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Danny Boyle hat mit einem gänzlich unbekannten und sicherlich nicht grenzenlos talentierten Schauspieleraufgebot einen wirklich bemerkenswerten Film über Indien und insbesondere Mumbai gedreht. Man hat an manchen Stellen tatsächlich das Gefühl, dass man die Kultur einatmen oder schmecken kann. Klasse sind besonders die gewagten Blickwinkel, die viel mehr aussagen, als es das Bild oberflächlich transferieren kann. Das sind cineastische Genussmomente.

Allerdings gibt es Augenblicke, an denen es zu wild wird. Die Kamera wackelt dann unnatürlich viel und wirkt überdynamisch. Scheinbar gab es Momente, wo Boyle zu viel wollte und dann im wahrsten Sinne des Wortes etwas überdreht. Denn manche Szenen macht gerade diese bewegliche Kamera erst richtig genial, wenn sie sich etwas sanfter an das Gezeigte anschmiegt und den Zuschauer direkt am Geschehen teilhaben lässt. Dann wird man in einen vor allem musikalisch großartigen Bilderstrudel gesogen, dem man kaum entkommen kann. Ein grandioses Beispiel dafür dürfte die vom wirklich einzigartigen Song "Paper Planes" von M.I.A. unterlegte Zugfahrt von Salim und Jamal sein, die mit zu den schönsten audiovisuellen Kompositionen gehört, die ich je bei einem Film erlebt habe.

"Slumdog Millionaire" ist definitiv eine Perle im verhältnismäßig seichten Gewässer der kulturell anspruchsvollen Hollywoodfilme und bleibt bereits nach einmaliger Betrachtung unvergesslich. Zu aufrichtig ist die mit einer bezaubernden Naivität vorgetragene Geschichte. So entsteht vor dem gewaltigen Hintergrund einer pulsierenden, global integrierten, sozial aber extrem fragmentierten Megastadt ein modernes Märchen über Wahrheit und Schein und die schicksalhafte Verbindung von beidem, nämlich die Liebe.

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