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"Deine Freude wird nur durch deine Phantasie begrenzt."

Skeeter Bronson (Adam Sandler) arbeitet bereits seit Jahren für den Hotelmanager Mr. Nottingham (Richard Griffith) in einem runderneuerten Hotel, dass früher einmal Bronson's Vater gehörte. Allerdings nicht in einer führenden Position sondern als Mädchen für alles. Nottingham hatte einst versprochen ihm einen Managerposten zu überlassen. Mittlerweile hat sich aber herausgestellt, dass Nottingham eher für Kendall (Guy Pearce) sympathisiert, der seine Karten durch die gute Beziehung zu Nottingham's Tochter Violet (Teresa Palmer) ausspielen konnte und Bronson nur allzugern erniedrigt.
Als Bronson's Schwester Wendy (Courteney Cox) für ein paar Tage verreisen muss, obliegt es Skeeter sich um deren Kinder Bobbi (Laura Ann Kesling) und Patrick (Jonathan Morgan Heit) zu kümmern. Durch diese Aufgabe lernt er Jill (Keri Russell) kennen mit der er sich das Babysitten aufteilt. Als Skeeter den beiden Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt treten am nächsten Tag die erzählten Ereignisse tatsächlich ein. Dieses Phänomen möchte er sich zunutze machen... doch obliegt es nicht ihm zu bestimmen, wie die jeweilige Geschichte ausgeht.

Walt Disney Pictures lädt mit "Bedtime Stories" einmal mehr zur Märchenstunde ein. In kindgerechter Form verknüpft Comedy Regisseur Adam Shankman ("Hairspray", "Der Babynator") moderne Elemente mit einer klassischem "Cinderella" Geschichte. Der Brauch der Gute-Nacht-Geschichten wird hierfür zweckentfremdet.
So landet der Erzählstrang nach ausgiebiger Einführung der Charaktere, den ersten gut pointierten Sprüchen und Bestimmung der Randbedingung bei angesprochenen gewollt Schlaf beschleunigenden Kindergeschichten. Diese heben sich von den Ereignissen im Alltag ab und wechseln in ein fiktives Szenario. Somit findet sich durch mittelalterliche Schlösser, Ausflüge in den wilden Westen und gar eine an "Star Wars" angelehnte futuristische Kulise eine visuell gelungene Abwechslung.

Ohne die obligatorische Boy-meets-Girl-Handlung geht es natürlich bei einer kinderfreundlichen, turbulenten Komödie nicht. Bevor sich Anti-Romantiker abgeschreckt fühlen: Die Handlung verfolgt selbstverständlich die Verkupplung der sich Verliebenden, stellt diesen Teil des Plots aber nur selten in den Vordergrund und kann, für einen Disneyfilm überaschend, mit einer Wendung des Love Interests aufwarten. Natürlich bleibt der gesamte Rahmen aber typisch Disney kitschig, überschlägt sich mit leicht überzogenem Knuddelfaktor (beginnend mit den Kinderdarstellern bis hin zu einem animierten, großäugigen Meerschweinchen) und endet mit dem gewollten Happy End.
Punkten kann "Bedtime Stories" insbesondere durch den auf Adam Sandler ausgerichteten Witz. Wie schon in anderen Filmen mit seiner Darbietung darf Sandler auch hier wieder ordentlich mit teils zynisch, schrillen oder Situation betreffenden Sprüchen die Stimmung aufheitern. Im Gegensatz zu Zoten wie „Leg dich nicht mit Zohan an“ fallen seine Anmerkungen wesentlich braver aus und überschreiten nur in Ausnahmefällen die Grenze zur Gürtellinie.

Auch wenn die Ansätze der Handlung neu wirken und die erstklassigen Spezialeffekte die Geschichte tragen, muss sich die fantastische Komödie eine Menge Kritik gefallen lassen. So hat es nur anfangs einen gewissen Reiz wenn die erzählten Geschichten plötzlich wahr werden. Ab der zweiten Hälfte fällt auf, dass sich im Grunde alles auf eine monotone Art wiederholt und trotz der wechselhaften Kulisse eintönig bleibt.
Auch der Humor bleibt auf der Strecke. Statt lustigen Ideen mit Charme wie zu Beginn präsentiert sich die Komödie plötzlich übertrieben komisch mit Klamauk der nur noch bei der Zielgruppe ankommen dürfte. Diverse Running Gags, wie das Meerschweinchen Glubschi, wirken später nur noch bedingt lustig. So wie es scheint sind den Machern die Ideen ausgegangen.
Ebenfalls wenig überaschend fällt das Charakterdesign aus. Disney generiert eine standesgemäße Aufteilung zwischen Gut und Böse, Sympath und Unsympath. Es gibt kaum eine Wandlung der Figuren die ihre klischeehaften Eigenschaften nicht im geringsten verbergen können.
Dazu erscheint die Erzählweise notgedrungen übereilt, obwohl sich die Handlung nur langsam entfaltet.

Völlig zugeschnitten auf Adam Sandler ("50 erste Dates", "Chuck und Larry") ist auch er es, der den Film am meisten trägt. Durch sein schrilles agieren bringt er den meisten Schwung in die sonst konventionelle Geschichte.
In die stereotypische Abteilung "süß" verschlägt es Keri Russell ("Wir waren Helden", "Rohtenburg") als liebenswerte Kindergärtnerin sowie die beiden Kids Laura Ann Kesling und Jonathan Morgan Heit, die dazu geradezu geschaffen sind.
Schlecht erwischt hat es insbesonders die Gegenbalance. Mit Guy Pearce ("The Proposition - Tödliches Angebot", "Memento"), Richard Griffiths ("Harry Potter"-Reihe, "Sleepy Hollow"), Lucy Lawless ("Xena"), Courteney Cox ("Scream"-Reihe, "Crime Is King") sowie weiteren namhaften Stars ist "Bedtime Stories" mit einer Unmenge von Gastauftritten bekannter Schauspieler gespickt. Nur die genannten haben einen erwähnenswerten Auftritt, der aber nur dann zustande kommt, wenn es für die Handlung wirklich relevant ist. Somit kann keiner durch die jeweilige kleine Rolle wirklich beeindrucken.
Mit einer extremen Überblendung eines Partygirls stimmt sich Teresa Palmer ("December Boys") wohl schon für folgende Rollen ein. Ihr möglicherweise noch kommendes Talent kaschiert sie durch ihr Aussehen und dies gut und gewollt, was man auch am Plakat des kommenden Thrillers "Restraint" sehen kann.

"Bedtime Stories" ist eine kurzweilig unterhaltende Familienkomödie, die dank einiger interessanter Einfälle besonders ein jüngeres Publikum begeistern kann. Durch die allzu kindgerechte Präsentation finden Erwachsene aber nur in der ersten Hälfte den Bezug zur Komödie. Im weiteren Verlauf versperrt sich Disney, durch eine engstirnige Ansammlung von uninspirierten Gags, leider viele Möglichkeiten. Und auch die viel zu stiefmütterlich behandelten Figuren geben wenig Grund, sich den Film mehr als einmal anzusehen.

5 / 10

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