Review

ACHTUNG!  SPOILER!
 

EL PLANETA DE LAS MUJERES INVASORAS ist ein Fantasy-Film aus der Blütezeit des mexikanischen Genre-Kinos (nicht zu verwechseln mit der sogenannten „"Epoca de Oro" (1936-1959), dem „goldenen Zeitalter“ des mexikanischen Films). Die Klassifizierung als Science-Fiction wäre für dieses etwas alberne Filmchen im Übrigen wohl ein wenig zu hoch gegriffen, obwohl UFOs und Außerirdische eine zentrale Rolle spielen. Die Fortsetzung des im gleichen Jahr uraufgeführten „"Gigantes Planetarios"“ ist ein sympathisches, sorgfältig inszeniertes Märchen, in dem gute und böse Königinnen den Ton angeben. Man würde dem Film allerdings zu viel der Ehre erweisen, wollte man die hier anklingende Dichotomie von Gut und Böse und die Tatsache, dass am Ende das Eine nicht ohne das Andere bestehen kann, ernsthaft analysieren. Der in vielen Märchen immer wieder gerne aufgegriffene Topos von Gut und Böse wird hier völlig platt und undifferenziert als Motor der Handlung verwendet und verlangt vom Zuschauer, sich auf eine ziemlich naive Weltsicht einzulassen. Das allerdings auf recht charmante Weise.

Dass der Film auf formaler Ebene auch nicht wirklich überzeugt liegt vor allem an den vielen Dialogen und den zahlreichen statischen Einstellungen. So wirkt der Streifen über weite Strecken wie abgefilmtes Theater. Zudem wurde die schlichte Handlung mit zahlreichen redundanten oder überflüssigen Szenen recht mühsam auf Spielfilmlänge gebracht. So wird Marcos Boxkampf lang und breit gezeigt, und vor allem im Mittelteil des Films, der auf dem Planeten Sibila spielt, hat der Film einige Längen. Auch die Charakterzeichnung der Protagonisten bleibt weitgehend rudimentär und stereotyp. Die exotisch-erotische Lorena Velasquez ist in einer Doppelrolle als gute / böse Königin zu sehen, und wenn sie in ihrem gewagt kurzen Kleid und in High Heels "anmutig" durch die weitläufigen Studiolocations „schwebt“, werden unweigerlich Erinnerungen wach an Zsa Zsa Gabors Auftritte in „"Queen of Outer Space".“ Interessanterweise präsentiert das Drehbuch zwei nominelle (männliche) Helden, den Boxer Marcos und Prof. Wolf, die mit vereinten Kräften das Happy End ermöglichen. Ansonsten hinterlassen die beiden Darsteller allerdings keinen bleibenden Eindruck. In der Rolle von Marcos Manager ist der Komiker „"Ferrusquilla"“ zu sehen, doch abgesehen davon, dass er ständig Kaugummi kaut, hat er nichts wesentliches zur Handlung beizutragen, schon gar keine komischen Szenen. Für die Komik sollen wohl ein Gangster und seine beiden Handlanger sorgen, die als tollpatschige möchtegern Ganoven vorgestellt werden, die sich ständig gegenseitig irgendwelche Türen vor die Nasen donnern. Die weiteren Darsteller sind nur Lückenbüßer ohne besondere Eigenschaften. Das gilt auch für Guillermo Alvarez Bianchi, der als „dicker Mann“ ohne Namen einen der gekidnappten Menschen spielt. Bianchi hatte in „"Santo Contra el Rey del Crimen"“ noch die Hauptrolle als Gangsterboss „Don Cosme“ gespielt (siehe Review: https://www.ssl.ofdb.de/review/160606,541107,Santo-contra-el-rey-del-crimen).

Der überwiegend in den großzügigen „"Estudios America"“, eines von vier der zu der Zeit größten Filmstudios in Mexiko, gedrehte Film ist technisch sauber umgesetzt und akzeptabel ausgestattet. Das Raumschiff, dass an den „"Raumkreuzer C-57 D"“ aus „"Forbidden Planet“" erinnert, ist ebenso geräumig wie die Gemächer auf „Sibila“, doch die Sperrholzkonstruktionen der Studiobauten untergraben den Schein einer hochzivilisierten Welt recht vehement. Die fantasievollen Kostüme der außerirdischen Frauen aus Silber/Goldlamé mit schwarzen Applikationen, ganz kurzen Röcken, hochhackigen Stiefeln und albernen, spitz zulaufenden Helmen, erinnern sehr an ähnliche Uniformen wie man sie aus diversen amerikanischen Filmen mit ähnlichen Sujets kennt. Die wenigen Spezialeffekte des Films, so der Flug des Raumschiffs durch das All und die Szenen, in denen Lorena Velazques mit sich selbst agiert, sind technisch solide umgesetzt. Weniger überzeugend ist allerdings der Flug der Rakete, mit der Prof. Wolf zum Planeten „Sibila“ fliegt. Diese hat keinerlei (!) Instrumente oder Steuerungselemente und die ganze Sequenz erinnert doch sehr an „"Flash Gordon“" Serials aus den 30er Jahren. Prof. Wolf verfügt zudem über ein hochtechnisiertes Labor, in dem er auf einem Monitor den Flug der Außerirdischen zu ihrem Heimatplaneten verfolgen kann. Wie er das nur macht?

