeit möglich gewesen wäre. Sein verkniffenes Gesicht, seine sarkastisch/zynischen Kommentare und sein sympathisches Lächeln. Es ist absolut zu jeder Sekunde seine Show. Egal ob er lustige Anekdoten erzählt oder über irgendjemand/etwas schimpft Besonders in den Gesprächen mit den beiden Vietnamesischen Nachbarskindern hat Gran Torino seine besten Szenen. Die Dialoge sind übrigens allesamt großartig geschrieben.

Fazit: Dem nicht müde werdenden Clint Eastwood gelang mit Gran Torino ein wunderbar kleines, im Grunde völlig unspektakuläres Filmchen, das den Zuschauer ebenso glänzend unterhält wie berührt. Themen wie Tod, Leben und Verständigung unterschiedlicher Kulturen werden von ihm absolut souverän und mithilfe einer unglaublich routinierten Inszenierung behandelt.
Mit dem Alter scheint man doch tatsächlich reifer zu werden. Zumindest auf einen scheint dies absolut zu zutreffen und sollte dies, wie angekündigt, wirklich der letzte Auftritt des großen Clint Eastwood vor der Kamera gewesen sein, einen besseren Abschiedsfilm hätte er wohl kaum machen können. Ganz Groß. 9/10

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