Auch der nicht total auf Action und Kampfsport fokussierte Filmfreund braucht manchmal seine kleine Portion erlesener „Auf-die-Fresse“ – und was könnte es da in den letzten Jahren Besseres geben als die Filme rund um das akrobatische thailändische Wunderkind Tony Jaa, der praktisch Unglaubliches im Bereich der Körperbeherrschung bietet, um es dann auch noch mit überaus realistischer Brutalität zu mischen (kann auch brutaler Realismus sein, ganz wie man will).
Mit „Ong Bak“ und dem darauf folgenden „Revenge of the Warrior“ (der übrigens, entgegen der üblichen Kritikermeinung wesentlich unterhaltsamer und aufgeblasener war als sein Vorgänger) schrieb er sich ins Geschichtsbuch des Actionfans und das hat natürlich den Erwartungsdruck für künftige Filme bei seinen Fans enorm erhöht.
Und nicht nur da, sondern auch er selbst hat für sich offenbar neue Maßstäbe etabliert, weswegen zum Knochenbrechen jetzt auch filmischer Gigantismus gekommen ist.
„Ong Bak 2“ sollte nicht einfach ein weiterer denkwürdiger Kracher werden, sondern ein Epos von Format, schön teuer und prachtvoll anzusehen, so daß Tony Jaa nun auch gleich noch den Regiestuhl für sich in Anspruch nahm.
Wie dann aus der Fachpresse zu erfahren war, ging der Schuß nach hinten los: Budgetüberziehungen waren das Einzige was episch wirkte, dazu kam noch ein empfindsames Ego und ein wohl noch labilerer Charakter und schwupps war der gute Junge im Busch verschollen, um die Kreativität aus sich heraus zu meditieren.
Schlußendlich war das Geld aber dann doch vorhanden und Jaa schuf sein opus magnum – doch was wir jetzt zu sehen bekommen, ist nur eins: unfertig.
Das liegt aber nicht an mangelnder Qualität, sondern daran, das wohl so viele Liefertermine überschritten waren, daß man sich entschied, das Dreistundenepos einfach in der Mitte zu teilen und „Ong Bak 2“ zum ersten Teil eines knackigen Doppeldeckers zu machen, damit die Fans schon mal was zum Kauen haben.
Ergo bekommt man mit dem Film aber auch nur einen gerade 90minütigen Kampfsportfilm von guter Qualität, der vieles ist, sogar herausragend, aber eben nicht monumental.
Sicher, der produktionstechnische Aufwand ist enorm und es sind eine Menge Kampfsportstile und Waffenfights zu begutachten, aber gegen die Megalomanie eines „Revenge of the Warrior“ kommen die leider nicht an.
Storytechnisch ist es gute alte Schule, die geboten wird: der adelige Sohnemann, dessen Eltern in den Kriegswirren im Dschungel durch Machtübernahme und Verrat dran glauben müssen, ebenso wie die Adoptiveltern. Ergo wird der Bube durch Banditen aufgezogen und zu einem Kampfsportkünstler gemacht, der sich an den Böslingen rächt, die entweder Verwandte gemeuchelt haben oder ihn in einer Krokodilgrube versenkt haben.
Letzteres ist eines der besonderen Highlights, genauso wie ein gestellter „drunken fight“ und als kleine Krönung eine ausgedehnte Kampfszene an, auf und um einen lebenden Elefanten herum (Jaas Markenzeichen), doch der ganz große Überflieger ist noch nicht dabei, ebenso wie der Oberbösewicht nicht eben besonders überzeugen kann.
So endet dann auch alles auf einem Cliffhanger, bei dem der Held wieder in die Fänge des Bösen gerät, aus denen er sich dann zweifelsohne in „Ong Bak 3“ herausschlitzen und prügeln darf, doch bis dahin wirkt das alles wie eine dramaturgische Blaupause und nicht wie ein runder zweiter Teil.
Man darf also erwarten, daß nach Veröffentlichung der Fortsetzung die Teile 2 und 3 irgendwann als integraler Gesamtfilm aufs Publikum losgelassen werden. Ob Jaa allerdings auf lange Sicht als Kampfsportguru bestehen kann, wird sicherlich daran liegen, ob er seinen leicht wirren Charakter in den Griff kriegt und ob er irgendwann so etwas wie darstellerische Fähigkeiten entwickelt, denn bisher ist er nur als der leicht autistisch wirkende Beschützer aus der wilden Natur aufgetreten, der weder großartige menschliche Züge sein eigen nennt, noch an Gefühlen Interesse zu haben scheint.
Sieht alles gut aus, hat aber bisher weder Seele noch Tiefe – und die braucht man für das hier dargestellte tragische Drama. (5/10)