Review

Tagebucheintrag: Gestern nach langer Zeit mal wieder an einem Takashi Miike-Film versucht. Wie üblich gescheitert. Was habe ich auch erwartet?

Ehrlich gesagt, ist das auch nicht zu verstehen, was dieser Mann in seiner ultimativen Produktivität da zusammenfilmt.
Ich bin ja gern bereit zuzugeben, daß sein wirrer Einfallsreichtum immer wieder für nicht zuvor gesehene Überraschungen sorgt, aber das müssen ja nicht immer positive sein.

Full Metal Yakuza jedenfalls ist so eine Art „Robocop“-Parodie, bei der feiger Yakuza-Anwärter mit seinem von ihm verehrten Boß zusammen erschossen wird, worauf dann ein durchgeknallter exhibitionistisch veranlagter Bastler aus beiden einen teilweise metallischen Kunstmenschen bastelt, der dann deftig Rache nimmt.
Die Mischung muß bei so was stimmen, aber das tut sie bei Miike ja eh nie. Albernes Verlierermelodram mischt sich mit Yakuza-Härte, Frankensteinkomik mit Jackie-Chan-Slapstick und nach der üblichen zärtlichen Irgendwie-Liebesgeschichte holt der Meister den Sack mit den Perversitäten raus. Alles zusammen ergibt ein wirres, unebenes Seherlebnis der besonderen Art.

Die Robo-Elemente sind dabei meistens grell überzeichnet, während Miike bemüht ist, die Love-Story so zärtlich zu inszenieren, daß der Film fast zu erstarren droht. Wahrlich aufregend wird’s meistens nur, wenn die Trickkiste mit dem Unerwarteten rausgeholt wird. Geradezu schmerzhaft ist eine Sexszene zu Beginn, die beweist, daß Loser eben auch im Bett Loser sein können, wenn sich unser Anti-Held so bizarr an seiner Nuttenfreundin abarbeitet, daß man befürchten muß, er schraubt sie versehentlich dabei auseinander. Beim Erfinder wird’s grell infantil, wenn der der Dödel vom Yakuzaboss eben auch die entsprechende Riesengröße hat (die deutsche Fassung zeigt das Teil verpixelt, prost!).

Ansonsten gibt’s eine wirre Mischung, die Asiafreunden ggf. gefallen könnte. Gegen Ende zeigt der Meister dann mal wieder sein wahres Gesicht und wer damals gesehen hat, wie eine Frau in einem Wasserbassin voll flüssigem Hundekot ersäuft worden ist, weiß, daß Miike nicht nur ein Problem mit Sexualität und Frauen haben muß, sondern offensichtlich ernsthaft in Behandlung gehört. Der arbeitet mit seinem Team nämlich seine sexuellen Neurosen auf der Leinwand ab, hier etwa hüllt er die gefangengenommene Freundin in Domina-Lederklamotten, kettet sie umständlich fest und läßt sie von den Yakuzabossen besprungen werden, bis sie sich in einem Anfall von ... (ja, von was eigentlich?) ...während des Aktes blutigst die Zunge abbeißt und daraufhin bald mit dem Grase dasselbe tut. Sorry, der Mann ist irgendwie krank, das beweist auch die letzte Einstellung des Erfinders, der für alle Zuschauer zum Abschied mal sein Ding schwingen läßt. Yuppheidi, das hatten wir gebraucht.

Fakt ist: einen Miike-Film erkennt man am Geruch, wenn der auch nicht besonders angenehm sein muß, das hier ist wie die berühmten „Dead or Alive“ oder „Fudoh“ ein ganz echter. Brauchen tut das aber trotzdem keiner, außer er will Tabugrenzen verletzt sehen. Nur hat man bei Miike immer das leise Gefühl, es wäre ihm bitterernst dabei. (3/10)

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