„Wer ist Ihr Innenarchitekt? Darth Vader?!“
US-Regisseur Joseph Rubens erster Film des 1980er-Jahrzehnts war der Mystery-Thriller „Dreamscape“, der auf das Jahr 1984 datiert, bevor Ruben 1987 mit dem Auftakt der „Stepfather“-Trilogie einen beachtlichen Kultfilm schuf.
Ein regierungsnahes Institut hat eine Technologie entwickelt, mit der mental entsprechend begabte Menschen in die Träume anderer gelangen können. Diese soll angewandt werden, um z.B. lebensbedrohliche Psychosen behandeln zu können. Der in dieser Hinsicht überaus talentierte Alex Gardner (Dennis Quaid, „Enemy Mine - Geliebter Feind“) wird mittels unsanften Drucks hinzugezogen, um u.a. einem Kind mit tiefschürfenden Alpträumen zu helfen. Ein weiterer Patient ist niemand Geringerer als der US-Präsident, der ein Trauma von Atombomben-Abwürfen erlitten hat und deshalb Abrüstungspläne hegt – sehr zum Missfallen gewisser Kreise, die ihm einen Killer in die Träume schicken wollen…
„Dreamscape“ thematisiert Geheimorganisationen, die sogar mächtiger als die nominellen Politoberen sind und mit allen Mitteln eine Entspannung zwischen den hochgerüsteten Weltmächten, jeglichen pazifistischen Anflug, verhindern wollen. „Das sind Kerle, vor denen sogar der CIA Angst hat!“, heißt es da, und allzu weit hergeholt ist das sicher nicht, vergegenwärtigt man sich, welche wirtschaftlichen Interessen hinter Rüstung und Kriegen stecken. Eingebettet hat Ruben dies in einen leicht konsumierbaren, unterhaltsamen Mystery-Thriller mit reichlich phantastischen Elementen und einem nicht geringen Gruselanteil. Der erste Ausflug auf die Traumebene kommt noch mit sehr durchschaubaren Studio/Fototapeten-Effekten daher. Die Traumsequenz des Atombomben-kritischen Präsidenten wird dann in rote Farbe getaucht und unternimmt damit einen ersten Schritt in Surreale, bevor ein erneut rotgefärbter Alptraum von der Untreue einer Ehefrau unpassend komödiantisch gestaltet wurde. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht „Dreamscape“ jedoch mit dem Traum des kleinen Jungen voll surrealer Ästhetik inkl. schiefen Türen und Wänden, einem Schlangenmensch-Monster der alten Spezialeffektschule und düster-dissonanter musikalischer Untermalung.
Bis die mörderische Organisation ihr wahres Gesicht zeigt, vergeht eine gute, mäßig spannende Stunde, in der eine Vielzahl an Charakteren eingeführt wird, z.B. Horrorautor Charlie (George Wendt, Norm Peterson aus „Cheers“) sowie weitere, mitunter redundantere Nebenrollen. Ruben scheint auch nicht 100%ig auf seine Fähigkeiten zur Erzeugung gruseligen Mystery-Thrills zu vertrauen, verwässert den Film mit typischer ‘80er-Action-Kost wie einer Verfolgungsjagd auf einem Sportmotorrad und agiert atmosphärisch häufig auf TV-Serien-Niveau derselben Dekade. Für unterstützenswert halte ich indes die Idee von Sex auf der Traumebene, der die obligatorische Romanze des Films endlich in Fahrt bringt. Das Finale mit seinem brutalen Traumduell mit vielen gruseligen Szenen und gelungenen Spezialeffekten weiß ebenso zu überzeugen – sieht man einmal von Logiklücken wie dem nicht näher erläuterten Umstand ab, dass Alex plötzlich auch ganz ohne die Institutsmaschine auskommt, um in fremde Träume eingreifen zu können.
Trotz der genannten Schwächen ist „Dreamscape“ ein überdurchschnittlicher, keinesfalls langweiliger Film aus der B-Riege, der mit populären Namen wie Max von Sydow („Der Exorzist“) und Christopher Plummer („Star Crash“) besetzt wurde, dem in Bezug auf seine vordergründige Thematik allerdings noch im gleichen Jahr Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ den Rang ablaufen sollte. Bemerkenswert fand ich übrigens die deutsche Synchronisation, als sie „Oval Office“ mit „ovales Büro“ übersetzte...