Review

Nazis und Zombies gehören ja zu jenen Übelwichten, die man im Genrekino ganz besonders unbeschwert wegblasen kann, ergo sind Nazi-Zombies perfektes Kanonenfutter, immer wieder gern gesehen, auch im norwegischen „Dead Snow“.
Nachdem ein einsames Mädel bereits in der Auftaktszene von den untoten Saubrüdern weggeschnappt wird, darf man die Horde farbloser Medizinstudenten begutachten, die nun als potentielle Helden und potentielle Metzelmasse in die bergige Einöde verfrachtet werden. Die Autos muss man aufgrund der Landschaft weit von der Almhütte stehen lassen, schnell fliehen ist also nicht, doch leider sind die Blassbacken, die hier Freizeitspaß wollen, dem Zuschauer kreuzegal und das ist sicher nicht der beste Ausgangspunkt für einen wirklich spannenden Film.
Einen Unheilspropheten braucht es in einem waschechten Genrefilm natürlich auch und so hat die medizinstudierte Party-Crew alsbald einen Wandersmann vor der Tür stehen, der von einer Gold hortenden Nazi-Einheit erzählt, die hier mal stationiert war. Die waren der Zvilbevölkerung spinnefeind, wurden in die Berge getrieben, starben und sind angeblich immer noch am Rumspuken. Der Zuschauer hat leider bisher noch wenig davon gesehen und darf den Studis nun beim Feiern zusehen, was leider nicht allzu aufregend ist. Findet auch der Wanderer, kratzt die Kurve und wird beim Campen im Schnee zum Opfer der Nazi-Zombies.

Als die Party-Crew in der Hütte einen Schatz findet, ist klar: Der gehört den untoten Nazis. Deren inneres Radar ortet das freigelegte Gold auch prompt und bald können diverse Protagonisten nicht nur ihre Träume vom abgeschlossenen Medizinstudium begraben…
Splatterkomödien gelten anscheinend als Selbstläufer, werden sie doch häufig mit den immergleichen Zutaten im Schnellverfahren angerührt, Hauptsache genug Gore und Geschmadder, dann klappt das auch mit dem Publikum. „Dead Snow“ ist kein Ausfall in der Richtung, jedoch bei weitem nicht so originell wie er gerne wäre. Casting-technisch reißt der Film von Tommy Wirkola, der kurzzeitig auch mal ins Zombie-Make-Up schlüpft, jedenfalls keine Bäume aus, die Schauspieler sind genau so blass wie die grob zusammengeschriebenen Figuren, die sie spielen.
Zu einem Instant-Kultfilm des Splattergenres gehören neben der obligatorischen Schrotflinte und der obligatorischen Kettensäge (check zu beidem) auch die Filmzitate: Hier unter anderem ein „Braindead“-Shirt, der Übervater des Splatterfilms will schließlich gewürdigt werden, ansonsten noch Referenzen gen „Evil Dead“ (natürlich), „Freitag, der 13te“, „Terminator“ und dergleichen. Das ist nicht wahnsinnig originell, lässt aber die Filmfans mit Freude an der Arbeit erkennen, die hinter der Kamera zu Werke waren, für welche die erste Hälfte des Films die Pflicht und die zweite die Kür war.

Dieses Arbeitsethos merkt man „Dead Snow“ durchaus an, denn zu Beginn ist mit der ganzen Feierei, Baggerei und Vorbereiterei, ähh, Vorbereitung des großen Massakers nicht viel los. Tatsächlich kitzelt Wirkola die eine oder andere brauchbare Spannungsszene, etwa beim Tod im Zelt, aus dem Stoff heraus, insgesamt wird aber schnell klar, dass man doch eher konventionell aufs Gesplattere hinarbeitet.
Wenn es dann aber an die Buletten geht, dann lassen Wirkola und Co. allerdings freudig die Kuh fliegen: Mit einem großen Waffenarsenal (teils in der Hütte befindlich, teils aus dem Fundus der Nazi-Zombies) werden hier üble Kreaturen abgeknallt, zersägt, durchbohrt und was weiß ich nicht alles, ein paar Menschlein geht es nicht und dank hochwertiger Effektarbeit, gerade mit Blick auf das Budget, macht das auch richtig Freude. Da will man gar nicht als Spielverderber gelten und darauf hinweisen, dass die Zombies erst superbedrohlich sind, danach im Dutzendpack niedergeballert werden, dass die Hauptfiguren sind nicht sonderlich intelligent anstellen, dass der Schlussgag absehbar ist. Denn als Partyfilm in größerer Runde liefert „Dead Snow“ dann auch die richtige Portion kruden Spaßes und das auch angenehm beschwingt.

Bleibt unterm Strich festzustellen, dass dies nicht der neueste Geheimtipp oder der nächste Kandidat für den Splatterfilmolymp ist, denn hier wird nach bekannter Formel das klassische Splatter-ABC runtergekocht, einsame Hütte, Schrotflinte und Kettensäge inklusive, erst mit etwas wenig Elan, in Hälfte zwei dafür mit richtig Schmackes. Für den geselligen Filmabend ohne allzu große (Drehbuch-)Ansprüche definitiv geeignet.

Details
Ähnliche Filme