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Die Debatte um Killerspiele geht in eine neue Runde und auch wenn die virtuelle Realität in dieser Form noch als Zukunftsmusik dargestellt wird, dürften Moralapostel und einige selbsternannte Medienspezialisten bei der Darstellung interaktiver Gewalt auf die Barrikaden gehen.
Beim genaueren Hinsehen besteht hierfür jedoch kein Anlass, denn das Gespann Neveldine/Taylor, welches den beiden Teilen von „Crank“ ihre Handschrift aufdrückte, will wie immer nur mit knallbunter Action unterhalten, - leider geht das Konzept in diesem Fall nicht ganz auf.

In naher Zukunft hat die virtuelle Realität die Medienlandschaft voll im Griff. Mogul Ken Castle (Michael C. Hall) bringt nach „Society“, eine Variante von Second Life in interaktiver Gestalt, mit „Slayers“ eine Art der letzten Chance für Hochkriminelle. Kable (Gerard Butler), dem ein Mord angelastet wird, ist zum weltweiten Star unter den Kämpfern aufgestiegen, doch er kämpft, um einen Fluchtweg aus dieser Welt zu finden und um Frau und Tochter wieder zu sehen…

Bereits mit den ersten Action Einlagen schimmert der typische Inszenierungsstil der Macher durch, wobei man mit der unruhigen Kamera und den hektischen Schnitten nicht wirklich zufrieden sein kann. Denn bei „Crank“ ist die Welt herrlich bunt und die Schauplätze abwechslungsreich, während sich Butler hier zunächst durch eine graue Landschaft ballert und überhaupt keine Feinde personifiziert werden. Lange Zeit erscheint das Treiben seelenlos, zumal man mit dem Helden erst spät warm wird, wenn überhaupt.
Es geht also um Nano-Technologie in Form eines intelligenten Chips im Hirn der Spieler, um eine Verschwörung, eine Gegenallianz und das Ausbrechen aus jener virtuellen Welt mithilfe eines jungen Gamers und einigen Aktivisten.
Nicht, dass es an Tempo mangeln würde, doch eine Stringenz ist lange Zeit nur schwer auszumachen und man ist bis zur Mitte nur halbherzig bei der Sache.

Daran ändert auch die Einbindung von „Society“ kaum etwas, obgleich hier die Perversion der interaktiven Welt treffend auf den Punkt gebracht wird, da niemand anders als ein sabbernder Fettleibiger eine knackige Trulla steuert, die zugleich die vermisste Frau des Helden darstellt.
Auch kleine Gimmicks wie das Auftauchen virtueller Bekanntschaften, oder ein böser Kämpfer, der augenscheinlich so etwas wie einen Kehlenschnitt überlebte, bringen immerhin ein wenig Abwechslung ins Geschehen, welches erst Interesse auf sich ziehen kann, als Kable eine Sperrzone erreicht und die Leute des dubiosen Castle hinter ihm her sind.

Das Problem im Vergleich zu „Crank“ ist, dass dieser Stoff dringend einen roten Faden und ein festes Fundament mit gut gezeichneten Charakteren benötigt hätte, um zu funktionieren.
Stattdessen macht die Action mit brennenden Autos, halbwegs blutigen Einschüssen und ordentlich choreographierten Fights nur mäßig Spaß, da man vergeblich nach Auflockerungen sucht und die Erzählung als solche keine Überraschungen parat hält.
Man muss ja nicht gleich zynische Medienkritik einflechten, aber das eine oder andere Augenzwinkern hätte dem ansonsten eher ermüdenden Stoff sicher gut getan.
Wie so oft: Einer für Zwischendurch, aber komplett ohne Nährwert.
5,5 von 10

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