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Von den wenigen Filmliebhabern, die sich überhaupt mal einen Schwarzweißfilm ansehen, werden sich vermutlich noch viele von Viktor Tourjanskys "Blaufuchs" abwenden, aus dem Grund, dass dieser Film im Dritten Reich entstanden ist. Jedoch stand zu dieser Zeit den berüchtigten Propagandafilmen eine Vielzahl von sehr kultivierten, oft leichtfüßigen Filmen gegenüber, die alles andere als Propaganda sein wollten und sollten. Natürlich bleibt die Überlegung, inwiefern auch eine Liebeskomödie noch mit den politischen Verhältnissen ihrer Entstehungszeit korrespondiert und sie kommentiert, weiterhin bestehen. Sie kann aber zu dem Ergebnis kommen, dass der Film gerade nicht die Gesellschaftsideologie transportiert, die man im allgemeinen mit der Zeit von 1933-1945 verbindet. Auf der einen Seite sollte man Bezüge zum Regime nicht ignorieren, auf der anderen sollte man sie aber auch nicht suchen, wo sie nicht sind - kein leichtes Unterfangen, aber trotzdem gibt es Grund genug, sich diesen Film anzuschauen.

Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen Ilona Paulus (Zarah Leander), der lebenslustigen Frau des arbeitssüchtigen Privatdozenten Stephan Paulus (Paul Hörbiger), der kurz vor seiner Berufung zum Professor für Zoologie steht, und Tibor Vary (Willy Birgel), einem tollkühnen Flieger, der mit Stephan Paulus befreundet ist und so in einen Gewissenskonflikt gerät. Richtig vertrackt wird die Geschichte, als Stephan von seiner Assistentin Tilla und Ilona von dem Sänger Trill umgarnt wird. Das ganze spielt sich in Ungarn ab und trägt den damals sehr populären Anstrich mit ungarischer Folklore. Auf einem ungarischen Volksfest kann Zarah Leander dann auch ihr Lied "Von der Puszta will ich träumen" anbringen, mit dem sie in einer gut umgesetzten Massenszene durch ihre großartige dunkle Stimme für Gänsehaut sorgt.

Ja, im Grunde ist dieser Film wie viele andere seiner Zeit ein Vehikel für Zarah Leander. Mit dunkelrot geschminkten Lippen und tief ausgeschnittenen Kleidern verkörpert sie die "Sünde", von der in einem ihrer bekanntesten Lieder, ebenfalls in diesem Film zu hören, die Rede ist: "Kann denn Liebe Sünde sein? Selbst wenn sie es wär', wär's mir egal", singt sie provozierend, nachdem sie ihren Ehemann verlassen hat, um in einem Nachtclub zu singen. Für eine deutsche Ehefrau im Jahre 1938 war das nicht wirklich eine Perspektive, und es ist wohl kein Zufall, dass dieser Film in Ungarn spielt und Zarah Leander durch ihren Akzent als Exotin gekennzeichnet ist. Allerdings spielte Leander in "Heimat" eine ausgewanderte Deutsche, die nach ähnlichen Maßstäben denkt und lebt wie Ilona in "Der Blaufuchs". Ob solche Filme vom Reichspropagandaministerium lediglich geduldet wurden oder ob man mit ihnen bewusst die Vorstellung einer ungebundenen Liebe zur Grundidee einer verführenden kinematischen Scheinwelt zu machen versuchte, ist schwer zu sagen.

Die Figuren des Films sind großteils klischeehaft, aber liebevoll abgebildet. Paul Hörbiger gibt den zerstreuten Wissenschaftler mit kaum vorhandenem Lebensbezug. Willy Birgel befindet sich mal wieder in seiner Paraderolle als sportlicher Held, diesmal im Flieger- statt im Reitermilieu. In diesem Film gibt es zwar keine Militärbezüge, aber die damals übliche Verehrung der berühmten Flieger aus dem Ersten Weltkrieg, zu denen Manfred von Richthofen, aber auch Hermann Göring gehörte, mag hier mit hineinspielen. Karl Schönböck ist der galante Operettentenor, dessen von Eric Helgar eingesungene Gesangsstimme fast höher klingt als die Zarah Leanders.

Was den Film heute noch ertragreich macht, sind die hochklassigen Schauspieler mit einer hohen Sprechkultur (wie sie heute leider für unwichtig oder gar steif erachtet wird) sowie das gelungene Drehbuch mit seinen witzigen, pointierten Dialogen. Die Balance zwischen dem ansprechenden Humor und der unterschwellig brodelnden, nie ganz zum Ausbruch kommenden Leidenschaft ist gelungen und stellt gewissermaßen ein Spezifikum der damaligen Filmkultur dar. Es bedarf dafür allerdings einer gewissen Offenheit, weil Filmhandlungen und -dialoge zu dieser Zeit viel mehr von kleinen Gesten und Andeutungen lebten. Sehr sehenswert.

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