Mehr auf Action getrimmtes, modernes, aber recht spannendes Remake des Politthrillers von 1973.
Der Bruder eines russischen Mafiabosses wird bei einer Razzia getötet, woraufhin dieser für den Verlust blutige Rache will. Es werden zum einen Kopfgelder auf Geheimdienstler ausgesetzt, zum anderen soll ein besonders öffentlichkeitswirksamer Anschlag auf eine US-Persönlichkeit verübt werden. Er engagiert den Schakal (Bruce Willis), den besten aller Profikiller. Bereits an seiner Art merkt man, dass er sein Geschäft bis ins letzte Detail versteht: Er schwätzt nicht groß rum und gibt selbst seinem Auftraggeber Verhaltensregeln mit auf den Weg, damit die Sache klappt.
Russischer Geheimdienst und US-Pendant kriegen das zwar spitz, aber sie haben ein Problem: Nur eine Person hat den Schakal bisher gesehen. Doch die Dame, Isabella Zanconia (Mathilda May), ist untergetaucht. Einzige Spur ist ihr Ex-Lover Declan Mulqueen (Richard Gere), ein ehemaliger irischer Terrorist, der nun in einem US-Gefängnis versauert. Mit dem Verhältnis der beiden will „Der Schakal“ die ganze Chose noch auf eine persönliche Ebene hieven, doch leider wird dieser Aspekt nur angerissen und sorgt daher kaum für Tiefe.
Major Valentina Koslova (Diane Venora) vom KGB und FBI-Geheimdienstler Carter Preston (Sidney Poitier) holen Mulqueen aus dem Knast. Dieser erzählt, er habe den Schakal ebenfalls gesehen und bietet seine Hilfe im Austausch gegen Strafminderung an…
„Der Schakal“ hat einen großen Vorteil und das ist der extrem wandlungsfähige Bruce Willis: Mit ständig neuen Verkleidungen und Mut zur Hässlichkeit (z.B. als fetter Miefkopf beim Autokauf) verleiht er dem Schakal das nötige Charisma und spielt den Rest der Besetzung an die Wand. Dagegen wirkt Richard Gere etwas farblos, noch weniger Akzente kann Mathilda May setzen und Sidney Poitier ist zwar gut, bekommt aber wenig Screentime. Dafür hat man mit Diane Venora noch eine wirklich gute Darstellerin auf der Gegenseite, sodass der Film nicht komplett zu Willis’ Gunsten kippt, doch der Rest der Darsteller verblasst schon neben ihm. Sehr gut in einer Minirolle ist auch Komiker Jack Black als Waffenkonstrukteur.
An sich ist „Der Schakal“ auch recht spannend geraten, obwohl man nur wenige Überraschungen eingebaut hat (diese sind dann hinsichtlich der Zielperson). Doch allein die Art auf die der Schakal seine Aufträge vorbereitet und mit eiskalter Professionalität vorgeht, übt eine ziemliche Faszination aus. Er killt nicht aus Spaß, sondern dann, wenn er seine Tarnung wahren muss – dies dann aber auch komplett gefühllos. Ob der Schakal geschnappt oder getötet wird, ist die eine Frage, ob die Zielperson überlebt eine andere, womit „Der Schakal“ dann zum Schluss noch etwas die Spannungsschraube anzieht, denn wie es die Regeln des Genres so verlangen, hinken die Behörden die meiste Zeit über zurück und haben erst zum Schluss die Chance dem Killer wirklich gefährlich zu werden.
Da liegt dann auch der Hund begraben, denn zur Genrereferenz fehlt „Der Schakal“ noch ein Stück. Gerade die erste Hälfte hätte man etwas raffen können, was angesichts der Menge von Subplots kein Problem wäre. So nimmt „Der Schakal“ erst in Hälfte zwei so richtig Fahrt auf, wenn die Häscher dem Killer zumindest ansatzweise gefährlich werden, doch ab da erreicht die Spannung ordentliche Höhen. Nur der etwas dämliche und unlogische Einsatz des deus ex machina in den letzten Filmminuten stört dann wieder, doch insgesamt ist der Spannungsbogen trotz einiger Hänger in der ersten Hälfte recht gelungen.
Ganz soviel Action wie andere Bruce Willis Filme bietet „Der Schakal“ nicht, aber die vorhandenen Szenen sind wirklich gut geworden. Die Anschlagsszene macht Laune, diverse kleine Shoot-Outs lockern das Geschehen auf und der Hinterhalt im Haus ist wohl das Highlight des Films, wenngleich der Munitionsverbrauch nicht übermäßig hoch ist. Auch die Konfrontation am U-Bahnhof ist actionmäßig nicht schlecht, nur ein paar unzeitgemäß schwache CGI-Effekte stören.
Unterm Strich hat „Der Schakal“ zwar seine Hänger und könnte um ein paar der nicht allzu tiefgängigen Subplots erleichtert werden, doch recht spannend ist er schon geraten, kleine Actioneinlagen lockern den Film auf und Bruce Willis’ Performance ist klasse genug, um ein paar der Schwächen vergessen zu machen.