Ein Software-Tycoon, gespielt von Michael C. Hall, hat ein spezielles Kontrollsystem entwickelt, mit dem die spielenden Gamer die Kontrolle über reale Personen haben, die wiederum für ihre Einsätze als Avatar bezahlt werden. Im speziellen Fall, dem Ego-Shooter-Spiel Slayer, werden zum Tode verurteilte Strafgefangene eingesetzt, denen die Entlassung aus dem Gefängnis winkt, wenn sie dreißig Runden lebendig überstehen. Einer dieser Gefangenen, gespielt von Gerard Butler, steht kurz vor seiner Entlassung, wonach er seine Familie aus den Händen des herzlosen Software-Giganten befreien will.
Nun hatten Mark Neveldine und Brian Taylor mit "Crank" durchaus kommerziellen Erfolg und einen guten, weil innovativen und einzigartigen Film entwickelt, woraufhin sie den klar überstilisierten "Crank 2" inszenierten. Mit "Gamer", dessen inszenatorisches Grundkonzept den ersten beiden Filmen seiner Macher weitestgehend entspricht, treten die Regisseure und Autoren nun einen eindrucksvollen Beweis dafür an, dass "Crank" ein einmaliger Glückstreffer war und dass sich ihr Einfallsreichtum mit ihrem Erstlingswerk bereits erschöpft zu haben scheint.
Und im Grunde weiß man gar nicht so recht, wo man jetzt mit dem Mäkeln beginnen soll, da sich zahlreiche Aspekte anbieten; als schwerwiegendsten Fehler möchte ich jedoch zunächst einmal die Story genannt wissen. Denn diese ist im Grunde eine Frechheit. Neveldine und Taylor haben eine scheinbar viel versprechende Grundidee aus diversen Cyber-Filmen zusammengeklaut und anschließend versucht eine Rahmenhandlung zu konzipieren, doch ein echter Plot ist zu keinem Zeitpunkt erkennbar. Hölzern und inspirationslos versuchen die beiden irgendwie die Zeit zwischen den Action-Sequenzen zu überbrücken, liefern dabei jedoch nichts als belanglose Aufnahmen der schrillen Zukunftsutopie und dämliche Dialoge. Die logischen Brüche sind dabei gleichermaßen ärgerlich wie vermeidbar, vom Umstand ganz zu schweigen, dass immer wieder Nebenfiguren eingestreut und Nebenschauplätze eröffnet werden, die dann einfach nicht weitergedacht werden, man denke beispielsweise an die Untergrundorganisation "Humanz". Ein derart undurchdachtes Skript hat man schon lang nicht mehr gesehen, zumal das unbeholfene Plädoyer für die Menschlichkeit in einer zunehmend digitalisierten Welt nichts anderes als oberflächlichen Alibi-Charakter hat.
Die Inszenierung der Action-Sequenzen, die im Grunde nichts als eine einfallslose Realverfilmung eines beliebigen Ego-Shooters sind, ist dabei noch rasanter als bei "Crank" und dessen Sequel ausgefallen. Zu rasant. Selten erkennt man, wer gerade auf wen schießt, man verliert sich im Kugel- und Granatenhagel, ohne, dass in irgendeiner Form so etwas wie Spannung zustande kommt, während man punktuell mal sieht, wie diverse Körperteile von verschiedenen Geschossen förmliche zerrissen werden. Hier und da lässt sich nicht abstreiten, dass zumindest gepflegte Langeweile geboten wird, aber gutes Actionkino sieht einfach anders aus.
Leider kann man auch nicht behaupten, dass die restliche Umsetzung des Films besser aussehen würde. So ist die obskure Welt, die hier rund um die Gamer und deren lebendige Avatare konstruiert wurde vor allem eines: Schrill, knallbunt und nervig. Die Bilder merkwürdiger Menschen in schrillen Klamotten, diverser bunter Lichtreflexe und natürlich der überhasteten Action-Sequenzen gestalten "Gamer" auf Dauer regelrecht zermürbend. Hinzu kommt noch der unaufhörliche Krach im Hintergrund, der auf Dauer ebenfalls einfach nervt, auch wenn der Soundtrack durchaus stilsicher gewählt ist.
Und irgendwo mittendrin stolpert Gerard Butler vollkommen hölzern durch den Film, hat weder Präsenz noch Charisma und macht damit als Hauptfigur und Held des Werks sehr wenig her. Überhaupt beschleicht einen bei Butler zunehmend der Eindruck, dass er seit "300" in vielen seiner Filme lustlos und unmotiviert wirkt. Etwas besser ist da noch Michael C. Hall als Software-Milliardär, während der restliche Cast kaum zur Geltung kommt.
Fazit:
Neveldine und Taylor versagen auf ganzer Linie. Sie haben ein miserables Drehbuch ohne echten Plot verfasst, das dutzende Brüche, Fehler und keinen roten Faden aufweist, sie haben die Action-Sequenzen derart hastig in Szene gesetzt, dass man kaum erkennt, wo oben und unten ist, sie haben einen nervigen Rausch aus knallbunten, befremdlichen und schrillen Bildern kreiert, der wiederum mit dröhnendem Krach unterlegt ist und damit den Beweis angetreten, dass "Crank" doch nur ein einmaliges Zufallsprodukt war.
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