Review

Schon wieder so ein Hundefilm könnte man denken. Doch seit Hachiko, meiner Meinung nach der beste aller Hundefilme, weiß ich, dass man solche Filme durchaus mit einer ernstzunehmenden Story ausstatten kann. Allerdings hat mich der Trailer zu "Marley & Ich" schon ein wenig ernüchtert, da das Ganze dann schon eher wie eine typische 08/15 Hundekomödie aussah. Doch auch hier wurde ich wieder überrascht, auch wenn ich gleich zu Beginn klar stellen muss, dass dieser Film nicht mal ansatzweise an "Hachiko" heran kommt. Der Film hat viele Schwachstellen und geht zudem viel zu lang und ist gespickt mit langweiligen Dialogen und einer relativ ereignislosen Story. Zumindest in der ersten Stunde. Dann geht in diesem Film, in einer bestimmten Art und Weise, die Post ab und wir bekommen eine herzzerreißende Geschichte aufgetischt, die jeden Hundeliebhaber erfreuen dürfte. Ja, bei diesem Film lohnt es sich wirklich dran zu bleiben, denn man wird nach langweiligen Minuten wirklich mehr als reichlich belohnt.

John und Jenny sind frisch verheiratet und planen bereits ihre glorreiche Zukunft. Beide sind im Journalismus tätig und stehen mit beiden Beiden voll im Leben. Es dauert nicht lange, da ziehen Beide in ihr erstes gemeinsames Haus und fühlen sich pudelwohl. Eines Tages hat John eine Überraschung für Jenny und führt sie auf eine Hundefarm, wo sie sich einen kleinen Labrador angeln, der ihr Herz in Windeseile erobert hat. Er wird auf den Namen Marley getauft und von da an beginnt ein wundervolles Familienleben, in dem Marley der Begleiter für eine lange Zeit wird. Allerdings ist Marley ein richtiger Wirbelwind und richtet gerne Chaos in der Umgebung an. Doch das Ehepaar kommt mit jeder noch so schweren Aufgabe klar, bis zu dem Zeitpunkt als das erste Kind unterwegs ist.

Mehr gibt es eigentlich nicht über den Inhalt zu berichten, denn wirklich viel passiert die meiste Zeit hier nicht. Wir bekommen schlicht und ergreifend ein ganz normales Ehepaar zu sehen, mit Hund, die mit den ganz normalen Problemen im Alltag und Beruf zu kämpfen haben. Im Laufe des Films wird die Familie immer größer und die Location wird des öfteren gewechselt. Es ist in der Anfangsphase ziemlich anstrengend sich auf den Film einzulassen, da einfach zu wenig passiert. Hier gibt es keine dramatischen Streitsituationen, die für einen Liebesfilm ja typisch sind. Alles ist hier über weite Strecken fast permanent harmonisch, leider schon zu harmonisch. Klar soll das Ganze realistisch wirken, aber bei "Marley & Ich" hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass sich Regisseur David Frankel nicht entscheiden konnte, in welches Genre er die ganze Geschichte lenken soll. Für eine Komödie passieren zu wenig witzige Sachen, es gibt hier keine Pointen wie in "Scott & Huutsch" oder "Beethoven". Für ein Drama ist hier aber zum größten Teil auch zu wenig dabei, denn alles ist hier viel zu normal gehalten. Ok, es ist ganz interessant gemacht, dass das Berufsleben sich auf den Alltag von John auswirkt, doch gerade in dem Gebiet hätte man viel mehr emotionale Momente einbringen können. Das hier ist schließlich immer noch ein Film und keine Dokumentation. Manchmal ist es einfach besser, wenn man diverse Klischee-Szenen mit einbringt, zumindest wenn man eine Hundekomödie dreht. Doch das alles trifft wirklich nur auf der erste Stunde zu. Dann wird das Ganze in eine unglaublich gute Richtung gelenkt, in der sich Hundeliebhaber sicherlich an ihr eigenes Leben erinnern werden. Wenn der Film eine Sache richtig macht dann die, dass er das Leben mit einem Hund von Vorne bis Hinten konsequent realistisch durchzieht, komplett ohne Klischees und ohne jemals unglaubwürdig zu wirken.

Owen Wilson und Jennifer Aniston sind hier die Hauptakteure und machen für ihre Verhältnisse einen relativ guten Job. Ich kann mit beiden Schauspielern eigentlich nichts anfangen, aber ich halte sie jetzt auch nicht für eine komplette Fehlbesetzung. Allerdings sind ihre Rollen auch nicht sonderlich herausfordernd und praktisch jeder halbwegs bekannte Schauspieler hätte in so einer Rolle überzeugend spielen können. Aber sie machen aus dem, was ihnen vorgesetzt wird das Beste draus und vor allem Jennifer Aniston macht in den dramatischen Momenten eine verhältnismäßig gute Figur, was man von Owen Wilson nicht behaupten kann, da er einfach die ganze Zeit zu lässig agiert und in den traurigen Momenten (wie z.B. bei der ersten Fehlgeburt) zu verkrampft wirkt. Ein besonderer Leckerbissen ist hier aber Alan Arkin als griesgrämiger Chef mit weichem Herz. Er macht hier einen wunderbaren Job und überzeugt bei jedem noch so kurzem Auftreten. Der Star des Films ist natürlich der Hund, obwohl der kuschelige Vierbeiner hier lange nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie zum Beispiel der Bernhardiner in "Beethoven". Auch sämtliche Kinderdarsteller, besonders der älteste Sohn, machen für ihr Alter einen tadellosen Job und sorgen auch in dem ein oder anderen Moment für feuchte Augen.

"Marley & Ich" ist sicherlich kein Film den man gesehen haben muss. Aber die letzten 40 bis 50 Minuten haben mich unglaublich berührt und sogar fast so sehr zum Weinen gebracht wie einst "Hachiko". Doch leider ist da noch die erste Stunde, in der viel zu viel Leerlauf herrscht, weshalb ich diesen Film eher einer ganzen Familie empfehle, die sich nicht sonderlich auf die Story konzentrieren muss. Natürlich dürfen sich auch Hundeliebhaber diesen Film nicht entgehen lassen, denn er ist nach "Hachiko" und "Scott & Huutsch" der beste seiner Art, trotz der kleinen Macken.


Fazit : Das ganz normale Leben mit einem Hund. Viele große Ereignisse gibt es hier jetzt nicht. Trotzdem hat mir der Film im Nachhinein sehr gut gefallen, denn er ist ein perfekter Familienfilm, der einige Taschentücher kosten könnte.


7/10

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