EL PLANETA DE LAS MUJERES INVASORAS ist sicher kein Film, den man gesehen haben muss, aber einen gewissen Kuriositätenwert kann man ihm nicht absprechen. Es handelt sich um Trivialkino im besten Sinne des Wortes.
 
Ausführliche Zusammenfassung des Inhalts:
Eines Nachts landet ein UFO auf einem Rummelplatz irgendwo in Mexiko. Dem Raumschiff entsteigen zwei Frauen, Martesia (Elizabeth Campbell) und Eritrea (Maura Monti). Schnell tarnen sie das Fluggerät als Kirmesattraktion, in der ein Flug zum Mond simuliert wird: „"Viaje a la luna por cinco pesos".“

Anderswo plant währenddessen der Boxer Marcos Godoy (Rogelio Guerra) sein Comeback. Mit seinen Freunden Silvia (Adriana Roel), Prof. Daniel Wolf (Guillermo Murray) und seinem Manager Taquito (Jose Angel Espinoza „Ferrusquilla“) bespricht er Einzelheiten des für den nächsten Abend angesetzten Kampfes. Da erscheint plötzlich der Gangster Tono (Raul Ramirez) mit seinen Handlangern Beto (Jose Chavez Trowe) und Ramon (Enrique Ramirez) auf der Bildfläche. Tono bietet Marcos 15.000 Dollar, damit er den Kampf verliert. Marcos geht zum Schein auf das Geschäft ein. Aber entgegen der Absprache gewinnt Marcos den Kampf und zieht so den Zorn von Tono auf sich. Am folgenden Abend besuchen Silvia und Marcos die Kirmes, wo sie an der vermeintlichen „Reise zum Mond“ teilnehmen wollen. Tono und seine Leute folgen den beiden in das getarnte UFO. Dort haben sich schon ein dicker Mann (Guillermo Alvarez Bianchi) und ein Ehepaar, Rosa (Graciela Doring) mit ihrem Mann (Aaron Hernan) und Ihrem Sohn, eingefunden. Die Besucher rechnen zwar mit einem atemberaubenden Erlebnis, doch als das Raumschiff tatsächlich abhebt und in den Weltraum fliegt, ist der Schrecken groß.

Während des Fluges offenbaren die beiden außerirdischen Frauen ihre tatsächlichen Pläne: Die Menschen werden auf den Planeten Sibila, „"the planet of the perpetual shine"“, entführt, der nur von Frauen bevölkert ist. Was sie dort erwartet bleib aber noch im Dunkeln. Taquito hat die ganze Szene beobachtet und eilt zu Prof. Wolf. Dieser verfügt über ein hochmodernes Laboratorium, und schon nach kurzer Zeit gelingt es ihm, das Raumschiff zu orten und dessen Flug auf einem Monitor zu verfolgen.

Schließlich erreicht das Raumschiff die zerklüftete Oberfläche von Sibila und landet. Die unfreiwilligen Passagiere werden mit Schutzbrillen ausgestattet, die sie vor der intensiven Sonnenstrahlung schützen sollen. Nach einem kurzen Marsch über die Oberfläche erreichen sie schließlich den Palast von Adastrea (Lorena Velazquez), der Königin von Sibila. Adastrea verspricht den Menschen, sie wie Freunde zu behandeln. Doch da erscheint Alburnia (Lorena Velazquez), die Zwillingsschwester der Königin, und bezichtigt dieser der Lüge. Als der Gangster Ramon die Nerven verliert und seinen Revolver auf Adastrea richtet, wird er von zwei Wächterinnen mit sogenannten „"Necroluminic-Spears"“ attackiert und getötet. Dann geleitet Alburnia die Menschen zu ihren Unterkünften. In jedem Raum befindet sich ein großer Bildschirm, mit dem Adastrea jeden Schritt der Gefangenen überwachen und mit ihnen kommunizieren kann. Der tote Ramon wird in ein Laboratorium gebracht, wo zwei Frauen eine Operation an ihm durchführen.

Beto gelingt inzwischen die Flucht, doch da er ohne Schutzbrille unterwegs ist wird er schnell Blind und von den Wächterinnen wieder eingefangen und in den „"sala de las experimentas“" gebracht.
Inzwischen hat die den Menschen wohlgesonnene Alburnia sich mit diesen verbündet und erklärt: „"Sibila is inhabited by a group of women without a soul. They have tried to go to earth but they have failed. Our lungs are not adapted to the atmosphere of your planet“." Mit Hilfe der Operationen will Adastrea menschliche Lungen für die Bewohner von Sibila nutzbar machen, um die Erde erobern zu können.

