Review
von Leimbacher-Mario
Der Karate-Schlitzer
Wenn der geneigte Filmfan an Abel Ferrara denkt, fällt ihm „Fear City“ eher spät ein. Wenn überhaupt. Dabei ist dieses Frühwerk des berüchtigten NY-Regisseurs als coole, sehr sleazige Mischung aus „Taxi Driver“ und „Showgirls“ und einem messerscharfen Slasher auf jeden Fall eine Wiederentdeckung wert. Erst recht, wenn man (wie ich) schon an vielen seiner späteren Filme einen Narren gefressen hat. „Fear City“ könnte fast als Parodie durchgehen, derart 80er ist er. Voller Neon und Schulterpolster, voller Oberflächlichkeit und Show, voller Busen und Schmutz. Der Big Apple war selten versiffter und gleichzeitig anziehender. Erzählt wird von einem Martial Arts-Killer (!), der seine Kampfkunstskills dazu nutzt, Stripperinnen aufzulauern und diese brutal zu verletzen und zu massakrieren. Richtig gehört - „Maniac“ meets „American Ninja“. Wahnsinnskombi! Und das gefällt dem badassigen Nachtclubbesitzer und traumatisierten Ex-Boxer (!) natürlich gar nicht, sodass eine Seitengassen-Konfrontation der Fäuste und Kampfstile unumgänglich ist...
„Fear City“ ist ein Knaller! Ich kann es nicht anders sagen. Sicher nicht perfekt - so bleiben die Figuren äußerst zaghaft charakterisiert, der Stil-, Stimmungs- und Themenmix kann gewöhnungsbedürftig wirken - aber verdammt verdaulich. Besonders für Typen wie mich, die auf diesen neongetränkten, heutzutage oft kopierten Stil stehen. Eine blutjunge Melanie Griffith quasi mit Textilallergie - check! Irre, wirre Trainingsmontage - check! Ein Tom Berenger kurz vor'm Durchbruch - check! Lando Calrissian als abgefuckter Kommissar - check! Mieseste Methoden des sadistischen Killers mit seinem kleinen Knive - check! New York zwischen Discos und Pissecken - check! Synthie-Rock-Soundtrack - check! „Fear City“ schwankt zwischen TV-Niveau und Kultfilm, trifft einen Nerv, das kann ich nicht verleugnen. Selbst wenn ich schon gerne gewusst hätte, warum dieser kickende Psychopath derart verkorkst seinem „Plan zur Verängstigung einer ganzen Stadt“ nachgeht...
Fazit: stylisch, dreckig, lässig - „Fear City“ ist 80er, New York, Ferrara pur. Irgendwo zwischen „Miami Vice“ und dem Bohrmaschinenkiller. Eine geheime Perle, ein Grabbeltischwunder, eine verschwommene Schmuddelkinoerinnerung. Raus mit dir aus der Versenkung!