Ein Theaterspiel in geschlossenen Räumen stellt die zweite Regiearbeit von Lam Tze-Chung dar, ganz fern der realen Welt noch zusätzlich auf einer Insel als rahmenbildende Verkopplung und damit in einer weit entgrenzten Bedeutungsdimension angesiedelt. Innerhalb der abgeschotteten Außenmauern, angesiedelt irgendwo zwischen Sozial- und Wohlfahrtsstaat, in der die Freiheit des Einzelnen dort aufhört, wo die Freiheit des Anderen beginnt und ebenso unzulänglich einer brüderlichen oder sonstwie harmonischen Existenzweise beschäftigt sich Lam mit dem nicht nur in Zeiten von Rezession üblichen Hickhack um Geld. Neben der Liebe und der Rache als regelmäßiger Gang der menschlichen Dinge immer die beste Voraussetzung für einen gambling Film, der von vornherein zwischen reinem Zweckhandeln und widernatürlicher Beschränkung montiert war. Ein Anlass, der nur einen bescheidenen Aufwand erfordert.
Dass die Produktion in seinem eigenen Identitätsverlust überhaupt das Licht der Welt erblickte, verdankt man wohl weniger dem Eifer seines sicherlich nicht nach höheren Weihen strebenden Schauspielers Lam, der bisher und wohl auch zukünftig nur als der dicke Sidekick von Stephen Chow im Gedächtnis des Publikums verweilen wird. Preisgünstig zu finanzieren und ohne persönlichkeitsbestimmende Schöpferkraft schielt nicht nur die Ausgangsidee, sondern auch die dazugehörige Besetzung sowie die gesamte filmische Behandlung achtloser Wesenslosigkeit eindeutig auf die Eintagsfliege Kung Fu Mahjong, die schon 2005 das solideste Erwerbsgeschäft mit gleichzeitig geringfügigsten Risikozusatz anstrebte. Von vornherein geringer Verlustbetrag, mit etwas Glück sehr große Gewinnchance, in dem speziellen Fall number one box-office showing mit knappen 5,7 Mio HK$. Von dem zeitweiligen Zuschauererfolg profitierend und die seit Jahren schematische Thematik weiterverwendend machten sich mehr oder minder folgenlos schon die üblichen [zwei] Fortsetzungen im programmatischen Entwurf sowie die Nachzügler Bet To Basic und My Wife Is A Gambling Maestro an das Ziel des großen Reibachs. The Luckiest Man wirkt selbst im Vergleich zu den schon so drögen Gestalten wie eine in der Vergangenheit vergessene Desillusionierungskomödie, die mitsamt konventionellen Hinweisen so redensartlich allgemein gehalten ist, dass allein das Merkmal der veralteten Rückbesinnung interpretationsfähig und interpretationsbedürftig ist.
Neben dem Profitstreben nicht nur hinter, sondern auch vor der Kamera weist der Film nämlich nur noch die antiquarischen Qualitäten eines nicht nur überalterten, sondern gerade auch in Bezug auf die formelle Inszenierung und die materiellen Pointen greisenhaften Werkes auf. Anstelle der Technik des emotionalen Gedächtnisses steht das Schweigen der Verlassenheit. Statt Tempo, Esprit und Gelächter gibt es nur die eintönige konservative Bekräftigung, der erschöpfliche und wenig durchdringende Witz, die niedrigste Gabe zu sticheln und zu spotten. Statt heiteren Komödien zur eskapistischen Ablenkung bloß objektive und subjektive Geringfügigkeit. Schmal und verstaubt ist das Skript, in hilflosen Eifer die Pole von Realitäts- und Fiktionsbewusstsein flankierend. Überholt und überlebt ist die Wahl der Darsteller, düster und bekümmert die Einbringung ältester Humorversuche wie das schlichte Kostümieren in Maskeradie, das Versalzen des Essens, das Juckpulver im Bett, der heimliche Austausch von Haarshampoo gegen Superkleber:
Ho Bee - fat [ Nat Chan ], der King of Gamblers, Besitzer einer Reihe gut laufender Mahjongschulen, geht mit strammen Schritten seinem Lebensabend zu. Gerade seinen Siebzigsten Geburtstag gefeiert, und anschließend gleich auf der Beerdigung eines guten Freundes gleichen Alters zugegen gewesen, muss sich der auch körperlich und geistig nicht mehr auf der Höhe der Aktivität befindende Patriarch schleunigst um einen Nachfolger und ein entsprechendes Testament kümmern. Da er gleich mit drei Frauen [ Yuen Qiu, Monica Chan, Pinky Cheung ] verheiratet ist und zusätzlich die eher nichtswürdigen ehelichen Kinder Kin [ Danny Chan ], Key [ Timmy Hung ] und Ciccy [ Deng Ziyi ] am Hals hat und die Sippschaft angesichts des kommenden Reichtums untereinander verstritten ist, steht er vor der Qual der Wahl. Frustriert vom Leben hält er nach seiner vor Urzeiten verschwundenen ersten Liebe Ausschau, die mittlerweile zwar verstorben ist, ihm mit dem bisher verschwiegenen Ho Fei [ Bosco Wong ] wohl aber einen weiteren Spross, diesmal von der edlen Natur hinterlassen hat. Dennoch stellt Bee - fat seinen Abkömmlingen eine alles entscheidende Aufgabe: Wer am Produktivsten eine seiner Mahjong - Schulen leiten kann, soll das Erbe antreten.
