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Auch wenn es die meisten schon lange wissen: heutzutage laufen im TV unglaubliche gute Sachen.
"Lost" - eine Mysteryserie auf einer abgelegenen Insel ist z.B. so komplex, das die meisten Zuschauer über längere Zeit gar nicht mehr mitkommen; "24" bietet Action innerhalb eines Tages in fast deckungsgleicher Echtzeit über die titelgebenden 24 Ein-Stunden-Episoden; "Six Feet Under" hat das kollektive Mitheulen über das Schicksal einer Bestatterfamilie salonfähig gemacht und in Serien wie "Sex and the City" haben nicht nur Frauen die eine oder andere Anregung fürs Schlafzimmer gefunden, wenn man nicht lachend in der Sofaecke lag.
Da fragt man sich dann zurecht, wieso es im Kino immer noch bisweilen Stories gibt, die so platt, abgelutscht und seicht sind, daß sogar Rosamunde Pilcher ihnen verachtend auf den Kopf rotzen würde.

"New in Town" heißt das neueste Beispiel dieser kuriosen Auswüchse, die es bis auf Spielfilmlänge geschafft haben, die garantiert noch dagewesene Story von dem toughen Geschäftsfraubiest, das in die verschneite Provinz nach Minnesota zu einer Horde unzivilisierter, Countrymusik lauschender Provinzdeppen reist, um dort in der ansässigen Lebensmittelfirma mal kräftig auszufegen.
Was dann folgt, kann sogar mein zwölfjähriger Neffe im Schlaf aufsagen, von den ortsüblichen, durch kulturelle Differenzen entstehenden Peinlichkeiten bis zur zarten Liebesaffäre mit dem ach so (im doppelten Sinne) gemeinen Gewerkschaftsvertreter.

Diese geradezu menschenverachtend geistlose Stück an Unterhaltung hat sich doch tatsächlich ein Autorenduo ausgedacht, von dem sogar 50 Prozent (namentlich ein Herr namens C.J.Cox) sogar Erfahrung mit solchen Stories hat, denn er hat praktisch eine identische Geschichte schon einmal hervorgerülpst, damals hieß sie dann "Sweet Home Alabama". Dann hat man sich einen Exil-Dänen als Regisseur gegriffen, der absolut gar nichts in seinem CV hat, was seinen Einsatz rechtfertigen würde und der inszeniert diesen alten Käse dann auch wirklich so eckig und reizlos, wie es angesichts des Skriptes gar nicht mehr möglich war.

Am meisten verblüfft jedoch die Anwesenheit von Renee Zellweger, die wohl nur wegen vertraglicher Verpflichtung an dieser Aktion teilnimmt und weil man als Businesswoman so schön auf Schmolllippe machen kann, die sie (samt dicker Backen, die unser "director" Jonas Elmer auch ständig absolut unvorteilhaft ins Bild rückt) ja sowieso schon hat.

Wer tatsächlich einen Trailer dieses Zierats gesehen hat, wird seinen Augen nicht trauen, nicht nur daß man ALLE halbwegs ansehnlichen Szenen in selbigen gepackt hat, es sind auch reichlich Szenen drin, die gar nicht im Film vorkommen oder später beim Schnitt ganz anders verwendet wurden. Da war man sich wohl des Materials unsicher.

Wen es aber interessiert: im eisigen Minnesota laufen in "Neu-Ulm" jede Menge schräge Honks rum, die so lustige Namen wie "von Uuden" oder "Kopenhafer" tragen und seltsame Brauchtümer pflegen, während sie ihre körperlichen Entstellungen (Mundschiefstand, Schielen, dicke Bäuche, Countrymusik) pflegen. Das führt natürlich zu allerlei Fettnäpfchen, die so unglaublich harmlos und reizlos sind, daß meinen Schuhen dabei die Füße eingeschlafen sind (in einer besonders vorhersagbaren Szene schießt Zellwegen dem Sänger Harry Connick beim Pinkeln in den Arsch, nach viermaliger Ansage und ohne jeglichen Sinn für den Plot).

Natürlich verliebt sich Miss Eispickel in die kalte Schönheit der Tapiokapudding produzierenden Wüstenei und plötzlich lacht die Sonne aus allen Achselhöhlen und die Zeit (im Film) verfliegt so schnell, daß man als Zuschauer längst die Übersicht verloren hat, wie lange sie in der Schneewüste schon rumhockt. Nimmt man an, sie wäre drei Tage vor Ort, sind plötzlich Monate vergangen (was man anhand der hilfstätig eingefügten Feiertage erkennen kann).

Ganz ehrlich, das "New" in "Town" ist dann auch schon das Neueste an diesem so harm- wie zahnlosen Spaß aus der untersten Schublade der belanglosen Frauenunterhaltung, einem Film der kaum als Lückenbüßer auf der TV-Romanzenschiene taugt, weil seine beiden Hauptfiguren null Chemie entwickeln und alles so mechanisch vorgefertigt scheint, daß man von Herz und Seele nicht sprechen mag, ohne Gottes Zorn über diesen Wortfrevel zu erregen.
Man muß sich natürlich nicht wirklich darüber aufregen, blaß und beliebig taugt er vielleicht etwas an den gewissen Tagen mit einer Schachtel Toffifee (Amicelli wär zu erlesen dafür), aber im Kino - da hat diesen Konfektionsprodukt nun wirklich nichts verloren. (2/10)

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