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"Jedem, dem es gelingt, Geist und Körper mit einer Waffe in Einklang zu bringen, wird über die größte Macht weit und breit verfügen."

Thailand im 15. Jahrhundert. Tiang (Tony Jaa) musste als Junge erleben, wie seine Eltern getötet wurden. Der kleine Junge gerät in die Hände von Sklavenhändlern. Noch während er sein Leben gegen ein Krokodil verteidigen muss, überfällt eine Gruppe von Räubern den Sklavenmarkt und rettet Tiang. Beeindruckt vom Durchhaltevermögen des Jungen nimmt ihn der Anführer Chernang (Sorapong Chatree) als seinen Ziehsohn bei sich auf. In den folgenden Jahren lernt Tiang den Umgang mit verschiedenen Waffen, stärkt seinen Geist und steigt nach vielen Prüfungen sogar zum zweiten Anführer der Banditen auf. Doch noch von seiner Kindheit gezeichnet schwebt ihm nur eines im Kopf: Die Mörder seiner Eltern finden und sie für ihre Taten bestrafen.

Die Produktion von "Ong Bak 2“ stand unter keinem guten Stern. Tony Jaa, der Hauptdarsteller des weltweit bekannt gewordenen "Ong Bak“, wurde für den Nachfolger mit Hauptrolle sowie Regie betraut. Noch während der Dreharbeiten verließ er das Set für 2 Monate. Späteren Angaben zufolge waren das überzogene Budget und die Doppelbelastung für Jaa zuviel des Guten. Nach einer medienwirksamen Versöhnung zwischen Jaa und der Produktionsfirma wurde Panna Rittikrai ("Born to Fight") als Co-Regisseur zugezogen, um bei den restlichen Dreharbeiten zu unterstützen.
Dass solch eine wilde Entstehungsgeschichte einem Film nicht gut tun kann, ist ersichtlich. Kein Wunder also, dass sich "Ong Bak 2“ in vielen Facetten von seinem Vorgänger unterscheidet.

Der Nachfolger steht genau genommen in keinem Bezug zu seinem zugrunde gelegenem Werk und spielt in einem vorzeitlichen Thailand. Der Umzug ins Mittelalter hat eindeutig seine Schattenseiten. Wo akrobatische Einlagen über einen thailändischen Markt von heute dem Publikum einfach zu unterbreiten war, dürfte es gerade den westlichen Zuschauern nun deutlich schwerer fallen sich zwischen rivalisierenden Fürsten, Banditen und Sklavenhändlern zurecht zu finden.

Ganz besonders schwierig wird es bei der einfallslosen Handlung. Genau genommen wird Tony Jaa von einer Prügelei in die nächste geschickt. Was sich in der ersten Stunde dazwischen abspielt ist ein unausgegorener Mix aus verstümmelter Charakterbildung und Rückblenden in die Kindheit der Hauptperson.
Während plötzliche Handlungssprünge zusätzlich Verwirrung stiften, gewinnen die klischeebeladenen Figuren zu so gut wie keinem Zeitpunkt an Tiefe. Stattdessen werden sie verschwenderisch und unpassend eingesetzt. Beispielsweise wird in die Handlung eine junge Frau eingebaut die, wie der Zuschauer aus Rückblicken erfährt, in Tiangs jungen Jahren eine wichtige Rolle spielte. In der Gegenwart tanzt sie während Tiang dem Bösewicht ein Schwert über den Rücken zieht. Das ist alles. Wofür also das ganze Vorgeplänkel mit den Kindheitserinnerungen?

Erst nach einer öden und dramaturgisch kaum spannenden ersten Stunde kommt die eigentliche Rachegeschichte endlich in die Gänge. Erst dann lässt Tony Jaa sich und seine überragenden Kampfkünste richtig von der Leine. Auch wenn die Duelle nicht mehr dieselbe Power wie im ersten Teil bieten, haben sie dennoch ihren Reiz. Gerade wenn man bedenkt, dass die Kämpfe ohne Seile und CGI-Tricks auskommen.
Vergleichsweise gibts diesmal allerdings weniger Martial-Arts als wohl erhofft. Vielmehr wird diesmal zu Schwertern, Säbeln und Sicheln gegriffen, was den Film ungemein blutiger macht. Vorbei ist damit auch die losgelöste Atmosphäre, und die teils lästigen Gags des Vorgängers weichen einer ernsteren Präsentation.

Das Finale bietet dann endlich die herausragenden Actionszenen die man schon im Vorfeld erwartet hat. Tony Jaa reagiert, springt und verbiegt sich in unvorstellbarer Manier während die prunkvolle Choreographie in prachtvoller Optik jede Menge Adrenalin aufwirbelt. Hier werden Jünger des gehobenen Martial-Arts-Filmes auf jeden Fall bedient. Allerdings bringt diese das jähe und merkwürdige Ende auf den Boden der Tatsachen zurück. Ob es sich dabei um einen mutigen Schritt einen echten Nachfolger anzukündigen oder einfach eine ideenlose Schlussparodie handelt, wird folglich die Zukunft zeigen.

Die Optik und die Inszenierung wirkt edel und alles andere als billig. Schläge und Tritte werden mit überlauten, brachialen Soundeffekten begleitet, während sich der Soundtrack im Hintergrund hält. Aufwendig sind insbesonders immer wieder eingefügte Zeitlupeneffekte, die auch schon im Vorgänger besondere Ereignisse hervor hebten.
Leider verhält es sich so nicht bei den Schauspielern, die dem westlichen Publikum sowieso völlig unbekannt sein dürfte. Einzig Tony Jaa ("Revenge of the Warrior") bleibt hier in Erinnerung. Und es ist ohnehin "sein" Film, so wie auch schon der Vorgänger.

"Ong Bak 2“ kann mit der Qualität des ersten Teils nicht mithalten. Sicherlich gibt es im Finale akrobatische Action vom Feinsten, bis dahin ist der Weg für den Zuschauer aber lang und steinig, der sich durch eine spannungsarme Handlung, bleiche Charaktere und ohne echte Hingucker definiert.

5 / 10

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