Ich mache es mal kurz: Ich habe mir immer gewünscht - als Riesenfan von Eastwood und seiner Westernherkunft - dass seine letzte Rolle in einem Remake von der Shootist gewesen wäre. Ich habe mir gewünscht, dass er für jene Rolle dann endlich den wohlverdienten Oscar bekäme und er niemals wieder vor die Kamera träte.
Dann kam Gran Torino und ich habe gehofft, dass dies nun sein letzter Film gewesen wäre. Denn trotz der offensichtlichen Unterschiede zum Shootist (übrigens John Waynes letzte Filmrolle, in der er seine Western-Harter-Hund-Rolle komplett demontiert, einen vom Krebs gezeichneten alten Mann spielt, der seine letzten Vorbereitungen trifft, Freundschaft mit einem jungen Mann schließt und trotz keinem Happy End dennoch ein Happy End hat) hat Gran Torino alle Eigenschaften, die für einen letzten Vorhang die richtige Grundlage bieten.
Wir haben einen vom Krebs gezeichneten Hauptdarsteller, der Freundschaft mit einem jungen Mann schliesst und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zwischen die Fronten gerät. Das alles eingebettet in die ruhige souveräne Inszenierung eines Clint Eastwood mit einem Ende, was überhaupt nicht als Happy End durchgeht, aber dem Zuschauer immer noch trotzdem wie ein Happy End vorkommt, da die Auflösung(en) aller offenen Storypunkte so intelligent und durchdacht stattfindet(n), dass es eine Wonne ist.Wenn man sich das alles genau durchliest, dann ist Gran Torino vielleicht doch eine Art kluge, moderne Neuinterpretation vom Shootisten. Allerdings geht Gran Torino im entscheidenden Moment der Eskalation der Gewalt einen deutlich anderen, klügeren Weg, der eben nicht in bewährter (lächerlicher) Death Wish Manier aufräumt, sondern das Problem eben mit Köpfchen löst. Der etwa zeitgleich gedrehte Altherrengewaltporno mit Michael Caine Harry Brown, der ein ähnliches Thema deutlich martialischer angeht, dürfte einigen Zuschauern evtl. besser gefallen, da sich da jemand wirklich krass zur Wehr setzt. Aber Gran Torino hat dafür einfach die Klasse und die Eier, es anders und für mich besser zu lösen.
Ganz zu schweigen davon, dass er den besten und pointiertesten Rassisten-Witz aller Zeiten auf Lager hat (oder ist ein Witz über Rassisten), da er sie komplett bloßstellt.Dass es dann doch nicht Eastwoods letzter Film wurde und er doch nicht den Oscar als Darsteller einheimste, stört da weniger.