Review

Frederick Forsysths berühmter Roman "Der Schakal" erschien im Jahr 1971 und wurde zwei Jahre später von Fred Zinneman verfilmt. Das Remake hingegen basiert nur noch sehr lose auf dem Geschehen im Roman, Drehbuchautor Chuck Pfarrer (Harte Ziele, Darkman) setzt mehr auf Action. Regisseur Michael Caton-Jones, der jüngst die Fortsetzung zu "Basic Instinct" in den Sand setzte, findet sich hier in einem für ihn neuen Genre wieder. 60 Millionen Dollar galt es zu verpulvern, doch allein schon wegen eines extrem wandlungsfähigen und kühlen Bruce Willis (Stirb Langsam, Last Boy Scout) dürften die Einnahmen gesichert sein. War das Original noch ein Politthriller, so ist das Remake ein auf Hochglanz getrimmter Actionthriller, perfekt sieht jedoch anders aus.

Bei einer Razzia in einem Lokal wird der Bruder des Mafiabosses Terek Murad (David Hayman) vom FBI-Agenten Carter Preston (Sidney Poiter) und seiner Partnerin Valentina Koslova (Diane Venora) erschossen. Murad schwört Rache und engagiert den Profikiller (Bruce Willis), gennant "Schakal". Sein Ziel scheint der Direktor des FBI zu sein. Doch wie jemand aufspüren, den man noch nie gesehen hat, so holt man den IRA-Kämpfer Declan Mulqueen (Richard Gere) aus dem Knast. Er ist einer der wenigen, die den "Schakal" gesehen haben. Man macht sich auf die Suche nach einem Menschen, der keine Fehler macht und bald sind Carter, Koslova und Mulqueen am Zweifeln, ob die richtige Person vor dem "Schakal" beschützt wird. Der hat mittlerweile alle Vorbereitungen getroffen, um sein bis ins kleinste Detail geplante Attentat durchzuführen.

Caton-Jones setzt hier auf Schauwerte, was nicht nur die ständig wechselnden Kulissen beweisen, sondern auch Gadgets wie die ferngesteuerte Gatling oder diverse Actionszenen. Desweiteren ist der Score von Carter Burwell sehr wuchtig, wenn auch nicht unbedingt abwechslungsreich. Nur ein paar CGI-Einlagen mögen diesem gelungenen Paket nun noch schaden, besonders auffällig als Mulqueen zwischen den zwei U-Bahnen steht. Ein weiteres Manko ist, dass "Der Schakal" erst in Filmhälfte zwei richtig straight inszeniert ist und er storytechnisch nur wenige Haken schlägt. Aber der skrupellose Profikiller ist einfach faszinierend, besonders wie er sein perfides Attentat plant. Diesem Mensch scheinen keine Fehler zu unterlaufen, er hinterlässt zwar gewisse Spuren, doch die führen meist ins Nichts. Auch über seine Vergangenheit bekommen wir nur Kleinigkeiten geboten. Trotz mangelndem Tempo fesseln die Vorbereitungen des "Schakals", der dabei mit mehreren Identitäten jongliert. Dagegen sind die Ermittlungen von Preston und Koslova weit abgeschlagen, die sich mit Mulqueen noch Unterstützung aus dem Knast holen. Aufgrund Mulqueens IRA-Vergangenheit herrschen zu Beginn gewisse Spannungen im Team, was die Sache bedingt interessanter gestaltet.

Die Geschichte mit Terek Murad gerät währenddessen dermaßen in den Hintergrund, dass man sie schon fast vergessen hat. Schließlich darf es noch eine Überraschung das Ziel des "Schakals" betreffend geben und man darf sich auf das erste Zusammentreffen mit Mulqueen und dem Profikiller freuen. Hier kommt dann der Actionfan auf seine Kosten, wenn geschossen und verfolgt wird. Besonders gelungen ist der Test mit der ferngesteuerten Gatlin, wo die kompromisslose Art des Killers untermauert wird. Genauso sein Angriff auf das FBI-Versteck. Daneben gilt es für Preston noch einige Verräter in den eigenen Reihen aufzuspüren, welche mit Murad gemeinsame Sache machen. So vermag "Der Schakal" über die gesamte Distanz von zwei Stunden zu unterhalten, in der zweiten Hälfte wird es nicht nur spannend, sondern auch actionreich. Natürlich darf da auf einen ordentlichen Showdown nicht verzichtet werden, leider fallen genau dort einige Animationen unangenehm auf. Aber allein schon Bruce Willis macht die Sache sehenswert. Den skrupellosen Killer nimmt man ihm auf jeden Fall ab, seine zahlreichen Verkleidungen wirken nie lächerlich oder aufgesetzt. Willis ist ein wandlungsfähiger Mensch, ob als fetter und schmieriger Lieferant oder als schwuler Geschäftsmann, der einen ebenfalls schwulen Anwalt für seinen Auftrag ausnutzt. Richard Gere (Red Corner, Pretty Woman) hat dagegen nicht die geringste Chance und selbst Sidney Poiter (Mörderischer Vorsprung, In der Hitze der Nacht) und Diane Venora (Wolfen, Stiletto) können da nicht mithalten.

Nicht unbedingt ein Meisterwerk und eigentlich liefert Bruce Willis hier eine One Man Show. Dank seiner brillanten Verkörperung dieses interessanten Charakters bleibt "Der Schakal" weit über dem Durchschnitt. Die Story ist bestenfalls solide, in der ersten Halbzeit wäre mehr Tempo angesagt, dafür darf es später rundgehen. Außer ein paar mäßigen CGI-Effekten ist der Film ein optischer Leckerbissen und Caton-Jones zieht die Spannungsschraube gegen Ende richtig an.

Details
Ähnliche Filme