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Menschenfleisch soll also wie Hühnchen schmecken. Demnach ist es schnell durchgebraten, relativ mager und müsste gut mit Zitrone oder Curry harmonieren. Wahrscheinlich aber hat sich der Drehbuchautor gar keine tieferen Gedanken darüber gemacht, wie überhaupt über den kompletten Inhalt dieses Backwood-Slashers.

Der spielt inmitten ländlicher Einöde Englands, wo Lorrie und fünf Freunde einige Zeit im geräumigen Farmhaus verbringen wollen, ihnen aber ein stummer Fleischer einen Strich durch die Rechnung macht.

Zunächst lenkt man von progressiven Zombies auf Rednecks, denn wer schwer atmet und keucht, jedoch Auto fahren kann, dürfte vom Gehirnzellenanteil noch einigermaßen intakt sein. Tatsächlich aber handelt es sich um lediglich einen Menschenfresser, der nebenbei eine Schmierbude für seine Burger aufgestellt hat und darin seine verarbeiteten Opfer vertickt und stets Ausschau nach Frischware hält.
Wer ihm da als Vermieterin des Farmhauses hilfreich zur Seite steht, dürfte bereits nach kürzester Zeit niemanden mehr überraschen.

So haben wir einmal mehr einen bunten Haufen Jugendlicher, die stets ans Bömbeln denken, zwischendurch ordentlich süppeln, ferner auch fremdgehen, während bei einer der drei Tussen bereits die Konsequenz in Form einer unfreiwilligen Schwangerschaft nachgewiesen wurde.
Mittendrin Lorrie, die als Vegetarierin die besten Chancen hat, nicht ihresgleichen zu verzehren.
Figurenzeichnung wird indes nicht sonderlich groß geschrieben, auf die kommt es bei einem Routine-Slasher dieser Art ohnehin nicht an.

Wer also einen Vermissten auf eigene Faust suchen geht, tut gut daran, beim Beobachten einer Folterszene nicht aufzumucken und wer in freier, fremder Natur Blinde Kuh in Vorbereitung auf Sexspielchen veranstaltet, darf sich nicht wundern, wenn der Redneck schneller ist, - als Zuschauer wundert man sich jedoch, warum die Trulla den Hinterwäldler nicht riecht oder dessen Grunzen nicht dem Freund zuordnet.
Hilfreich ist es ferner, eine Spieluhr aufzustellen und in Gang zu setzen. Das lenkt den Redneck ab und schafft eventuell Sympathien, um etwas länger am Leben zu bleiben.
Wenn das alles nicht hilft: Ausgiebig Duschen und sich genauso ausgiebig durchs Guckloch in der Wand beobachten lassen.

Derweil kommt zumindest ein wenig Fahrt auf, als es den ersten, natürlich unauffälligsten Figuren, ordentlich blutig an den Kragen geht.
Da landet man im Verlauf in der Bärenfalle, bekommt eine Mistforke in den Bauch, die Zunge wird herausgezogen und ein Gesicht verätzt.
Der Fiesemöp, weiterhin schweigend und mit frisch rasierter Glatze ausgestattet, stülpt sich während seiner Missetaten die Loden einer toten Katze über und wirkt in solchen Momenten weitaus weniger bedrohlich als ohne Maskerade, denn fies schaut der Kerl schon drein.

Neben dem ordentlichen Blutgehalt und der grundsoliden Handarbeit des Regieneulings Gregory Mandry lässt sich innerhalb der Story allerdings nichts Dolles ausmachen.
Alles verläuft in vorgefertigten Mustern und auch wenn die Ausstattung mit einigen Requisiten stark ans Kettensägenmassaker und Konsorten erinnert, fehlen dem Treiben zündende Ideen und unerwartete Wendungen.
Das Erzähltempo geht über weite Teile in Ordnung und auch für Action in Form von Zweikämpfen und schnellen Fluchtszenen wird gesorgt, doch mit dem abrupt endendem Showdown und dem völlig unlogischen Ausgang tut man der Geschichte keinen Gefallen.

Zwischen „Wrong Turn“ und „Wolf Creek“ bleibt ergo kaum Luft und wer nach markanten Eigenheiten oder gar bahnbrechenden Neuheiten sucht, wird nicht fündig werden.
„Gnaw“ ist lediglich Routine, Fließbandware und ein brauchbares Häppchen für Zwischendurch. Mit 77 Minuten Laufzeit nicht allzu lang und für Genre-Fans daher leicht verdaulich…
5,5 von 10

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