Ganz ähnlich wie schon bei Kung Fu Mahjong ist der bestimmende Mittelpunkt dabei mit einem Harlekin oder auch auf gut deutsch einen Hanswurst zur besseren Versinnbildlichung konfiguriert; ein naiver Tor als Vordergrundfigur, der entweder in den intellektuellen Fähigkeiten von Geburt an oder doch vorübergehend beschränkt ist, und dafür ein großes goldenes Herz besitzt. In einfältiger, höchst naiver, aber stetig im Menschelnden wühlender Art versucht sich hier der bei TVB unter Vertrag befindliche Emporkömmling Bosco Wong im selben Sprungbrett von Fernsehen zur Kinoleinwand, wie es dort TVB Urgestein Roger Kwok probiert hat. Abgesehen von den gut fünfzehn Jahren Altersunterschied, die sich bei dem aus gutem Grund noch burschikos salopp wirkenden Wong zu seinem Vorteil entscheiden, auf die gleiche unbeholfene Weise in grimassierender Protzerei und humoristischer Engherzigkeit.
Die Struktur der faden Veranstaltung nach dem Binsenweisheitsmotto "If you have no money, it's a real trouble. But once you have money, it's still a trouble" stammt normalerweise aus den extra zum Chinesischen Neujahr entwickelten Allerweltsschnurren, die mit viel belanglosen Episödchen, knallbunten Bildern und der Ansammlung gerade angesagter Stars über die Feiertage ganze Stammbäume in die Kinos locken sollen. Eine Methode, die jahrelang auf Tauglichkeit geprüft und auf den unwiderstehlichen Erfolg schlechthin geeicht war, aber gerade die letzten Jahre wie Alles Andere auch seinen Schwund nahm. [All's Well End's Well 2009 soll mit Hilfe von Louis Koo, Ronald Cheng und Sandra Ng die Schlappe demnächst wieder ausbügeln.].
Hierbei mehrere Klassen tiefer gesetzt, und mit den special thanks an nicht gerade für bankability bekannte Leute wie Vincent Kok, Cheung Tat-ming und Tin Kai-Man auch bereits wieder ins Aus der Aufmerksamkeit manövriert, bleibt auch sonst nur ein müder Schein des einstmals so prächtig glänzenden Festspielhauses über. Ein von den Idealen abschreckendes Beispiel. Interessieren oder wenigstens Unterhalten tut leider Nichts, weder im Ausgang des innerfamiliären Wettkampfes noch der Weg dahin in Erkenntnis und Verständnis. Den Akteuren, von denen sich die Meisten auch mit schlecht sitzender Perücke und Narrenkleid älter machen, als sie eh schon sind, fehlt die Dimension der Identifikation und die Distanz zur Rolle. Statt ungebundener Phantasie diebischer Freude wird jeder dritte Bühnenvorgang bewusst auf die Konstruktion des Ganzen hingewiesen, oft direkt in die Kamera gesprochen und dort vorgeblich sympathischen Kontakt mit dem Zuschauer aufgenommen, zuweilen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man doch das Skript gelesen und sich entsprechend vorbereitet hat. Die Modellhaftigkeit des Geschehens einhergehend mit der verkrampft augenzwinkernden Selbstbeobachtung im Spiel und die dennoch oder gerade auch deswegen durchscheinende Unpersönlichkeit des Stoffes verlagert das komplette Sujet neben dem Zurückschreiten in die Vorzeit noch obendrein aus der Unmittelbarkeit ausgelassenen Mutwillens hinaus in die unbedingt vorsätzliche Abstraktion.