Die meisten Schauspieler versinken mit zunehmendem Alter in der Versenkung. Und es gibt welche, die ein Meisterwerk nach dem anderen abliefern. Ist Clint Eastwood mit "Million Dollar Baby" sein (meiner Meinung nach) bisheriger Höhepunkt geglückt, so braucht sich Gran Torino nicht dahinter verstecken. Mal wieder großartiges, ruhiges, emotional fesselndes Kino.
Inhalt:
Nachdem Walt Kowalski seine Frau verloren hat, ziehen ins Nachbarhaus eine koreanische Sippe ein. Kowalski, Kriegsveteran und von Haus aus ein grantelnder Misanthrop, passt das gar nicht. Auch mit rassistischen Bemerkungen und der Ablehnung des ihn trösten wollenden Pfarrers hält er sich nicht zurück. Genauso zerrüttet ist das Verhältnis zu seinen Kindern. Als er einen Jungen aus dem Nachbarhaus dabei erwischt, wie er seinen Ford Gran Torino aus der Garage klauen will, erlebt Walt langsam eine Wandlung...
Diese gipfelt glücklicherweise nicht in einer Geschichte, in der ein alter Griesgram geläutert wird und alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Eastwood, der auch die Hauptrolle spielt, nimmt sich erstmal Zeit für Walt, beleuchtet nach und nach seinen Charakter und dessen Vergangenheit.
Der Film kommt zuweilen auch recht schwarzhumorig daher. Und diese Mischung aus ernst und (derbem) Witz funktioniert einfach und macht einen runden Gesamteindruck. In erster Linie bleibt "Gran Torino" aber ein Drama um einen verbitterten, einsamen Mann. Eastwood spielt mit seinen eigenen früheren Rollen und manchmal fragt man sich, ob Walt nicht einfach die Antwort auf die Frage ist: Was macht eigentlich Dirty Harry wenn er in Rente geht?
Ein gleichzeitig rührender wie witziger und auch sarkastischer Film, bei dem man trotz Walts Gram, den er in sich trägt und ihn auch bereitwillig mit der Welt teilt, mit der Hauptfigur mitleidet. Ein Film um Schuld und Sühne, der einen noch lange in seiner Stimmung versunken lässt. Gedreht in 33 Tagen stellt er locker ein Gros der letzten "großen" Blockbusterdramen in den Schatten.