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Mal ehrlich, wie blöd muss man sein, Clint Eastwood auf seinem eigenen Rasen dumm zu kommen. Tja, die Jugendgang, die das versucht, scheint noch nie von Dirty Harry oder dem Pale Rider gehört zu haben, andernfalls hätten die Jungs sich flugs verpieselt und unter dem nächsten Stein verkrochen, anstatt auf dicke Hose zu machen. Mächtig böser Fehler.

Gran Torino, der letzte Geniestreich des Altmeisters, ist ein Film über Rassismus und Toleranz, über Vorurteile und Vergebung, über Nachbarschaft und Glauben, über das Altsein und das Erwachsen werden, über Famile und Freundschaft. Und über noch vieles mehr. Und Eastwood trägt die packende Story mühelos auf seinen alt gewordenen Schultern. Sein Gesicht, verbittert und zerfurcht, scheint all die Schießereien, die Gewalt, die Kriege und Verbrechen widerzuspiegeln, die Eastwood in all den Jahren in all den Rollen gesehen und erlebt hat. Mit stechenden Augen und knarziger Stimme scheißt er auf die ganze Welt, nicht mal die eigene Famile hält es lange bei ihm aus, und so fristet der Griesgram einsam und allein seine Tage, und will doch eigentlich nur in Ruhe auf der Veranda sitzen und ein Bierchen zischen. Wenn, ja wenn da nicht diese verfluchten Schlitzaugen nebenan wären...

Der Film besticht durch eine unglaubliche Intensität, witzige Dialoge und in den Bart genuschelte Beleidigungen, die einen laut lachen lassen. Allein die Besuche beim Frisör - Brüller. Oder die Nachbarsoma, die ebenso flucht, nörgelt und spukt wie Eastwood, nur asiatisch eben - köstlich. Natürlich bleibt es nicht bei der kurzweiligen Annäherung fremder Kulturen, unterschiedlicher Lebensweisen und riesiger Altersunterschiede. Dazu sind die Gangmitglieder einfach zu verbohrt, um ein gut gemeintes "lass dich noch einmal hier blicken und ich reiß dir den Arsch auf" anzunehmen und ihr Leben zu überdenken. Und so muss Opa Eastwood wohl doch nochmal die Kiste im Keller aufmachen. Und wir alle wissen, was das heißt...

Gran Torino ist ein fesselnder, beeindruckender Film, der von Beginn an mitreißt, der zum Lachen und zum Weinen bringt und so manche Gänsehaut verursacht. Auch die Nebenrollen sind fantastisch entwickelt und besetzt, vom schüchternen Nachbarsjungen, der seinen Weg findet, dessen entwaffnend liebe Schwester, die den alten Griesgram weichkocht, bis zum hartnäckigen Gemeindepastor, der kein noch so verirrtes Schäfchen aufgibt, auch wenn es ihm einen verbalen Arschtritt verpasst. Und natürlich der 1972er Ford Gran Torino, der heimliche Star des Films. Ein Auto für Männer, ein Blech gewordener Traum, gehegt und gepflegt, um eines Tages vom Vater zum...naja, wem auch immer überzugehen.

Einer der besten Filme von Clint Eastwood - und das meine ich ernst.

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