Böse Zungen behaupten...
...das es hinter schönen Fassaden mindestens genauso schmutzig und verkommen zugeht wie anderswo auch und das der Schein nichts anderes versucht, als genau darüber hinweg zu täuschen.
Fassaden der verschiedensten Art (tatsächliche ebenso wie metaphorische) und was sich dahinter verbirgt - so könnte man das Thema des Films beschreiben. Die tragisch-dramatischen Ereignisse finden in einem sehr gepflegten idyllischen kleinen Vorort statt, von dem der vorurteilsbelastete Zuschauer nichts anderes erwartet als spießige Langeweile. Was macht man also in so einer Gegend, wenn man sich nicht langweilen will? Richtig, man steckt die Nase in Angelegenheiten, die einen nichts angehen und spioniert den lieben Mitmenschen hinterher. Erst recht natürlich, wenn es in letzter Zeit zu Verbrechen an jungen Mädchen gekommen ist. Das ist ja so spannend!
Also wird intrigiert, manipuliert und mit vermeintlichen Geheimnissen Neugierde erweckt, so dass immer mehr Figuren dieses dramatischen Thrillers in ein anderes, teils sehr dubioses Licht getaucht werden. Und siehe da, schon steckt der Zuschauer mitten drin in dem Vorstadttratsch. Ausgesprochen geschickt wird man selbst manipuliert, während man sich noch darüber ereifert, wie die Figuren auf die teils eher plumpe Manipulation ihrer Gegenüber hereinfallen. Das ist das Ergebnis einer wirklich sehr gelungenen Inszenierung, der man nur seinen Respekt zollen kann.
Die Schauspieler tun ihr übriges dazu, da sie allesamt ihre Rollen sehr effektiv verkörpern. Immer mal wieder wird eine kleine Andeutung fallen gelassen, eine Miene verzogen und dem Charakter so mehr Tiefe gegeben, ohne dass es direkt auffällt. Das Drehbuch unterstützt die Schauspieler sehr gut in der Rollengestaltung und die Kamera, die zwar eher unauffällig arbeitet, sorgt stets dafür, dass der Zuschauer auch nur ja alles mitbekommt und entsprechend interpretieren kann. Sobald er dann ein Urteil fällt, hat der Film gewonnen und macht mit dem Zuschauer, was er will - also vorsicht! Aber auch, wenn man etwas verhaltener oder gar völlig zurückhaltend auf das Geschehen reagiert, unterhält dieser Film mit seinen erzählten und auch mit den nicht erzählten Geschichten ungemein. Die Enttarnung der Fassaden und ihre (teilweise auch ausbleibenden) Folgen wird jeden in ihren Bann ziehen.
Die Doppelbödigkeit dieses Films hat mich sehr beeindruckt. Seine abgrundtiefe Bösartigkeit gekleidet in die erlesene und überaus elegante Bildästhetik. Ein Film über Wölfe in Schafspelzen, der geschickt mit Vorurteilen arbeitet, um deren Funktionsweisen effektiv aufzuzeigen und anzuprangern. Der Film ist selber ein Wolf im Schafspelz, der sich leise ins Unterbewußte des Zuschauers schleicht und dort noch lange Nahrung findet. In meinen Augen zusammen mit SAVAGE der bislang beste Beitrag der durch und durch gelungenen Störkanal-Reihe.
Kurzum: 8 wohlverdiente Punkte für diesen ungewöhnlichen Film, der mit subtilen Mitteln über die gesamte Laufzeit hinweg bestens unterhält. Man darf nur kein Actionspektakel erwarten.