Ein schon fast vergessener kleiner Klassiker ist Joseph Rubens „Dreamscape“, der einige der intensivsten Szenen des B-Kinos aufweisen kann, aber in seinen Einzelteilen sich leider oft zu bieder gibt.
Natürlich hätte der Plot für mehr herhalten können: in einem Institut hat man eine Maschine entwickelt, in der medial Begabte in die Träume anderer Personen einsteigen können, um deren tiefsitzende Ängste bekämpfen zu können. Leider hat auch der Präsident Alpträume vom Atomkrieg und will deswegen abrüsten. Ein Fall für einen patenten Traummörder....
Dennis Quaid ist dann der Strahlemann, der seine Fähigkeiten zum Guten einsetzt und den Präsi rettet und viele andere noch dazu, während er zum Schluß Kate Capshaw knutschen darf. Klar, das ist kongeniales B-Futter, dessen Story man von A-Z voraussagen kann.
Trotzdem: der Film hat so seine genialen Qualitäten.
Zum einen sind die Träume tatsächlich mit einfachen, visuellen Mitteln so gestaltet, wie uns Träume tatsächlich manchmal vorkommen: teils real und gleichzeitig absolut unwirklich. Neben einer Impotenzepisode im grotesken Bereich, ist das Höhentrauma eines Mannes am schwebenden Stahlträger tatsächlich beklemmend.
Der Klassiker schlechthin ist jedoch die Angst des kleinen Jungen vor einer Art Schlangenmann. Die Traumumgebung des heimischen Hauses bei Gewitter ist so vertraut und gleichzeitig bizarr und irreal, das es ein Genuß ist. An Dali gemhnende Treppen führen scheinbar ins Nichts und nirgendwo ist man sicher.
Ein wenig enttäuschender da schon die Post-Doomsdaykulissen, mäßig einkopiert, aber in ihrer atomaren Feuersröte trotzdem eindrucksvoll.
Leider sind die Szenen in der Realität dann aber voller Klischees, die sattsam bekannt sind, am unwürdigsten sicher Max von Sydows Maschinenentwickler, der dem Institutsleiter bei Nacht und Nebel ankündigt, sich an die Behörden wenden zu wollen, was natürlich sein Todesurteil ist. Auch der planmäßige Killer kommt nicht gerade geheimnisvoll rüber, sondern mehr als Vollblutarschloch zu allen Zeiten, dessen freudianisches Schachmattsetzen am Ende vorher mit dem Holzhammer vorbereitet wurde.
Für ein schickes Happyend werden dann auch alle weiterführenden Möglichkeiten verschenkt und der Verbleib der Maschine und ihre Nutzung bleiben ungeklärt, ebenso, wie auf eine Erklärung verzichtet wurde, wieso Quaid die Maschine nicht mehr braucht, als es drauf ankommt.
Vorbereitende Rahmenhandlungen wie der Ärger mit ein paar finsteren Typen auf der Rennbahn sind dann komplett zu vergessen, haben kaum TV-Film-Niveau.
Trotzdem ein schicker kleiner Film mit einer originellen Idee, der seltsamerweise nie ein Remake erfuhr oder fortgesetzt wurde, obwohl er mit Plummer, von Sydow, Quaid, Capshaw, Albert und dem Cheers-Star George Wendt veritable Namen aufweisen kann.
(7/10)