Alburnia beschließt, ihre Verbündete Fitia (Ethel Carillo) zur Erde zu entsenden, um Prof. Wolf über die Situation aufzuklären. Adastrea, die den Verrat bemerkt, schickt Martesia und Eritrea hinter Fitia her, um deren Mission zu sabotieren. Fitia, die den Professor nicht antrifft, flüchtet vor den beiden Verfolgerinnen, doch ihre Atemprobleme nehmen stetig zu. Kurz bevor sie stirbt findet Taquito die Frau und Fitia kann mit letzter Kraft ihre Informationen weitergeben. Taquito berichtet dem Professor was er erfahren hat. Kurz darauf sitzen Taquito und Prof. Wolf in einer Rakete auf dem Weg nach Sibila.
 
Adastrea hat inzwischen erkannt, das die Lungen von Erwachsenen nicht ihren Zweck erfüllen und greift nun auf die Lunge des kleinen Jungen zurück, der zu dem entführten Ehepaar gehört: „"As you assumed, the lungs of children are what we need. With this, we will live forever on earth!"“ Das Kind übersteht die Prozedur ohne irgendwelche Schäden.
Die Rakete von Prof. Wolf ist inzwischen auf Sibila gelandet und er und Taquito werden gefangen genommen und Adastrea vorgeführt. Ihr gegenüber gibt er an, niemanden von den Erdenmenschen zu kennen und behauptet, auf Sibila bleiben zu wollen. Heimlich schmiedet er jedoch Fluchtpläne mit Marcos und den anderen. Adastrea hat inzwischen gefallen an Prof. Wolf gefunden und zeigt ihm vertrauensvoll ihre geheime Strahlenwaffe, den „"Thunder Mirror"“, mit der sie nach belieben Ziele auf der Erde zerstören kann. Sie gibt Martesia und Eritrea die Anweisung, eine Schulklasse zu entführen und die Kinder nach Sibila zu bringen. Dazu richtet sie die Strahlenwaffe auf eine Schule: "„Only the oldest die, the children will live!“" Und so kommt es auch. Die Lehrer sterben und die Kinder werden in das UFO verschleppt.

Der Fluchtplan der Menschen wird vom Gangster Tono an Adastrea verraten, da er sich deren Wohlwollen erschleichen will. Bei der Suche nach den Flüchtigen wird Adastrea von den Menschen überwältigt und gefangen genommen. Alburnia tauscht die Kleidung mit ihr und gibt sich als Adastrea aus. So gelingt es ihr nicht nur Tono zu täuschen, sondern auch die Verbündeten von Adastrea. Mit dem Todesstrahl tötet sie zunächst Martesia und Eritrea im UFO auf der Erde. Die Kinder können das Raumschiff unbehelligt verlassen. Dann richtet sie mit tatkräftiger Unterstützung von Prof. Wolf die Waffe auf die verbliebenen Wachen, die alle getötet werden. Tono kann jedoch entkommen und stellt sich erneut an die Seite von Adastrea. Als die Menschen gerade die Rakete von Prof. Wolf besteigen wollen, versuchen Adastrea und Tono dies zu verhindern. Tono feuert einen Schuss auf Alburnia ab, die tödlich getroffen wird. Ihre Zwillingsschwester Adastrea aber stirbt im selben Augenblick, da Adastrea einer Legende nach nicht ohne Alburnia existieren kann. Prof. Wolf, Silvia, Marcos, Taquito, Tono, Rosa mit Mann und Sohn und der dicke Mann fliegen erleichtert zur Erde zurück...
 
Der in Deutschland (Frankfurt) als Alfred Crevenna geborene Regisseur des Films, Alfredo B. [Bolongaro] Crevenna (1914-1996), begann seine Karriere in den frühen 30er Jahren bei der UFA. Hier inszenierte er 1937 den Kurzfilm „"Heidenovelle“". 1938 flüchtete er vor den Nationalsozialisten zunächst nach New York, um kurz darauf nach Mexiko City zu gehen. Schnell fand er hier Arbeit beim Film, wurde mexikanischer Staatsbürger und drehte in den folgenden fünf Jahrzehnten laut IMDb mehr als 140 Filme in allen Genres. Die meisten seiner Filme waren allerdings nur in Lateinamerika zu sehen. In den 80er Jahren wurde sein Name auch deutschen Genre-Fans geläufig, als „"Mike Hunter Video"“ seinen Vampirfilm „"La Dinastia de Dracula“" (1980) auf Video veröffentlichte.  
 
 
 

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