„Leonidas im Geschlechterkampf"
„Männer sind Schweine!" war vor gut 10 Jahren ein Riesenhit für die deutsche Punkrockband „Die Ärzte". Mit dieser banalen Botschaft feiert auch Fernsehmoderator Mike Chadway (Gerald Butler) auf einem Spartenkanal der kalifornischen Hauptstadt allabendlich große Erfolge. Seine derben, direkten und gerne auch mal zotigen Tipps zum Geschlechterkampf sollen den Quotentiefflug der Newsshow eines benachbarten Lokalsenders stoppen. Die ehrgeizige und resolute Programmchefin Abby (Katherine Heigl) hält allerdings gar nichts von der vermeintlich rettenden Idee ihres Chefs. Sie setzt auf Anspruch, Kultur und seriöse Berichterstattung. Als Mikes zynische Sprüche die Sendung binnen kürzester Zeit in den Quotenhimmel schießen, ist Abby erst recht frustriert. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sieht jedenfalls anders aus ...
Nicht nur der Genrekundige wird es längst erraten haben, Die nackte Wahrheit ist ein weiterer Vertreter der modernen RomCom. Trotz eines strikten Schemas, das lediglich in einzelnen Situationen und im Setting variiert (werden kann), ist die Geschlechterkomödie einfach nicht totzukriegen. Die Erfolgsformel ist so simpel wie die von Mike beschriebene männliche Psyche: man nehme zwei sympathische Hauptdarsteller zwischen denen die Chemie stimmt und schreibe ihnen ein paar bissige, witzige und romantische Zeilen auf die obligatorisch attraktiven Leiber. Fertig ist der Hit. Unlängst wieder bewiesen durch Sandra Bullocks letzten Genrestreich Selbst ist die Braut.
Auch bei RomCom-Profi Katherine Heigl und Actionstar Gerard Butler hat man auf das richtige Gespann gesetzt. Zwar steht die Leinwand nicht gerade in Flammen, aber das klassische „Was sich liebt, das neckt sich-Szenario" bringen die beiden überzeugend und charmant an ihr Publikum. Vor allem Butler bringt den an sich recht seichten Film souverän auf die Gewinnerstraße. Als chauvinistischer Supermacho Mike ist er für fast alle Lacher allein verantwortlich. Trotz der zum Teil überaus derben Ausdrucksweise und nicht weniger Treffer unterhalb der Gürtellinie, schafft er es mühelos seinen Charakter zum absoluten Sympathieträger hochzupöbeln. Ungemein charismatisch, entwaffnend charmant und erfrischend selbstironisch, beweist der hemdsärmelige Schotte eindrucksvoll, dass er mehr auf der Pfanne hat, als 299 Spartaner in den Heldentod zu brüllen.
Katherine Heigl hat den undankbareren Part, da sie erst im Verlauf des Films sympathischer werden darf. Abby ist ein neurotischer Kontrollfreak, der zu jedem Date mit einer Checkliste anrauscht. Auch Heigl kann ihrer klischeebeladenen Rolle menschliche Facetten abringen und sich im breiten Windschatten des groß aufspielenden Butler auf der Sympathiespur heranpirschen.
Seinen komödiantischen Reiz bezieht der ansonsten völlig formelhafte Film aus einem Deal zwischen Abby und ihrem zotigen Rettungsanker. Trotz ihres attraktiven Äußeren ist Abby in Liebesdingen völlig erfolglos. Kontrollmanie und Checkliste heißen die unüberwindbaren Hindernisse. Mit Blick auf ein künftig harmonischeres Arbeitsverhältnis - aber natürlich auch nicht ganz ohne selbstgefällige Überheblichkeit - bietet Mike seiner neuen Chefin die Lösung ihrer Beziehungsprobleme. Sollte es ihm nicht gelingen ihr zum erträumten Mr. Right in Person des nachbarlichen Pin up -Arztes Colin zu verhelfen, würde er kündigen.
Den weiteren Verlauf kann sich der Genreprofi natürlich denken. Dabei geht es allerdings nicht um die Frage „Ob", sondern lediglich um das „Wie". Und hier hält Die nackte Wahrheit eine Reihe witziger Situation und knalliger Dialoge bereit. Einzig eine nicht sonderlich gelungene Reminiszenz an die berühmteste Szene aus dem Klassiker Harry und Sally trübt etwas den positiven Gesamteindruck. Aber geschenkt.
Fazit:
Die nackte Wahrheit ist zwar kein Meilenstein der RomCom-Gattung, bietet aber für den nicht allzu anspruchsvollen Genrefreund recht kurzweilige Unterhaltung. Das liegt vor allem an Hauptdarsteller Gerard Butler, der als sprücheklopfender Bilderbuchchauvi den Film klar dominiert. Trotz zum Teil derber Zoten kommt der Schotte ungemein sympathisch und charmant rüber. Auch die Chemie mit Partnerin Katherine Heigl stimmt, so dass einem Erfolg nichts mehr im Wege stehen dürfte.