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Carey Mulligan spielt eine 17jährige, die ihr gesamtes Leben dem Traum eines Studiums in Oxford nacheifert, zumal sie von ihrem Vater, gespielt von Alfred Molina, dazu gedrängt wird. Als sie dann jedoch an einen wesentlich älteren Verehrer, gespielt von Pater Sarsgaard, gerät, der ihr eine Welt jenseits des Arbeitermilieus zeigt, sie zu Musikveranstaltungen, ja sogar nach Oxford und Paris mitnimmt, ändert sich ihre Leben schlagartig. Als der geheimnisvolle Lebemann ihr schließlich einen Heiratsantrag macht, muss sie sich zwischen ihm und ihrem Studium entscheiden.

Bekanntermaßen hat man sich entschieden, dieses Jahr zehn Filme für den Oscar in der Sparte "Bester Film" zu nominieren, um auch größere Blockbuster wie "Avatar", "District 9" oder "Oben" mit einer Nominierung würdigen zu können. Neben den typischen Oscar-Filmen wie "Up in the Air", "Tödliches Kommando" oder "Inglorious Basterds" findet sich durch die Erweiterung aber auch das britische Independent-Drama "An Education" in der Liste und dies auch zu Recht.

So weiß die Story durchaus zu überzeugen. Die Protagonistin wird zunächst konstruiert, genauso, wie die einfachen Verhältnisse aus der sie stammt und ihr Vater, der ihr eine finanziell gut gestellte Zukunft ermöglichen will und sie daher in der Schule immer weiter antreibt, damit sie in Oxford aufgenommen wird. Doch dann kommt endlich Abwechslung in ihr eintöniges, etwas tristes Leben, als sie den wesentlich älteren Mann kennen lernt, der sie in eine abgehobene Welt entführt, in der sie französische Musik hören kann, die ihr sehr gefällt, in der sie mit Theater, Malerei, Kultur konfrontiert wird, was ihr bisher verwehrt blieb. Kurz um: Aus ihrem recht kleinbürgerlichen Leben taucht sie in eine Welt jenseits der meisten Grenzen ein.

Und mit dem unaufgeregten, langsamen Erzählstil von Regisseurin Lone Scherfig weiß das Loblied auf Freigeistigkeit zunächst auch zu überzeugen, während auch die charmant präsentierte Romanze durchaus zu unterhalten weiß, obwohl sie aufgrund des Altersunterschieds der beiden Hauptfiguren vielleicht ein wenig befremdlich wirken mag, was wiederum durch die guten Darsteller kompensiert wird. Dabei verdient auch die audiovisuelle Inszenierung durchaus Anerkennung. Angefangen bei der sehenswerten Ausstattung, die sehr stilvoll gewählt ist und die 60er Jahre durchaus authentisch wiederaufleben lässt, bis hin zu der ebenso stimmig gewählten Musik, die ebenfalls stilgetreu ist, ist "An Education" handwerklich gut gelungen.

Da punktuell auch ein paar amüsante Stellen eingestreut werden, die der recht ernsten Thematik dabei jedoch nicht im Geringsten schaden, das Geschehen viel mehr ein wenig auflockern und den gesamten Film etwas sympathischer wirken lassen, ist auch für den notwendigen Kurzweil gesorgt. Unterhaltsam ist der Film, ein paar kleinere Längen einmal ausgenommen, auch über weite Strecken, zumal Scherfig dramaturgisch eine gewisse Stringenz an den Tag legt und die Spannung zum Ende hin immer weiter erhöht, wobei sich auch im Mittelteil durchaus dramaturgische Spitzen finden. Dabei driftet man vielleicht ein wenig zu sehr ins Märchenhafte ab, was den charmanten, sympathischen Grundeindruck jedoch kaum trübt.

Die Liebesgeschichte mündet schließlich in ihr etwas ernüchterndes Ende, das sich im Grunde schon ein wenig angedeutet hatte und die Protagonistin wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Zwar folgt dabei durchaus der moralische Appell, die Schullaufbahn, das Leben nicht für einen kurzen Traum, eine wage Möglichkeit über den Haufen zu werfen, aber die Erfahrungen, die die Hauptfigur gemacht hat, werden keinesfalls als vertane Zeit abgeharkt, vielmehr werden sie als ein Teil des Reifeprozesses dargestellt, als wichtige Erfahrung und damit ist das Ende letztlich absolut konsequent und hinterlässt keinesfalls einen faden Beigeschmack.

Getragen wird das langsam und ruhig erzählte Drama besonders durch Carey Mulligan, die hier eine überragende Leistung abliefert und dank ihrer Oscar-Nominierung wohl auch in Hollywood in naher Zukunft die eine oder andere Rolle übernehmen wird. In den Liebesszenen zeigt sie die kindliche Naivität und Nervosität ihrer Figur offen auf, während sie den Film mit ihrer sympathischen, regelrecht entzückenden Art fast im Alleingang trägt und den Reifeprozess ihrer Figur, die zunehmend eine gewisse Sicherheit gewinnt, dabei gelungen auf die Leinwand bringt. Daneben ist aber auch Peter Sarsgaard voll überzeugend, passt mit seinem netten Lächeln und seiner freundlichen, menschlichen Art perfekt in seine Rolle, wobei er gut mit seiner Kollegin harmoniert, behält aber immer eine geheimnisvolle, undurchsichtige Facette an seiner Figur aufrecht, die den Zuschauer im Ungewissen über deren Absichten lässt, wovon der Film ebenfalls zehrt. Wäre noch zu erwähnen, dass Alfred Molina als Vater der 17jährigen ebenfalls eine makellose Leistung zeigt und dass auch die übrigen Darsteller, zu denen unter Anderem Olivia Williams und Emma Thompson gehören, durchaus zu überzeugen wissen.

Fazit:
"An Education" ist eine einfühlsame Liebesgeschichte, eine Huldigung an das freigeistliche Leben, ein authentisches Zeitportrait und ein gelungenes Jugenddrama, das gut und stringent konstruiert ist und in einem dramatischen Finale gipfelt. Inszenatorisch wie darstellerisch überzeugend, ist das britische Independent-Drama das Ansehen damit auf jeden Fall wert, auch wenn kleinere Längen durchaus vorhanden sind.

80%

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