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Ein Mord an einem Schwarzen und der vermeintliche Freitod einer politischen Beraterin führen den Reporter Cal (Russell Crowe) auf die Spur eines gefährlichen Komplotts - es geht um Milliardengeschäfte in der amerikanischen Rüstungsindustrie und Männer, die über Leichen gehen, um dieses Geld einzusacken. Zusammen mit seiner jungen Kollegin versucht Cal, die Hintermänner bloßzustellen.

Mit ruhiger Kamera, dafür treibender Spannungsmusik und einem Händchen für effektvoll inszenierte Wendungen erzählt Regisseur Kevin Macdonald die Geschichte einer Politintrige, die bis in die höchsten Kreise reicht. Die Inszenierung seines Journalisten-Thrillers lehnt sich dabei immer wieder an den Watergate-Klassiker "Die Unbestechlichen" an: Wenn die Reporter von ihren Schreibtischen aus Anrufe erledigen oder sich in dunklen Gassen mit zwielichtigen Informanten treffen, hat man als erfahrener Zuschauer wiederholt Robert Redford und Dustin Hoffman vor Augen. Dabei hat es "State of Play" allerdings auf eine andere Ebene der Spannung abgesehen: Wenn bei Redford und Hoffman noch die akribische Darstellung investigativen Journalismus' für schweißtreibende Spannung sorgte, sind es hier immer wieder verblüffende Wendungen und knappe Fluchten vor geheimnisvollen Killern. Dadurch bleibt "State of Play" dem Sujet des klassischen Thrillers näher behaftet, kann in seinen besten Momenten aber durchaus die Intensität von 70er-Jahre-Paranoia-Thrillern erreichen. Eine Mischung, die auf jeden Fall für Spannung sorgt, auch wenn sie knallharten Genre-Fans vielleicht nicht realistisch genug ist.

Unabhängig von der Inszenierung wirkt die Story allerdings recht glaubwürdig - der moderne Krieg als kapitalistisches Mittel zur Einkommenserweiterung ranghoher Politiker und Konzernbosse, das ist in Zeiten des ebenso fragwürdigen wie undurchsichtigen Irakkrieges gut vorstellbar. Getragen wird diese Verschwörungsstory von starken Darstellern: Neben Crowe glänzt Ben Affleck als Politiker, der in die Mühlen der Sensationspresse und eiskalter Geschäftsleute gerät, und Helen Mirren ist als harte, aber gerechte Redaktionschefin ein schauspielerischer Genuss. In Verbindung mit hintergründiger Spannungsmusik wirken die messerscharfen Dialoge der Figuren mitunter packender als die Handvoll üblicher Actionszenen. Auch diesen Dialogen ist es zu verdanken, dass der Film bis zum Schluss seine Geheimnisse nicht preisgibt und im politisch und persönlich tragischen Finale sogar zu erkennen gibt, wie sehr der Zuschauer hier von allen Beteiligten an der Nase herum geführt wurde.

Auch wenn "State of Play" mal wieder nur ein Hollywood-Remake ist (in diesem Falle das einer britischen Mini-Serie), unterhält er dank seines starken Drehbuchs und guter Darsteller bestens und kann kleinen Logikfehlern zum Trotz bis zum Schluss für überzeugende - und durchaus zum Nachdenken anregende - Spannung sorgen. Ein guter Thriller in der besten Tradition politisch kritischer Verschwörungsklassiker.

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