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Es ist doch immer wieder verwunderlich, was dieser Mann noch im Stande ist zu leisten. In letzter Zeit konzentrierte sich Clint Eastwood mehr auf emotionale Filme, jedoch meist hinter der Kamera. Seine letzte Hauptrolle hatte er vier Jahre zuvor in seinem grandiosen Drama "Million Dollar Baby". In "Gran Torino" füllt er wieder drei Rollen gleichzeitig aus, es kommt noch die des Produzenten hinzu mit seiner Produktionsfirma Malpaso. Es kursierten immer wieder Gerüchte um einen Abschluss von Eastwoods Paraderolle als Harry Calahan, doch in einem Interview gab Eastwood preis, dass dem definitiv nicht so ist. Er wäre um einen realistischen Charakter bemüht, den er in "Gran Torino" auch verkörpert. Sein eingeschlagener Weg war absolut richtig, denn dieses intensive Drama, ist eine von Eastwoods besten Regiearbeiten.

Walt Kowalski (Clint Eastwood) ist ein wahrer Miesepeter. Er war einige Jahre in Korea stationiert und arbeitete sein Leben lang bei beim Autobauer Ford. Zu seinen beiden Söhnen hat er ein angespanntes Verhältnis, doch seine Nachbarn vom Volk der Hmong, hasst er noch mehr. Besonders als Nachbarsjunge Thao (Bee Vang) Walts Schmuckstück, einen 72er Gran Torino stehlen will, eskaliert die Situation. Trotzdem freundet sich Walt mit seinen Nachbarn an, besonders mit Thao. Doch Thao wird von der Gang seines Cousins unter Druck gesetzt. Walt beschließt den Hmong zu helfen.

Ich habe mich wirklich gefragt, wie der zu Recht völlig unbekannte Nick Schenk ein solch geniales Drehbuch aus dem Boden stampft. Eastwood war begeistert und nahm kaum Veränderungen vor. Eigentlich hat "Gran Torino" nur eine gängige Story zu bieten. Eine Gang terrorisiert ein Viertel, die Leute können sich nicht wehren, nur Walt probt den Aufstand. Doch Eastwood lässt es nie in eine Klischeeoper ausarten und verpackt die Thrillerlemente geschickt in eine dramatische Rahmenhandlung. Walt Kowalski ist ein Mensch, der an allem etwas auszusetzen hat. Er hasst es wie seine Enkelin angezogen ist, er hasst das Auto seines Sohnes weil er einen Japaner fährt und er hasst vor allem "Schlitzaugen". Walt nennt sie auch gerne mal "Sumpfratten", aber es fallen während des Films noch viel schlimmere Wörter.

Man ist sich nicht sicher, ob man Walt mag, oder eben nicht. Er ist doch ein wenig an Harry Calahan angelehnt. Er sagt immer ehrlich, was er denkt, benutzt gerne Schimpfworte und ist ein absoluter Zyniker. Walt hat keinen Spass an seinem Leben, ausser seinem 72er Gran Torino, den er jedoch kaum bewegt, zumindest sieht man Walt nie damit fahren. So sehr Walt die Hmong auch hasst, so findet er doch Gefallen an deren Essen, Kultur und besonders an Thao. Walt verhilft ihm zu Selbstachtung, besorgt ihm einen Job und behandelt ihn besser als seine eigenen Söhne. Die Hmong nehmen es ihm auch nicht übel, wenn er über sie schimpft. Sie verehren Walt, bringen ihm ständig Geschenke, weil er die Gang vertrieben hat.

Die spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Hier wird wesentlich mehr gemenschelt, Konflikte gibt es nur selten. Auch muss Walt seine Schusswaffe nie benutzen, seine Drohungen reichen oft aus, um die schweren Jungs einzuschüchtern.
Jedoch wird "Gran Torino" immer ernster, denn Walt begeht einen dicken Fehler. Nicht alle Konflikte kann man mit Gewalt lösen und das rächt sich bitter. So ist man sich ziemlich sicher, dass noch etwas schreckliches passieren wird.

Clint Eastwood macht selbst als 78jähriger noch eine gute Figur und überzeugt in seiner vielseitigen Rolle. Sein Charakter macht eine Wandlung durch und Eastwood verkörpert diese oscarreif. Er ist mit ähnlichen Charakteren sehr vertraut und seine Erfahrung hilft ihm hier ungemein, diese brillante Leistung abzuliefern. Seinem Sohn Scott verpasste er eine Minirolle. Der Großteil der Darstellerriege ist unbekannt, doch unter Eastwood läuft Jeder zur Hochform auf.

Man darf hier wirklich von einem Meisterwerk sprechen, einem absoluten Höhepunkt in Eastwoods fulminanter Filmkarriere. "Gran Torino" ist ein sehr intensives Drama, welches Klischees vermeidet und nie in Kitsch ausartet. Man weiss manchmal nicht, ob man lachen oder heulen soll, derart gut hat Eastwood die verschiedenen Genren kombiniert. Hinzu kommen die brillanten Darsteller und Eastwoods gelassene Inszenierung, die auf einen dramatischen Höhepunkt hinarbeitet.

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