Review

Slumdog Millionaire

Danny Boyle ist wahrlich der vielseitigste unter seinen Regiekollegen. Keines seiner Werke gleicht dem Anderen, selbst die Genres sind allesamt verschieden. Ob Science-Fiction (Sunshine), Horrorfilm (28 Days later) oder sogar Kinderfilm (Millions) - mit Leichtigkeit hangelt er sich von Genre zu Genre. Diesmal versucht er, das indische Bollywood-Kino dem westlichen Publikum näher zu bringen. Mit Erfolg. Grade erst wurde der Film als „Bester Film" bei den Golden Globe Awards ausgezeichnet und gilt nun auch als Favorit bei den Oscars.

Der 18 jährige Jamal ist in der Fernsehshow „Wer wird Millionär" nur noch eine Frage entfernt vom Hauptgewinn von 20 Millionen Rupien. Schnitt: Jamal wird von der Polizei verhört und gefoltert. Sie verdächtigen ihn, dass er bei der Show betrogen hat. Wie sollte ein einfacher Junge aus den Slums all die Fragen beantworten ohne zu betrügen. Doch Jamal bleibt bei seiner Version, dass er die Antwort zu allen Fragen wusste. Zu jeder Frage erzählt er eine Geschichte, die er in seiner Kindheit erlebte und dadurch die Antwort wusste. Immer wieder dreht sich dabei alles um seine große Liebe Latika und seinen großen Bruder Salim.

Ein Bollywood-Film für Hollywood. So könnte das Motto hier lauten. Doch Danny Boyles Film ist anders. Es ist wie ein modernes Märchen, mal witzig, mal romantisch und dann wieder knallhart. Praktisch ein Hollywoodfilm mit indischen Darstellern, komplett in Indien gedreht. Es gibt nur eine Tanzszene und die ist im Abspann und wirkt eher komisch als ernst gemeint.

Mit Leichtigkeit wechselt Boyle zwischen den Handlungssträngen hin und her. Mal in der Show, mal bei der Polizei. Doch der größte Teil des Films spielt sich in der Kindheit von Jamal ab. Boyle zeigt hier das Leben in einer indischen Großstadt ohne jeglich Pathos. Die Armut und Gewalt wird hier schonungslos gezeigt. Boyle macht auch nicht davor halt, zu zeigen, wie Kindern die Augen geblendet werden. Wie immer in seinen Filmen, besticht auch hier wieder die optische Brilianz der Bilder. Die Stadt Mumbai taucht er in solch hypnotische Bilder, dass man förmlich spürt, wie die Stadt brodelt und pulsiert.

Fazit:

Ein Film, der einen nicht mehr loslässt. Ein optischer Rausch gepaart mit einem modernen Märchen zum Mitleiden und Genießen.

9/10

Details
Ähnliche Filme