Der Trailer versprach einen actiongeladenen Kracher mit einer interessanten Story und guten Schauspielern. Leider kann der Film keines der drei Gebiete ausreizen und landet in jedem Fall eher im schnell wieder vergessenen Mittelfeld der Actionszene.
Nach der Darstellung des Leonidas in 300 ist die Messlatte für Gerard Butler natürlich in Sachen Actionfilmen stark nach oben gesetzt worden. Nach RocknRolla bekommt diese lobende Woge allerdings auch mit Gamer einen Dämpfer, da er weder in den Actionszenen gut rüberkommt, noch seine "weinerliche" Mimik in den Storysegmenten des Filmes überzeugen können. Es wirkt, als könne er sich nicht entscheiden, ob er ein harter, knastgestählter Krieger oder ein sentimentaler Familienmensch sein will. Im Gegensatz zu Butler kann Michael C. Hall seine Erfolgssträhne als Bösewicht Castle fortsetzen. Seine überspitzte Darstellung eines möchtegern-intelligenten, Medienmoguls wirkt wunderbar auf die Zuschauer und wird vorallem dadurch verstärkt, dass man immer einen sarkastischen Serienkiller im Hinterkopf hat^^.
Seine Stärken spielt Gamer sicherlich in der Technik und der Darstellung der "Virtual" Realities aus. Ob es die Explosionen von Autos und Granaten, die umherfliegenden Körperteile oder die HUD-Interfaces des Gamers selbst sind, alles wirkt technisch sehr ausgereift und vorallem nicht überanimiert. Wahres Prunkstück ist sicherlich die farbliche Vielfalt der "Society", dem ersten Spiel des Bösewichts. Hier kann man Gamer schon fast mit einer skurrilen Welt ala Uhrwerk Orange vergleichen. Total überzogene, schrille Klamotten, nackte Körper und eine ganze Menge Humor/Kritik an der Spielergesellschaft machen den Film trotz der schwächen in Handlung und Spannung zu einer kleinen Perle der Actionfilme. Allein wegen dieser Szenen sollte man Gamer einmal gesehen haben.
Die schon erwähnte schwache Story ist allerdings der herbste Knackpunkt im Film. Zwar ist die Idee recht intelligent, aber nicht wirklich neu (vergleicht man die Geschichte zum Beispiel mit Running Man, so wird es schon schwerer Innovationen zu finden), die Handlung bietet keine unvorhersehbaren Twists und generell wirkt alles sehr starr an einer Kette aufgereiht. Eigentlich sollte man sich als Zuschauer wünschen, wissen zu wollen, was als nächstes passiert oder wie sich der Film weiterentwickeln. Bei Gamer ist es dem Zuschauer aber häufig egal, was nun passiert, denn weder ist der Protagonist mit Sympathien belegt, noch der Bösewicht "böse" genug. Und genau diese Gleichgültigkeit bricht jedem Film sein Rückgrat. Denn ein Ziel sollte jeder Film im Auge behalten: Den Zuschauer zu amüsieren und das schafft Gamer leider in keiner Weise.
Dank der sehr ausgefallenen kraftvollen Designs der "Cyberwelt" rettet sich Gamer noch einen Platz im Metier der Durchschnittsactioner. Schwacher Hauptdarsteller, unabwechslungsreiche Geschichte und eine absolute Abstinenz von Sympathie der Charaktere und einem Interesse der Handlung lassen dem Film (auch oder gerade für Gamer) aber in die Tiefen der Vergessenheit geraten. Für Actionfans, die auch gerne einen Effekthäscherfilm sehen, noch zu gebrauchen.
Fazit: 4/10